Freiheit gibt es nicht geschenkt


Richard-Wagner-600x300Wir definieren Freiheit meist politisch. Dabei ist sie das Ziel unseres Daseins, indem wir den Egoismus überwinden und als selbstbestimmte, freie Menschen Gott gegenüberstehen.

„Denn selbst muss der Freie sich schaffen;
Knechte erknet` ich mir nur!“
                                                                                                                    (Wotan in: „Die Walküre“)

Ein Mensch, der nicht merkt, dass er ein gut genährter Sklave ist, wird nicht nach Freiheit streben. Sein Ich, das nur sich selbst bestimmend in Erscheinung treten kann, ist im äußeren Wohlbehagen eines empfangenden Konsumenten erstickt. Er lässt sich als Kreatur, als Objekt behandeln. Fühlt er sich darin auch noch glücklich, wird er gar zum erbittertsten Feind der Freiheit, die seine dumpfe Ruhe gefährden könnte. Er versäumt, ja verrät sein eigentliches Menschsein, seine innere Würde.

Vieles in der Gegenwart wird daraus verständlich. Die Entwicklung der Freiheit und ihre gesellschaftliche Realisierung setzen daher das Erfassen und die Erkenntnis des inneren Wesens des Menschen voraus, auf das jeder mit dem Wörtchen „Ich“ hindeutet. Wo kommt es her, und was ist seine Bestimmung?

Der innere Mensch hat sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Innere Entwicklung, die sich im äußeren kulturellen Geschehen ausdrückt, ist der Schlüssel zum Geschichtsverständnis. Die heute herrschende Form der äußeren Geschichtserzählung ist noch nicht sehr alt. Ihr ging in allen Völkern das Erzählen volks- und menschheitsgeschichtlicher Vorgänge in mythischen Bildern voraus, die einer Zeit entstammen, in der das Bewusstsein der Menschen nicht auf die äußere sinnliche Welt beschränkt war, sondern im Natur- und Menschenleben noch das Wirken höherer göttlicher Wesen wahrnahm. Diese höhere Erkenntnis wurde schließlich noch in den alten Mysterienstätten der Völker geschult und gepflegt. Und aus ihnen sind die mythischen Götter- und Heldensagen unter das Volk gebracht worden.

„Die Mythologie eines Volkes ist die exoterische Darstellung dessen, was in den Mysterienstätten an esoterischer Weltendramatik erlebt wurde“, war Richard Wagner überzeugt.[1]

Richard Wagners in Musik gehobene Entwicklungs-Dramatik

Wagner wusste, dass in den Mysterien diese Vorgänge auch in dramatische Handlungen, in heilige „Mysteriendramen“ umgesetzt wurden. In Griechenland traten diese noch mit einem Nachklang dieses Charakters in den Dramen von Aischylos und Sophokles in die Öffentlichkeit, woraus sich das heutige weltliche Drama entwickelt hat. Wagner erkannte, dass auch die Sagen der germanischen Mythologie tiefste geistige Entwicklungsvorgänge der Menschheit schildern, die in einzelnen mythischen Helden exemplarisch dargestellt werden. Sie in gleichsam musikalische „Mysteriendramen“ zu formen, die er daher nicht profan Opern, sondern „Bühnenfestspiele“ nannte, war sein tiefstes Anliegen.

Er konzentrierte in einer Neudichtung sprachlich und musikalisch die wesentlichen mythologisch-geistigen Ereignisse in dramatische Handlungsabläufe. Diese müssen natürlich mit sinnlichen Mitteln und Personen dargestellt werden; sie aber deshalb als platte psychologische oder symbolisch-politische Handlungsabläufe zu deuten, ist das große Missverständnis, dem die meisten Regisseure der Werke Richard Wagners in den heutigen Opernhäusern unterliegen und damit deren eigentlichen Sinngehalt mit oft absurden Ideologien zustellen.

Alles Wirken der Götter und widerstrebenden Mächte, das in der Mythologie geschildert wird, dreht sich um die Bildung und Entwicklung des Menschen zu einem freien Wesen. Aus der Substanz der Götter ist der Mensch hervorgegangen. Er ist ein Sohn der Götter, die ihre Kräfte hergaben und – eine deutliche Parallele zur biblischen Schöpfungsgeschichte – den Menschen sich ähnlich machten.

Der Ring der Persönlichkeit

Aber um selbständig zu werden, musste der Mensch in einen Prozess geführt werden, durch den ersich sukzessive von der heimatlichen göttlichen Welt absonderte. Dies geschah mit Hilfe des Zwerges Alberich und seines unterirdischen Nibelungengeschlechts, die selbst schon einen gewissen vormenschlichen Abschnürungs- und Verdichtungsprozess durchgemacht hatten, der aber mit einer gewissen Eigensucht verbunden war. Alberich, der lieblose Eigensüchtige, schmiedete aus dem Rheingold der Urweltweisheit einen Ring, durch den ihm „maßlose Macht“ und „der Welt Erbe“ verhießen ward: „das in sich selbst rundende, von der Umwelt sich abschließende Wesen der Egoität.“ (Oberkogler S. 67) Dies wurde von den Göttern benötigt, die Alberich den Ring abnahmen, wie es in dem Vorabendspiel „Das Rheingold“ zum dreiteiligen Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ geschildert wird. Der Ring der Egoität musste sich um den Menschen legen, ihn von der Umwelt abgrenzen, damit aber im Inneren der Persönlichkeit ein eigenes Bewusstsein aufleuchten konnte für das Unbegrenzte.

Alberich spricht in seinem Zorn einen Fluch über den Ring aus, der aber nichts anderes ist als die Prophezeiung der Folgen, die notwendig aus dem Egoismus hervorgehen werden: Machtgier, Furcht, Neid, Hass, Elend und Tod:

 „Wer ihn besitzt,
den sehre die Sorge,
und wer ihn nicht hat,
den nage der Neid!
Jeder giere
nach seinem Gut,
doch keiner genieße
mit Nutzen sein.
…Dem Tode verfallen,
fessle den Feigen die Furcht;
solang er lebt,
sterb` er lechzend dahin,
des Ringes Herr
als des Ringes Knecht. …“

Wotan (Odhin), der führende der Asen-Götter, verliert auch bald den Ring im Streit an die beiden Riesen Fafner und Fasold, die ihm Walhall bauen. Und auch diese zerstreiten sich. Fafner tötet Fasold und reißt den Ring nebst weiteren Schätzen an sich. Er verwandelt sich in einen furchtbaren Drachen, der sich in einer Höhle auf den Nibelungenschatz legt, um ihn gegen jedermann zu verteidigen.

Mit dem Abstieg in die irdische Persönlichkeit hat der Egoismus Einzug in den Schöpfungsprozess der Menschheit gehalten, kann aber sein ganzes zerstörerisches Potential noch nicht voll entfalten, solange die Menschen noch in göttlich inspirierten Blutsgemeinschaften gehalten und geführt werden, um ihr inneres Wesen allmählich zu stärken und auf die volle Selbständigkeit vorzubereiten. Einen deutlichen Einschlag zur weiteren Individualisierung beschreibt Richard Wagner in „Die Walküre“, dem ersten Hauptteil vom „Ring des Nibelungen“.

Der Noch-Nicht-Freie

Wotan zeugt als Wälse mit einer Menschenfrau Siegmund, den er zur kraftvollen Individualität heranerziehen will, damit er das Gruppenbewusstsein der Blutsbande überwinde. Schließlich verlässt Wotan ihn, auf dass er frei umherstreifend ganz auf sich allein gestellt sei. Gegen die Übermacht einer Sippe verliert Siegmund Waffen und Wehr und flüchtet im Dunkeln in ein Haus, das aber Hunding, einem seiner Feinde gehört, der des heiligen Gastrechts wegen dem Waffenlosen erst für den Morgen den Kampf ansagt. Da erinnert sich Siegmund, dass ihm sein Vater einst für die Not eine sichere Waffe verhieß. Hundings Frau, die sich als Siegmunds verschollene und verschacherte Zwillingsschwester Sieglinde entpuppt, zeigt ihm ein Schwert, das einst Wotan vor den versammelten Männern bis zum Heft in den Stamm einer Esche stieß: dem Stärksten allein sei es bestimmt. Doch niemand habe es herausziehen können. Siegmund zieht das Schwert mit einem gewaltigen Ruck aus dem Stamm und nennt es „Nothung“.

Der Vorgang ist von tiefer sinnbildlicher Bedeutung. Das Schwert ist in Sagen und Märchen immer Bild für die geistigen Fähigkeiten der Trennung und Unterscheidung, sowie der Entschlossenheit, des Mutes und der Initiative. In der modernen Rechtsprechung ist das Schwert daher Sinnbild objektiven Urteilens, Richtens und Entscheidens. So steht das Schwert für Bewusstsein und Kraft des menschlichen Ichs. Das Ziehen des Schwertes aus dem Stamm des Baumes versinnbildlicht so die Herauslösung des Ich-Bewusstseins aus dem Stammbaum des Blutes, der Blutsgemeinschaft (vgl Oberkogler S. 119). Wotan will Siegmund veranlassen, sein Denken und Handeln nicht mehr aus den Gesetzen der Sippe, sondern aus dem eigenen Ich zu bestimmen.

Die Geschwister verbinden sich in tiefer Liebe miteinander. Auf den Hintergrund dieser seltsamen, von Wotan herbeigeführten Geschwisterliebe einzugehen, würde hier zu weit führen. Noch in der Nacht fliehen sie gemeinsam aus dem Hause Hundings. Wotans Gattin Fricka, die Hüterin von Sitte und Gesetz, stellt in der Zwischenzeit Wotan wegen dieses Ehebruchs, der zudem noch mit einer Blutschande verbunden ist, heftig zur Rede. Wotan hält ihr die Notwendigkeit entgegen, den freien Menschen zu schaffen, das nicht ohne Brechung des Alten möglich sei:

„Not tut ein Held, der, ledig göttlichen Schutzes, sich löse vom Göttergesetz.“

Doch Fricka hält ihm vor, dass Siegmund gar nicht frei sei. Er tue nur, was Wotan an Kraft und Mut in ihn hineingelegt habe:

In ihm treff ich nur dich, denn durch dich trotzt er allein.“

Auch das Schwert, die Ich-Kraft, stamme von ihm, und die Not, die Siegmund zwang, sich seiner zu bemächtigen, habe er, Wotan, mit List herbeigeführt. Siegmund spricht in der Folge auch nie von seinem Schwert, er benutzt es als helfende Gabe des Vaters. Siegmund ist trotz aller Not nie „ledig des göttlichen Schutzes“, er hat sich noch nicht „gelöst vom Göttergesetz`“.

Wotan muss sich eingestehen: Siegmund ist noch nicht der Freie, den er sich ersehnte. Anlage und Keim des Ich kann er ihm verleihen, aber sich damit identifizieren, es im Inneren als er selbst kraftvoll erwecken und zum Bewusstsein bringen, kann nur der Mensch selbst. Doch wie soll aus einer Welt, in der alles Wesensoffenbarung und Werk der Gottheit ist, der Freie entstehen, der die Gottsubstanz zwar in sich trägt, aber nicht durch sie bestimmt wird? Wie soll er ein Sich-selbst-Bewegender sein, außerhalb des göttlichen Willens stehen, und doch diesen Willen aus Einsicht in die Weltenweisheit als den eigenen vollziehen? (Vgl. Oberkogler S. 141) In einem ergreifenden Monolog geht Wotan mit sich zu Rate und fragt sich schließlich:

Wie schüf` ich den Freien,
den nie ich schirmte,
der in eigenem Trotze
der trauteste mir?
Wie macht` ich den andren,
der nicht mehr ich,
und aus sich wirkte,
was ich nur will? – …
Zum Ekel find` ich
Ewig nur mich
In allem, was ich erwirke!
Das andre, das ich ersehne,
das andre erseh ich nie:
denn selbst muss der Freie sich schaffen;
Knechte erknet` ich mir nur!

Das höhere Selbst

Wotan beauftragt seine Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde, im bevorstehenden Kampf mit dem herannahenden Hunding Siegmunds Tod herbeizuführen und seine Seele in die Götterburg Walhall zu bringen. Nach dem germanischen Mythos hatten nur die tapferen Helden die Begegnung mit dem Todesengel, der sie nach Walhall leitete. Wer daheim auf dem Strohsack starb, musste zur Hel, in die Schatten der Unterwelt. Dies ist das Geschehen von außen betrachtet. Es besagte im Inneren, dass der Einzelne durch Tapferkeit, für die der Wert der Seele mehr bedeutet als Leib und Leben, die Unsterblichkeit erwarb, die ihm in der Gestalt der Walküre entgegenkam.

Er begegnete im Tode gleichsam seinem eigenen unsterblichen Wesen, seinem höheren Selbst, mit dem er sich vereinigte. Denn der Sündenfall, der auch in der germanischen Mythologie eine entscheidende Rolle spielt, hat den Menschen geteilt: in einen irdischen, Sünde, Krankheit und Tod unterliegenden Menschen, der nur ein wesenhaftes Abbild des in der göttlichen Welt verbliebenen höheren Wesensteiles ist, zu dem er nach dem Tode zurückkehrt.

In Brünnhilde herrscht ein großer Zwiespalt. Sie hat sich im Zuge der Evolution bereits von der unbedingten Hingabe an Wotans Willen zu lösen begonnen:

„Den du zu lieben stets mich gelehrt, … – gegen ihn zwingt mich nimmer dein zwiespältig Wort.

Hin und her gerissen folgt sie indessen bangen Herzens Wotans Befehl:

„Weh, mein Wälsung! Im höchsten Leid muss dich treulos die Treue verlassen.“

Sie verkündet Siegmund den Tod. Verzweifelt darüber, dass Sieglinde weiterleben und er so von ihr getrennt werden soll, sagt sich Siegmund von Wotan los. Dann will er lieber zur Hel als nach Walhall. Als er schließlich die schlafende Sieglinde und sich selbst töten will, verspricht ihm Brünnhilde tief ergriffen und voller Mitgefühl den Sieg über Hunding.

Damit hat sie sich vom unbedingten, fraglosen Gehorsam zur göttlichen Vaterwelt gelöst und mit dem Schicksal des Erdenmenschen verbunden. Der göttliche Wesenskern des Menschen hat sich aus dem bis dahin fraglosen Eingebettet-Sein in die göttliche Welt als ein Selbst zu verselbständigen begonnen – eine Voraussetzung dafür, dass der Erdenmensch sein höheres Selbst als sein Ich finden und in seiner Seele ein Bewusstsein von ihm entwickeln kann, um sich immer stärker damit zu durchdringen.

Wotan, dem das Ganze nicht verborgen geblieben ist, kann den Ungehorsam Brünnhildes nicht zulassen. Als Brünnhilde in einem blendenden Lichtschein Siegmund mit dem Schilde deckt und dieser zum tödlichen Streich gegen Hunding ausholt, erscheint Wotan und hält dem Schlag Siegmunds seinen Speer entgegen, an dem dessen Schwert in Stücke zerspringt. Dem jetzt Unbewaffneten stößt Hunding seinen Speer in die Brust. Wotan schaut schmerzlich auf Siegmunds Leiche, und von seiner verächtlichen Handbewegung gegen Hunding sinkt dieser tot zu Boden. Brünnhilde hat rasch die Schwertstücke und die ohnmächtig hingesunkene Sieglinde auf ihr Ross gehoben und flieht mit ihr vor dem sie wütend verfolgenden Wotan.

Wotan stellt Brünnhilde und schließt sie von Walhall aus. Er bannt sie auf einen Berg, wo er sie in einen tiefen Schlaf versetzt, aus dem sie nur der auf der Erde lebende Mann erwecken wird, der die flammende Waberlohe, die sie umgibt und schützt, durchdringen kann. Es ist im Grunde keine Strafe, sondern die Konsequenz des eingeleiteten evolutionären Prozesses. Brünnhilde handelt letztlich doch im Willen Wotans:

„Durch meinen Willen warst du allein: Gegen mich doch hast du gewollt; meine Befehle nur führtest du aus.“

Es geht um die Abnabelung des höheren Selbst des Menschen aus dem Schoß der Götter zu einer eigenen Entwicklung, die zu einer stärkeren Verbindung mit dem Erdenmenschen nötig wird. Doch nur der kann von unten zu ihr vordringen, der die Waberlohe, das Feuer der Begierden und Leidenschaften, die aus dem Egoismus aufsteigen, überwinden und das Göttliche in sich erwecken kann.

Siegfried, der freie Held

Sieglinde, die von Brünnhilde in einem Walde versteckt wurde, trägt aus der Verbindung mit Siegmund ein Kind unter dem Herzen. In der Höhle des Zwerges Mime, der die Hilfsbedürftige fand, bringt sie Siegfried zur Welt. Sieglinde stirbt bei der Geburt, so dass der Schmied Mime sich des Knaben annimmt und ihn aufzieht. Mime ist der verfeindete Bruder Alberichs und giert auch nach dem Ring, den der Drache Fafner hütet. Er will Siegfried dazu bringen, den Drachen zu töten und ihm den Ring zu gewinnen. Doch die einzige Waffe, die dazu taugte, wäre das Schwert, das Siegmund von Wotan erhalten hatte. Mime weiß nicht, wie die Teile wieder zusammenzuschmieden wären. Von Wotan, der bei ihm auftaucht, erfährt er:

„Nur wer das Fürchten nie erfuhr, schmiedet Nothung neu.“

Der Furchtlose ist Siegfried. Mime hat schon immer gestaunt, dass Siegfried keinerlei Angst und Furcht hat. In kindlicher Reinheit weiß er nichts von der Trennung der Welt in Gut und Böse. Nur wer die Furcht nicht kennt, kann das Ich-Schwert schmieden, sich selbst in höchster Stärke entfalten.

Siegfried zerfeilt die Teile Nothungs in lauter Eisenspäne, schmilzt sie ein und schmiedet selbst daraus das Schwert vollkommen neu. – Ein grandioses Bild: Das Ich des Menschen, substanziell göttlichen Ursprungs, ergreift sich, abgesondert von der göttlichen Welt, und bildet sich von innen her selbst. Es kann so die Unabhängigkeit von den Göttern erlangen und ihnen als ein Sich-selbst-Bestimmender, Freier gegenübertreten. Siegfried erfüllt die Sehnsucht Wotans. Er ist nicht mehr der von ihm „geknetete Knecht“, sondern die realisierte Hoffnung:

„Nur selbst kann der Freie sich schaffen.“

Siegfried tötet den Drachen, die furchtbare mystische Gestalt des Egoismus selbst, nicht als bloße konventionell verpackte Eigenschaft in der Seele des Menschen, sondern, losgelöst von jeglichem beschränkenden Zusammenhang, als nach außen projizierte wesenhafte Gestalt der „Macht an sich“, die ihren letzten Sinn in der hasserfüllten Vernichtung alles dessen findet, was außerhalb ihrer steht. Durch diesen Sieg kann ihm die verderbliche Kraft des Ringes, den er sich selbst unwissend ansteckt, nichts anhaben. Sie bewirkt bei ihm das Zu-sich-selbst-Finden, die innere Geschlossenheit seiner Persönlichkeit, die aber den Fluch, die Schattenseite der Egoität, nicht kennt. Dadurch ist Siegfried vorbereitet, zu Brünnhilde, seinem höheren Selbst, das nur auf innerem Wege im Geiste erreicht werden kann, durchzudringen und sich mit ihm zu vereinigen.

Ihre höhere Einheit spricht Brünnhilde mit den Worten aus:

„Du selbst bin ich, wenn du mich Selige liebst. Was du nicht weißt, weiß ich für dich; doch wissend bin ich nur – weil ich dich liebe. … Dein war ich von je! Dein werd ich ewig sein!“

Was Siegfried eins werden lässt mit seinem höheren Wesensteil und ihm dessen Welten-Wissen verleiht, quillt aus der Kraft der Liebe.

„Ihre höchste Liebes-Intensität muss die Menschenseele aufrufen, will sie sich mit dieser Sonnensphäre verbinden. Und höchste Liebeskraft ist es auch, die ihr dort zum Erlebnis wird.“(Oberkogler S. 256)

Die Tragik des Helden

Doch so lange der Mensch in einem irdischen Leib lebt, kann er nicht dauerhaft in der Sphäre seines höheren Ich bleiben. Er muss wieder zurück. Brünnhilde gibt ihm ihr Ross, uraltes Symbol hoher Weisheitskräfte. Siegfried schenkt ihr den eroberten Ring, wodurch er ihr überirdisches Sein mit der Endlichkeit seines irdischen Menschenwesens verbindet. Es wird alles darauf ankommen, ob Siegfried im Erdenleben die Erinnerung an sein höheres Wesen mit dessen Weisheit bewahren und es immer wieder in sich zur Geburt bringen kann.

Aber Hagen, der Sohn des Nibelungen Alberich, sorgt dafür, dass Siegfried ein Trank gereicht wird, der ihn Brünhild vergessen lässt. Sein Bewusstsein wird durch den Einfluss böser Mächte auf das rein irdische Geschehen reduziert. Es ist auch dem größten vorchristlichen Menschen nicht möglich, dem Einfluss des Bösen zu entgehen, das schließlich durch die Hand Hagens seinen Untergang herbeiführt. Das Böse zu überwinden, das ist Richard Wagners Überzeugung, wird erst dem Menschen möglich, der sich aus der Aktivität seines Ichs heraus mit den Christuskräften vollkommen durchdringt. Ihn stellt er in seinem letzten Werk, dem Parsifal, dar.

Parsifal ist der verchristlichte Siegfried, der nach seinen Wegen durch die Taten und Leiden des Erdentales die Verhärtungen des Egoismus überwunden hat und ein „aus Mitleid und Liebe Wissender“ geworden ist, der dem Mensch gewordenen Gott als freier Mensch gegenübersteht. Christus hat es selbst prophetisch ausgesprochen:

„Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, das habe ich euch zu erkennen gegeben“ (Joh. 15,15).

Die Besinnung auf diese tiefen Fragen des Menschseins ist – anders als vielleicht mancher glauben mag – von großer Bedeutung für das alltägliche Leben. Wer sich nicht als ein Knecht Gottes empfindet, wird es im staatlichen und wirtschaftlichen Leben erst recht nicht hinnehmen, ein Knecht anderer Menschen zu sein. Er wird Gemeinschaftsformen freier Menschen anstreben, jenseits von zerstörerischem Egoismus, von Macht und Anarchie. Sie sind keine Utopie, sondern als Entwicklungsziele im Menschen tief begründet.

Quelle: http://www.geolitico.de/2016/05/14/freiheit-gibt-es-nicht-geschenkt/

Gruß an die freien Menschen

TA KI

Die Geschichte des Weihnachtsfestes


 

Eines gleich vorweg: Die Ursprünge des Weihnachtsfestes liegen weder in Bethlehem, noch sind sie in der christlichen Religion begründet. Die ersten Christen kannten ein derartiges Fest noch nicht einmal. Vielmehr sind die Wurzeln von Weihnachten in den alten indogermanischen Naturreligionen zu suchen. Bereits Jahrhunderte vor der Ausbreitung des Christentums waren Vorläufer des Weihnachtsfestes in allen indogermanischen Regionen und auch andernorts verbreitet. Die Griechen feierten die Geburt des Lichtgottes „Soter“, die Ägypter huldigten „Horus“ und die Iraner feierten wie die alten Römer die Ankunft ihres Licht– und Sonnengottes „Mithras“.

Bei unseren direkten Vorfahren, den Germanen und Kelten, war dieses Fest unter dem Namen „Jul“ bzw. „Yule“ bekannt, wobei sich im mitteleuropäischen Sprachraum über die Jahre die Bezeichnung „Wintersonnenwende“ etabliert hat. Für die Germanen war das Julfest eines der heiligsten Feste überhaupt. Unsere Ahnen feierten dabei den Sieg des Lichtes gegen Kälte und Finsternis. Es war das Fest der Wiedergeburt der Sonne, die alles zu neuem Leben erweckt.

Seinen Ursprung hat das Fest in der germanischen Zeitberechnung. Wir Germanen kannten das Mond- und das Sonnenjahr, wobei sie in Mondzyklen (ca. 29,5 Tage) rechneten. Da das Sonnenjahr aber 365 Tage hat, das Mondjahr aber nur 354, besteht eine Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten. Die 12 Nächte sind die 12 Weihnächte oder auch 12 Rauhnächte, die Zeit „zwischen den Jahren“. Die nordischen Raunächte verbrachte man mit langen geselligen Abenden in den nachbarlichen Bauernhöfen und es war Brauch, dass jeder Gast sein Holzscheit für das Herdfeuer mitbrachte. Der jeweilige Gastgeber bot das sogenannte Julbrot an, das die Form einer Sonne, eines Sterns oder einer Mondsichel hatte und sicher der Vorläufer der typisch deutschen oder österreichischen Weihnachtsplätzchen ist.

Die „Raunächte“ waren im hohen Norden die Nächte um die Wintersonnenwende, wo tagelang, ja wochenlang die Sonne nicht aufgeht. In dieser „rauen“, dunklen Zeit wartete man auf das wiederkehrende Sonnenlicht, das man durch eine zunehmende Zahl von Kerzen zu ersetzen suchte. Der Adventkranz wie auch der kerzenhelle Tannenbaum (in Gedenken an Wotan, der sich der Sage gemäß in eine Fichte verwandelt) sind also ursprünglich heidnische Bräuche, ebenso wie die Geschenke, die wir heute unter dem Baum finden und die auf den alten Brauch des „Julklapp“ zurückzuführen sind.

Woher stammt das Wort „Weihnachten“?

Auch die etymologische Herkunft des Wortes „Weihnachten“ hat nichts mit dem Christentum zu tun, sondern ist ebenfalls heidnisch-germanischen Ursprungs. Weihnachten heißt „Heilige Nächte“ (althochdeutsch „wîhe nahten“) und ist schon an seinem Wort erkennbar als Erbgut der heidnischen, vorchristlichen und altgläubigen Zeit. Demgegenüber stehen die Bezeichnungen für das Weihnachtsfest in den romanischen Sprachen: Die französische Vokabel „Noel“, eine Raffung des lateinischen „natalis“ (dt. „Geburt“), weist darauf hin, dass an diesem Tag die Geburt Christi gefeiert wird. Ebenso ist dies bei dem Italienischen „Natale“ und dem Spanischen „Navidad“ der Fall. Wir Deutschen hingegen feiern „Weihnachten“, was wörtlich bedeutet: „in den gesegneten Nächten“.

Christliche Einflüsse

Wie kam es dann aber dazu, dass heute Weihnachten für ein christliches Fest gehalten wird? Im Grunde ist die Erklärung ganz einfach: Die hohen Würdenträger der Kirche machten sich in den Jahren, als sich das Christentum in Europa allmählich als Religion etablierte Gedanken, wie man die ungläubigen Heiden doch am besten zum Wüstengott Jesus hin bekehren könne. Und es musste ihnen klar sein, dass die uralten, überlieferten Traditionen nicht so ohne Weiteres aus dem Bewusstsein der Menschen zu tilgen und durch andere Rituale zu ersetzen waren. Also musste man sich die alten Bräuche zu nutzen machen und sie mit christlicher Symbolik aufladen. Da kam die Wintersonnwendfeier, welche ja im ganzen Abendland verbreitet war, gerade recht. Entstehungsgeschichtlich wurde dann zum ersten Mal im Jahre 325 Weihnachten im christlichen Festverzeichnis erwähnt. Papst Julius, welcher in den Jahren 337 bis 354 die Macht inne hatte, legte den Geburtstag Jesu dann willkürlich auf den 25.Dezember fest, den Tag, an dem die Römer ihr Sonnwendfest feierten. Willkürlich deshalb, da in den ältesten Urkunden der Christenheit ganz andere Tage in Erwähnung gezogen wurden, die meistens um den März herum lagen.

Karl der Große machte im 8. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion des Frankenreiches und ließ heidnische Sitten und Bräuche bei Todesstrafe verbieten. Der alte Glaube und seine Riten waren jedoch trotzdem nicht aus der Welt zu schaffen. Im 12. Jahrhundert wurden schließlich die alten germanischen „Rauhnächte“ gesegnet, also christianisiert. Das Fest der Geburt Christi als Symbol des Lichtes der Welt nahm damit in Datum und Bräuchen die Stelle eines alten germanischen Festes ein.

An sich müsste die Geburt von Jesu also am 21.12. jeden Jahres gefeiert werden. Jedoch wurde im Spätmittelalter durch eine Kalenderreform der Kalender umgestellt, wobei man allerdings falsche Berechnungen anstellte und sich um vier Tage verrechnete. Deswegen wird in der westlichen Welt „die Heilige Nacht“ am 24.12. und Weihnachten am 25.12. und nicht am 21.12. gefeiert.

Weihnachten heute

Heute hat Weihnachten, wie wir es als Kinder unserer Zeit kennen, nur noch herzlich wenig mit der althergebrachten Bedeutung zu tun. Die germanischen, heidnischen Ursprünge des Festes sind sowieso weitgehend aus dem Bewusstsein gelöscht worden. Doch nicht einmal die christliche Deutung von Weihnachten ist heute noch allen bekannt. An die Stelle religiöser Elemente und Innerlichkeit ist leider die totale Kommerzialisierung des Festes getreten. Längst ist sind Konsum und Profitmaximierung in den Vordergrund getreten. Advents- und Weihnachtszeit sind für Einzel- und Großhandel die umsatzstärksten Wochen des Jahres und dementsprechend ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Die oberflächliche, kommerzielle Verhunzung des Weihnachtsfestes ist also nur eine Folge des naturwidrigen Systems, welches die derzeitige Gegenwart darstellt.

Dennoch, Ursprung und Traditionspflege hin oder her, erhebt sich über die Weihnachtszeit ein großer zusammenfassender Gedanke, der da Frieden heißt und anno 2010 im Heimatland Deutschland angesichts der neuerdings allgegenwärtigen Präsenz Uniformierter eine Bedeutung errungen hat, an welche noch vor Jahresfrist nicht zu denken war.

(…)

Quelle: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0CCEQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.lpen-online.de%2Fdoc-odt%2FX_WEIHNACHT.doc&ei=XcF4VIudPMW3PKCrgPAF&usg=AFQjCNEz3-ikU1XZGZY8yibzeAaH4gEZXg&sig2=Vdfg5VRZwswWb0ntjDK7Zw&bvm=bv.80642063,d.ZWU

Gruß an die Heiden

TA KI

Odins Runen – unsere Schrift


Geschrieben von: Dr. Wielant Hopfner

Bei der Beschäftigung mit der Literatur zum Thema „Runen“ fällt auf, daß die Verfasser so gut wie niemals über den Gebrauchswert der Runen in der heutigen Zeit sprechen. Durchweg ist man der Ansicht, die Runen „hatten ihre Zeit“, man kann sie heute gelegentlich schon mal anwenden, vielleicht eine Urkunde damit verzieren und das eine oder andere Symbol zur Bezeichnung eines Dienstrangs bei Bundeswehr oder U.S. Army verwenden.

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Bei der Beschäftigung mit der Literatur zum Thema „Runen“ fällt auf, daß die Verfasser so gut wie niemals über den Gebrauchswert der Runen in der heutigen Zeit sprechen. Durchweg ist man der Ansicht, die Runen „hatten ihre Zeit“, man kann sie heute gelegentlich schon mal anwenden, vielleicht eine Urkunde damit verzieren und das eine oder andere Symbol zur Bezeichnung eines Dienstrangs bei Bundeswehr oder U.S. Army verwenden. Nur Thorolf Wardle spricht in seinem Büchlein „Neue Runenlehre“ davon, daß man sehr wohl die heutigen germanischen Sprachen in Runenschrift schreiben könne. Rudolf John Gorsleben – ein nicht unumstrittener Autor – glaubte, daß eine neue deutsche Schrift, die auf der Runenschrift gründet, „wie von selbst hervorgehen“ wird. Welch ein Wunschdenken!

Die bei den anderen Autoren erkennbare negative Beurteilung des Gebrauchswerts der Runen mag vielleicht daher rühren, daß man z.B. ein Schriftstück, einen Brief oder eine Zeitung von Hand, Zeichen für Zeichen, in die Runenschrift umsetzen müßte, was wegen des Zeitaufwands heute nahezu unmöglich ist. Schreibmaschinen herkömmlicher Bauart sind mit Runenschriftzeichen nicht zu bekommen, Einzelanfertigungen kaum bezahlbar. Und wer soll eigentlich ein in Runenschrift abgefasstes Schriftstück lesen, gibt es doch nur ganz wenige Menschen, die die Runenschrift fließend lesen können. Und vielleicht gehören gerade diese nicht zu unseren Freunden. Fragen über Fragen.

An dieser Stelle sei daran erinnert, daß seit einigen Jahren das Computerzeitalter angebrochen ist. Computer erobern langsam, aber unaufhaltsam öffentliche und vor allem private Bereiche. Schriftstücke, Briefe oder Zeitungen werden zunehmend häufiger mittels Computer geschrieben und einer solchen Maschine ist es gleichgültig, ob sie kyrillische, griechische, lateinische oder Runenzeichen ausdruckt. Man muß ihr nur einmal den Zeichensatz eingegeben haben.

Daher gilt von nun an die negative Beurteilung des Gebrauchswerts der Runen nicht mehr! Und:

Die Runen sind als Gebrauchs-Schriftzeichen allen anderen Zeichen gegenüber völlig gleichwertig!

Die Frage heißt also nicht, ob man die Runen heutzutage zum Schreiben gebrauchen kann oder nicht, sondern ob wir das wollen!Wie so oft müssen wir uns entscheiden. Jeder einzelne von uns muß sich entscheiden, ob er z.B. die gemeingermanische Runenreihe, den Futhark, erlernen will und ob er die Runenzeichen auch bei passender Gelegenheit zum Schreiben verwenden will, oder ob er weiterhin alles und jedes in lateinischer Schrift schreiben will. Ein kurzer Blick auf die Entwicklung unserer Runenschrift kann bei dieser Entscheidung hilfreich sein:

Mit dem Schwachsinn, wonach die „nordischen Barbaren“ alles Heil und jegliche Kultur von Juden oder Phöniziern, „geschenkt“ bekommen haben sollen, brauchen wir uns nicht aufzuhalten. Das ist linke Tendenzpropaganda, die im Widerspruch zu den Ergebnissen der archäologischen Forschung steht. Die mehr „diplomatisch“ Vorgehenden unter den „Ex oriente Lux-Anpreisern“ versuchen es mit dieser Aussage: „Den Griechen gehört der Ruhm der Vermittlung phönizischer Buchstabenschrift nach Europa. Die Etrusker und Italer lernten von ihnen.“ Man möchte gerne verhehlen, daß der antike Historiker Diodoros in seinem dreißigbändigen Geschichtswerk (III,67 und V,74) in den Kapiteln über die griechische Urgeschichte schreibt, daß der trazische Sänger Lionos und sein Schüler Orpheus „die Schrift aus dem Norden nach Griechenland“ brachten, wo sie der griechischen Sprache angepaßt wurde. Noch etliche andere Zeugnisse gibt es, aus denen eindeutig hervorgeht, daß die Ziegenhirten der Levante ihren Hauch von Kultur den vor langer Zeit eingewanderten Nordleuten abgeschaut haben.

Unsere Runen sind nicht aus griechischen, lateinischen, etruskischen, altalpinen oder sonstigen Schriftzeichen entstanden, sondern all diese Schriften gehen auf eine im Norden gebrauchte Ur-Runenschrift sehr alten Datums zurück. Mit den Eroberungszügen der Indogermanen kam diese in alle Teile der damals bekannten Welt. Hier wurde sie von den einzelnen Völkern, die den Zusammenhang mit der alten Heimat verloren hatten und nun immer mehr einer materiellen, städtischen Lebensweise verfielen, ihres kultischen Sinngehalts entkleidet und zu einer profanen Schrift umgebildet. Jürgen Spanuth hat dies schlüssig in seinen Werken nachgewiesen. Da bei den in Mitteleuropa lebenden Germanen infolge der unterbliebenen Vermischung mit anderen Elementen Rasse und Geisteshaltung ziemlich rein bewahrt wurden, haben sich hier die Runenzeichen in der ältesten Zeichnungsart und am ursprünglichsten erhalten.

Das Wort „Runen“ hängt zusammen mit „Raunen“, Flüstern, heimlichem Reden. Dem Germanen waren die Runen etwas Vertrautes, den Fremden waren sie unverständlich und unheimlich. Schon vor vielen tausend Jahren zeichneten mitteleuropäische Menschen buchstabenähnliche Zeichen auf Rentierschaufeln oder auf Bachkiesel und die Archäologen rechnen diese Urkunden zu den ältesten Kundgebungen menschlichen Geistes auf der Erde. Dreifuß, Hakenkreuz, Drudenfuß, Radkreuz, Rechtkreuz, Sonnenscheibe sind wohl die bekanntesten. Die Ur-Rune, die Wenne-Rune, die Odal-Rune, die Man-Rune, die Jar-Rune, die Kaun-Rune und die Yr-Rune sind bereits seit der Steinzeit belegt.

Erinnern wir uns:

Vor rund 5000 Jahren stießen die an der Nord- und Ostsee ansässigen Großsteingräberleute mit den aus Mitteldeutschland nachdrängenden Schnurkeramikern und Streitaxtleuten zusammen. Diese Zeit des „Asen-Wanenkampfs“ ging einher mit einem gewaltigen geistigen Umbruch. Beide Völker schlossen sich nach Übereinkunft zusammen. Aus dieser Verbindung sind unsere Vorfahren, die Germanen hervorgegangen.

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Ihre Vorstellungen waren diese:

Sie glaubten, den Ursprung des Lebens im Wirken von überirdischen Wesen, ihren Göttern zu begreifen, von denen sie abstammten, denen zu helfen sie berufen waren, und zu denen sie nach dem Tode wieder zurückkehrten. Das Ringen um Weisheit schien unseren Vorfahren das Höchste. Und dieses Verlangen floß auch in ihre Mythologie ein. Allvater Odin-Wotan, der seinen Odem allen Wesen einhauchte, suchte nach dem Glauben unserer Ahnen selbst nach höherem Wissen. Dabei fand er die Runen. Der Gelehrte Dr.Hammerbacher schildert das Runenlied der Edda so:

Einst ritt Odin auf seinem Schimmel Sleipnir zur Weltenesche Yggdrasil. Da sah er drei Frauen am Brunnen sitzen und eifrig Fäden spinnen. Sie woben das Schicksalskleid für Götter und Menschen. Nornen wurden sie genannt, Urd, Werdandi und Skuld. Da enthüllten die drei Frauen dem Gott viele Geheimnisse aus grauer Vorzeit und weissagten ihm die ferne Zukunft.

Aber den Gott drängte es, noch mehr zu erfahren über den Weltengrund. Da verwiesen ihn die Frauen an den Riesen Mimir, der am Weisheitsquell haust, dessen nährende Säfte den Weltenbaum speisen.

Odin ritt zu Mimir. Doch der Riese wollte sein Wissen nicht sogleich preisgeben. Da gab Odin dem Gewaltigen sein linkes Auge zum Pfand. Nun eröffnete Mimir ihm tiefe Geheimnisse über die Welt.

Dennoch war Allvater noch nicht ganz zufriedengestellt bei seiner Suche nach Weisheit. Auf dem Rückweg kam er an einem kahlen Baum in öder Heide vorbei. Es war Nebelmond, kalte Dämmerung herrschte ringsum. Da verfing sich sein Mantel in den Ästen des Baumens. Odin hing zwischen Himmel und Erde. Vergeblich versuchte er sich zu befreien. Heervaters Schimmel „Sleipnir“, auch „Gleithuf“ genannt, umkreiste ihn wiehernd. Seine Raben „Hugin“ und „Munin“ – Kunde und Wissen – umflogen ihn unruhig und trugen ihm die Gedanken der Welt zu.

Odin rang mit sich selbst um höchste Weisheit. Neun Nächte hing er am windkahlen Baum. In ihm wurde es immer klarer und lichter. Jetzt endlich fand er die Zeichen der höchsten Lebenswerte. Er beugte sich tief vom Baum herab. Ächzend vor äußerster Anstrengung hob er die Zeichen auf und ritzte sie mit dem Schwert in den Stamm. Runen nannte er die heiligen Zeichen, denn sie raunen dem Kundigen Wissen zu. Nun wuchs dem Himmelsvater die übermächtige Kraft, sich vom Baume zu befreien. Er stürzte hinab, sprang er wieder auf, rief seinen Schimmel und ritt zurück nach Walhall, seiner Götterburg.

(Welch ein Gegensatz zum Gotte der Hebräer, Jehova! In deren Mythos vertrieb dieser seine Kinder, weil sie so werden wollten wie er, weil sie nach Wissen strebten!)

Odin-Wotan weihte seine göttlichen Gefährten in die Kenntnis der Runen ein. Er schenkte sie auch seinen treuesten Mannen, die nach seinen Gesetzen lebten und mit ihm für die göttliche Ordnung in der Welt und gegen die finsteren Mächte stritten. Ausgewählte Frauen wies der Gott ebenfalls in die Kunst der Runen ein. Die Zeichen wurden nun zur heiligen Schrift der Germanen, wie uns das Runenlied der Edda verkündet.
Soweit der Mythos, versuchen wir eine Deutung. Odin reitet zur Weltenesche. Diese war unseren Ahnen als Welten-Achse bekannt. Wir wissen, daß unsere Ahnen eine hochentwickelte Astronomie betrieben – und dies ohne Fernrohre. Ihre Berechnungen führten sie mit Visierungen, Messungen von Schattenlängen und Vergleichen von Sternenpositionen durch. Die Verbindungslinien und Fixpunkte der Sterne wurden in verkleinertem Maßstab mit Hilfe von Holzstäben auf der Erde ausgelegt.

Solche Stäbe mögen vor Odin gelegen haben, als er über die Gesetze der Welt nachdachte.“In ihm wurde es immer klarer und lichter“. Was war der springende Punkt auf der Suche nach den Gesetzen der Welt? Was war die bahnbrechende Erkenntnis?

– Alles kreist! –

Das war es! Für uns Heutige mag es nur wenig sein, denn wir wachsen im Zeitalter der Weltraumfahrt auf. Aber damals war das eine völlig neue Erkenntnis.

Odin hob die Stäbe, die ihm diese Wissen vermittelt hatten, auf und nannte sie Runen. Noch heute heißt im Englischen das Wort „laufen“ „run“, was auch auf den kreisförmigen Lauf der Sterne hindeutet. Und in der Tat lassen sich alle Runenzeichen aus einem Kreis, seinem Durchmesser, seinem Halbmesser und einer Bogensehne ableiten.

Odin ritzte die Runen in den Stamm der Weltenesche. Im Althochdeutschen gibt es das Wort „writan“, was ritzen heißt. Auf der Runenspange von Freilaubersheim ist noch das alte Wort „reitan“ für Schreiben gebraucht. Im Englischen bezeichnet „write“ das Schreiben. Unser heute benutztes Wort „schreiben“ ist hingegen aus dem Lateinischen entlehnt. Es hat mit den Runen nichts zu tun.

Für viele Jahrhunderte wurden nun die Runen in Form der „Gemeingermanischen Runenreihe“ zum gemeinsamen Gut aller Germanenstämme. Ihre Kenntnis war, der damaligen Zeit entsprechend, nicht bei allem Volk verbreitet, sondern hauptsächlich bei den weisen Frauen und den Gelehrten. Auch Fürsten und Heerführer haben sie gekannt, denn man grub sie gerne in die Schmuckstücke der Frauen und in die Waffen der Männer ein. Der eiserne Helm von Negau/Steiermark aus dem Jahre 6 n.Ztw., ist ein solches Beispiel. Wenn auch hölzerne Runendenkmale aus früher Zeit verständlicherweise nicht erhalten geblieben sind, so kennen wir doch etliche Zeugnisse aus den Zeiten, in denen die Metallbearbeitung (Bronze, Gold, Eisen) in Blüte stand.

Als der Römer Tacitus um etwa 90 n.Ztw. seine „Germania“ schrieb, berichtete er, daß Runen aus den Zweigen fruchttragender Bäume geschnitten und über ein weißes Tuch gestreut wurden. Aus ihrer Lage zueinander versuchte man die Zukunft zu ergründen. Dies wurde insbesondere von weisen Frauen, Seherinnen, geübt. Der römische Feldherr Drusus, der im Jahre 9 vor der Zeitenwende auf seinem Marsch durch Germanien beabsichtigte, den römischen Herrschaftsanspruch auf die an der Elbe ansässigen Germanen zu erweitern, war einer solchen Seherin begegnet. Sie weissagte ihm seinen baldigen Tod, was Drusus lachend als „Geschwätz einer Barbarin“ abtat. Kurz darauf stürzte er vom Pferd und starb.

Vor der Zeitenwende überwog die Anwendung der Runen zu rein kultischen Zwecken. Natürlich war damit auch eine Übermittlung von Gedanken, Tatsachen, Beobachtungen, Nachrichten mystischen oder überragenden Inhalts verbunden. Ab dem 3.Jahrhundert nach der Zeitenwende aber wurden die Runen vermehrt als bloße Schriftzeichen gebraucht.Aus dem 6.Jahrhundert ist uns ein diesbezügliches Zeugnis überliefert:

Venantius Fortunatus, Bischof von Poitiers, ein geborener Norditaliener, der seine Jugend in Ravenna verlebte, schreibt in einem Brief an seinen Jugendfreund Flavus, er möge ihm entweder in lateinischer oder in einer anderen Sprache antworten. Wolle er sich der lateinischen Schrift nicht bedienen, dann könne er auch mit „barbarischen Runen“ auf Holztafeln oder glatten Holzstäben schreiben. Mehrere Jahrhunderte später zeichnete der Mainzer Bischof Hrabanus Maurus ( gestorben 856 ) eine vollständige Runenreihe auf mit der Bemerkung: „Dieses wird von den Markomannen, welche wir Normannen nennen, gebraucht“. Und weiter sagt er: „Mit diesen Buchstaben pflegen diejenigen, welche noch Heiden sind, ihre Lieder, Zaubergesänge und Weissagungen aufzuzeichnen.“

Bis etwa um das 8.Jahrhundert standen in Deutschland die Runen in hohem Ansehen. Dann setzten die christlichen Kannibalen zum Sturm auf das Heidentum an. Die Runen wurden nun als heidnisches Zauberwerk verächtlich gemacht und verboten. Fast alle Runendenkmale wurden in Deutschland vernichtet und mit ihnen die Männer und Frauen, die sich zum Glauben und zur Kultur ihrer Vorfahren bekannten.

Jetzt wurden fremde Lettern eingeführt, die nur die christlichen Unterdrücker kannten. Die lateinische Buchstabenschrift wurde vor allem in den Klöstern, den Zwingburgen der Dunkelmänner, verbreitet und zum Werkzeug einer sich bevorrechtigt haltenden Priesterkaste. Die lateinische Sprache drang auf diesem Wege in Germanien ein. In lateinischer Schrift wurden nur jene Ereignisse festgehalten, die der christlichen Bekehrung und der Verbreitung der jüdisch-christlichen Lehre dienten. In der fremden Schrift wurde der Lüge und Verleumdung über unsere frühe Geschichte und unsere Lebensart Tür und Tor geöffnet. Das germanische Geistesgut wurde weitgehend ausgeschaltet und dort, wo das den christlichen Priestern und ihren weltlichen Verrätern nicht gelang – weil es zutiefst in unserem Wesen gründet – zum Teufelswerk verfälscht oder entstellt.

Nicht mehr unter freiem Himmel, an besonders ehrwürdigen Plätzen, wurde jetzt Recht gesprochen. Mit der lateinischen Schrift wurden Rechtsgrundsätze aufgezeichnet, die das germanische Recht ausschalten sollten. Das römische Recht verbreitete sich bei uns. Todesstrafen wurden für Menschen eingeführt, die dem Glauben der Väter treu bleiben wollten. Die „Sachsengesetze“ Kaiser Karls sind ein entsetzliches Beispiel dafür.

Im Alter ließ Kaiser Karl trotz christlicher Verderbtheit die alten germanischen Götter- und Heldenlieder sammeln und aufzeichnen. Er hätte das besser nicht getan! Sein Sohn Ludwig der „Fromme“ ließ das gesamte wertvolle Schriftgut in christlicher Verblendung verbrennen, sodaß es für immer verloren ist. Das wundert uns gewiß nicht, wenn wir erfahren, daß er sehr unter dem Einfluß seiner zweiten Frau namens Judith stand. Auf ihr Betreiben hin räumte er den Hebräern weitestgehende Rechte ein, erlaubte ihnen die Haltung von Sklaven, das Pachten und Eintreiben von Steuern, die Freistellung von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit. Einen eigenen Beamten mit dem Titel „Judenmeister“, stellte er für die Überwachung und Einhaltung dieser Privilegien ab.

Die Erinnerung an die Runen als Schriftzeichen, aber auch als magische Heils- oder Unheilszeichen blieb bei den Nordgermanen, die erst viel später zum Christentum gezwungen wurden, noch lange lebendig, in Resten sogar bis in unsere Tage. Selbstbewußt stellt sich der Runenmeister des Seeländer Brakteaten (Münze) mit dieser Inschrift vor: „Harihua heiß ich – der Gefährliches Wissende – ich gebe Glück“. Noch 1333 können wir den Gebrauch der Runen zur Beschwörung feststellen: Auf einer Insel der nordamerikanischen Davis-Straße wurden drei Jäger der Wikingersiedlung auf Grönland von einem Schlechtwetter überrascht. Den drohenden Schneesturm beschworen sie nun durch Runen, und zwar verwendeten sie die IS-Rune in Zahlenwerten. In Wodans Runenlied in der Edda heißt es von der IS-Rune: „Dem Sturm biet ich Stille, wie steil auch die See – und wiege die Wogen in Schlummer“.

Im Norden haben viele Runendenkmale die Versuche der jüdisch-christlichen Kirche sie zu beseitigen, überstanden. Dabei ließ die Kirche auch im Norden kein Verbrechen aus. Als im Jahre 1626 in Island 22 Männer und Frauen als Hexen verbrannt wurden, war das erste Opfer dieses christentypischen Verbrechens ein gelehrter Mann, unter dessen Schriften man nur ein einziges Runenzeichen gefunden hatte.

Diese Männer und Frauen sind – wie alle Opfer der christlichen Gewaltherrschaft – nicht vergessen bis ihnen Genugtuung zuteil geworden ist. Sei es als öffentliche Entschuldigung der Kirchen, sei es als Vergeltung!

Auch die lateinische Schrift wurde im Laufe der Zeit verändert. Kaiser Karl hatte um 800 den lateinischen Kleinbuchstaben, die „karolingische Minuskel“ eingeführt. Jetzt, um 1200, bildete sich aus dieser Schrift mit ihren vielen Rundungen eine neue, schmale, lange, eckige Schrift heraus, die wir „gotische Schrift“ nennen. In ihr drückten sich hervorragende Geister wie Meister Eckhard, Heinrich Seuse, Johann Tauler – Menschen, die das Christentum geistig schon überwunden hatten – aus. Als Johannes Gutenberg die Buchdruckerkunst erfunden hatte, kam auch wieder die deutsche Sprache, die lange Jahrhunderte in der Gelehrtenwelt garnicht mehr gesprochen wurde, zur Geltung. Mit ihr begann sich die seelische Freiheit wieder zu entfalten, die Kennzeichen unserer Menschen ist.

Eine neue Schriftform entwickelte sich aus der gotischen Schrift heraus unter Benutzung altgriechischer und altlateinischer Buchstaben. Wir nennen diese die „deutsche“ Schrift. Unter Hinzufügung weiterer fremder Teile entwickelte sich diese zur „Fraktur“, die nicht zu Unrecht „gebrochen“ heißt. Sie stellt einen Bruch mit unserer heiligen Schrift dar und entspricht damit dem seelischen und rassischen Bruch, den das deutsche Volk und das Germanentum, mit seiner Vergangenheit und seinem Ursprung aus der Geborgenheit bei seinen Göttern erlitten hatte. Mit den Runen hat die Fraktur-Schrift nichts zu tun.

Rom setzte die „Gegenreformation“ sowie den Jesuitenorden in Marsch um die in Deutschland aufkommenden freiheitlichen Regungen zu unterdrücken, was leider teilweise gelang. Aber insgesamt gesehen war der Durchbruch geschafft. Das Zeitalter der Aufklärung tat ein übriges.

Nach den Freiheitskriegen der Jahre 1807 bis 1815 widmeten sich deutschbewußte Gelehrte, insbesondere Jakob Grimm, nach Vorarbeiten skandinavischer Forscher, den Runen. Die wenigen noch vorhandenen Zeugnisse wurden nun wissenschaftlich untersucht und ihre Bedeutung größtenteils erkannt. Aber auch heute noch sind nicht alle Geheimnisse der Runen enträtselt und es gibt unterschiedliche Auffassungen in einigen Einzelheiten. Im großen Ganzen aber haben wir doch ein ziemlich sicheres Wissen über unsere heilige Schrift, auch wenn künftige Forschungen den einen oder anderen Gesichtspunkt noch ergänzen oder berichtigen sollten.

Warum also zögern wir, die Runenschrift als unsere ureigenste Schrift einzuführen, und sei es zunächst nur innergemeinschaftlich? Wollen wir warten bis andere das tun oder diese Schrift vielleicht „von selbst kommt“? Sind wir zum Gebrauch nicht sogar verpflichtet? Vergessen wir nicht:

Die Runenschrift steht uns zu. Wer aber ein Recht nicht wahrnimmt, gibt es preis!

Als Gemeinschaft, die zur Religion ihrer Vorfahren zurückgefunden hat, die gemeingermanisches Lebensgefühl entwickeln und pflegen will, die vielleicht einmal die Begründerin einer nordisch-germanischen Nation sein wird, ist es unsere Pflicht, alles zu tun, um das zu bewahren, was von unseren Ahnen auf uns gekommen ist. Und dazu gehören unsere Runen!

Also, entscheiden wir uns!

Ein ernst zu nehmender Einwand soll nicht verschwiegen werden:

Runen sind ehrwürdige Zeichen, die zunächst zu kultischen Zwecken und nicht zum Schreiben von Mitteilungen gefunden/erfunden wurden. Jedes Zeichen hat seinen eigenen Namen und seine eigene Bedeutung und umschreibt Gegebenheiten oder Lebensbereiche, die unseren Ahnen verehrenswert schienen. Daher sprechen wir auch von den Runen als heiligen Zeichen. Das soll nicht angetastet werden!

Man muß aber auch sehen, daß mit zunehmender Verbreitung der Runen diese schon ziemlich frühzeitig und bis in unsere Zeit für gewöhnliche Mitteilungen verwendet wurden. Ein besonderes Beispiel für den profanen Gebrauch dieses unseres Erbes sei noch erwähnt:

Die berühmte Arne Magnussensche Sammlung isländischer Handschriften in Kopenhagen enthält nicht nur das in Runen geschriebene „Gesetz von Schonen“, sondern auch ein kleines Bruchstück eines alten, in Runen geschriebenen nordischen Volkslieds, sogar mit Noten. Hier der Text:

Droemde mik aen droem i nat

um silki ok aerlik pael

„Träumte mir ein Traum heut nacht

von Seide und herrlichem Pelz.

Die Melodie dieses Lieds war bis vor einigen Jahren das Erkennungszeichen des Mittelwellensenders Kopenhagen.

Noch andere Beweise sind uns erhalten, daß die Runenschrift als Gebrauchsschrift nie ganz verschwunden war. So ist uns ein Tagebuch des schwedischen Generals Mogens Gyldenstjerne aus dem Jahre 1543 erhalten, das mit so fließender Hand in Runenschrift geschrieben ist, daß man darin große Übung voraussetzen muß. Unter Gustav Adolf schrieb der schwedische Feldherr Jacob de la Gardie alle geheimen Anweisungen an seine Platzkommandanten in Runenschrift, und unter den Bauern Dalarnes, sowie in anderen abgelegenen nordischen Gegenden hielten sich die Runen bis in unsere Zeit.

Auch in Deutschland haben wir ein Schreiben in Runenschrift. Es stammt aus der Zeit zu Beginn des 30-jährigen Kriegs. Im Archiv des Gutes Haseldorf in der Elbmarsch fand man 1893 eine Papierhandschrift mit Runenzeichen, die aus dem Kloster Doberan in Mecklenburg stammt. Es ist das „Anthyr-Lied“, das wohl um 1521 gedichtet wurde. In ihm wird der griechische Held Anthyr, ein Kampfgenosse Alexanders des Großen, als Stammvater der mecklenburgischen Herrscher besungen. Der Dichter ist unbekannt.

Runen umschreiben Lebensbilder, ähnlich wie das die japanischen oder chinesischen Schriftzeichen auch tun. Einzelne Runen stellen nichts anderes als eine Bilderschrift dar. Lateinische Buchstaben sind nur Einzelteile eines Wortes. Nun ist es in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, sich in Bilderschriften auszudrücken. Japaner und Chinesen haben derzeit die größten Schwierigkeiten, ihre annähernd 70 000 Zeichen (Bilder) trotz Computereinsatzes in eine zeitgemäße Ausdrucksweise zu verändern. Sie sind derzeit dabei, ihre Zeichen auf die Bedeutung von zunächst Silben, später Buchstaben zu vermindern.

Das soll mit den Runen nicht geschehen! Sie sollen als Einzelzeichen ihren Namen und ihre alte Bedeutung unverändert und vollständig beibehalten. Aneinandergereiht aber sollen sie Wörter und Sätze bilden, die wir zu unserer schriftlichen Verständigung gebrauchen wollen – so wie das unsere Ahnen auch taten.

Damit wir uns recht verstehen:

Niemand will die lateinische Schrift abschaffen, aber steht es der AG nicht zu, sie als ein uns aufgedrängtes fremdes Gut zu erkennen und sie zumindest für den innergemeinschaftlichen Gebrauch infrage zu stellen? Wenn wir wirklich zu den Quellen unseres Wesens gelangen wollen, dann müssen wir nicht nur gegen den Strom dieser Zeit schwimmen, sondern auch konsequent das Verschüttete freilegen und wieder in Gebrauch nehmen. Auf religiösem Gebiet sind wir dabei schon ein gutes Stück vorangekommen. Auch in unserer schriftlichen Ausdrucksweise sollten wir das wieder aufnehmen, was unsere Ahnen nicht weiterentwickeln konnten, als sie in die christliche Knechtschaft gehen mußten.

Treffen Sie Ihre Entscheidung! Falls diese für die Runenschrift ausfällt, fangen die Schwierigkeiten jetzt an.Zunächst müssen die Runenzeichen „gelernt“ werden. Aber welche? Es gibt mehrere Runenreihen, was historische Gründe hat:

Als um etwa 1000 die Nachricht vom brutalen Vorgehen der christlichen Priester in den Norden drang, erfüllte das die Bewohner mit Besorgnis. Zur Abwehr jener Einflüsse aus dem Süden, schufen die Runenmeister eine abgewandelte Runenschrift, die für fremde Reisende unkenntlich war. Daraus entstand der „Jüngere Futhark“ mit nur noch 16 Zeichen. Etwa um 1200 erkannte man, daß die 16 Zeichen nicht ausreichten. Der isländische Skalde Olaf Hvitaskjald erweiterte diese im Auftrag König Waldemars von Dänemark zu den „König Waldemars Runen“, die alle in dem Satz „Der Mann, dessen Kinn zerschlagen wurde, flieht das Ballspiel“ enthalten sind. Diese Runen wurden nur in Südschweden und Dänemark verwendet. In England entwickelten sich die Altenglischen Runen. Die jüngeren, vereinfachten, nur im Norden gebrauchten Runen, wurden übrigens besonders gern auf Runensteinen eingemeißelt. Daneben wurden noch stablose Runen und punktierte Runen entwickelt.

Einerseits ist die kulturelle Vielfalt des germanischen Geisteslebens sehr erfreulich. Leider entstand damit aber auch eine Kluft zwischen Nord- und Südgermanen, die sich nie wieder ganz schließen ließ.

Da wir heute an einem Neuanfang stehen und „gemeingermanisch“ denken und handeln, kommen die nur in eng begrenzten Räumen verwendeten Runen, also die punktförmigen Runen, die altenglischen Runen oder die des jüngeren Futharks für den modernen Gebrauch nicht infrage. Es müssten außerdem zu den vorhandenen 16 Runen noch 10 weitere hinzugefügt werden, was ein Gemisch aus alten und jüngeren Runen ergäbe. Viel besser ist es, den bereits vorhandenen, älteren, gemeingermanischen Futhark zu verwenden. Schließlich war diese Runenreihe schon einmal gemeinsames Kulturgut aller Germanen. Es müssen zu den 24 Zeichen nur zwei neu hinzugefügt werden und zwar die ohnehin selten gebrauchten Zeichen für Q und X.

Wer Runenschrift also schreiben möchte, lerne zuerst die 26 Zeichen der „Odinsschrift“, wie wir zu unserer Schrift auch sagen können.

Dazu kommen noch zehn „Stabzahlen“, wie sie unsere Vorfahren verwendeten. Die Interpunktion kann so bleiben wie sie ist.

Es gibt viele Wege, die Runenschrift und das Runenlesen zu erlernen. Wenn man jeden Tag nur drei Zeichen sich merkt, kann man nach einer Woche bereits Runenschrift schreiben und lesen. Es fehlt dann nur noch die Übung um „flüssig“ zu werden. Für Schreibübungen kann man z.B. alle möglichen Schriftstücke in die Odinsschrift übertragen. Zum Übungslesen könnte z.B. künftig jeder Ausgabe dieser Zeitschrift eine Seite Runentext beigefügt sein. Außerdem können beim Verfasser Aufsätze, die in Runenschrift geschrieben sind, angefordert werden.

Es ist eigentlich sehr leicht, den gemeingermanischen Futhark zu erlernen und zu gebrauchen und es macht auch Spaß, letztendlich bringt man durch den Gebrauch ein altes, eigenes Kulturgut „zum Leben“.

Fassen wir zusammen:Die Runen gehören zu den ältesten Zeugnissen menschlichen Geistes.Sie sind schon vor vielen tausend Jahren hier in Mitteleuropa entstanden und bei den indogermanischen Wanderungen in alle Teile der damals bekannten Welt verbreitet worden. Sie dienten den Völkern, die mit ihnen in Berührung kamen als Anregung und Vorbild für die Entwicklung eigener Schriften.

Die Runen wurden zunächst als kultische Zeichen erfunden. In der germanischen Mythologie kommt ihnen eine zentrale Bedeutung zu. Ihre Herkunft von Odin weist darauf hin.

Jedes Runenzeichen beschreibt ein ganzes Lebensbild, so wie es bei unseren Ahnen tatsächlich vorkam.

Runen als einzelne Zeichen hatten magische Bedeutung, vorwiegend sollten sie beschützen. Daher wurden sie gern auf Waffen und Schmuckstücken eingeritzt. In späterer Zeit wurden die einzelnen Zeichen aneinander gereiht und zur Erstellung von Worten, Sätzen, Schriftstücken verwendet. Bis zur gewaltsamen Christianisierung, etwa um 800, wurden in Deutschland Lieder, Zaubersprüche, Weissagungen in Runenschrift aufgezeichnet.

Mit dem Eindringen des Christentums wurde der Gebrauch der Runen verboten, die gesammelten Aufzeichnungen wurden vernichtet. Es wurde jetzt die lateinische Schrift, das lateinische Recht und die lateinische Denkweise gewaltsam eingeführt.

Erst im 19. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Erforschung der Runen. Leider wurde bis heute der Gebrauchswert der Runen als schriftliches Ausdrucksmittel nicht entsprechend untersucht und nicht diskutiert.

Im Computer-Zeitalter ist es kein Problem, jedes beliebige Schriftstück in Runenschrift zu schreiben, man muß es nur wollen.

Abschließend sei allen Menschen unserer Art, die sich um unsere heilige Schrift verdient gemacht haben, dieser Satz Thorolf Wardles gewidmet:

Einst mit den Asen kamen sie –

Einst mit den Asen verschwanden sie.

Heut kehren wieder Asen und Runen!

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=87:odins-runen-unsere-schrift-&catid=7:runen&Itemid=28

Gruß an die Asen

TA KI

Germanische Götter in der Volksüberlieferung unserer Zeit


Geschrieben von: Administrator
Wodan und die Götter von Walhall sind nicht tot. Zahlreiche Spuren von ihnen sind in Namen, Sagen und Volksmärchen vorhanden, und es soll daher im folgenden aus der Fülle des in unserer Zeit Erhaltenen eine kleine Auslese gegeben werden.

Der eigentliche Urgott der Germanen war Tyr , althochdeutsch Zio , gotisch Tius , ursprünglich der indogermanische Himmelsgott an sich – der nordische Name Tyr bedeutet „der leuchtende “ – gleichzeitig aber auch der Stammvater der Germanen. Erst in der späteren Mythologie wird er zu einem Sohne Odins. Als der oberste Gott eines so wehrhaften Volkes war er natürlich auch der Schlachtenlenker und Kriegsgott. Die Rune T , die Tyr bedeutete, war das Sinnbild des Schwertes und hat nebenbei auch grosse Ähnlichkeit mit dem Planetenzeichen für Mars X . Und in der Tat wurde von römischen Schriftstellern Mars geradezu als ein Hauptgott der Germanen bezeichnet. Des Gottes Name ist in Dienstag (der nichts mit „dienen“ zu tun hat), nordisch Tys-dagr, alamannisch Zies-Tag, also Tius-Tag, englisch Tuesday, französisch Mardi, lateinisch dies Martis , erhalten.

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Das Wort „Zetergeschrei“ geht auf Zio zurück, bedeutet also ursprünglich einen Anruf des Kriegsgottes, desgleichen der Name des Seidelbastes (daphne mezereum) , der eigentlich Zio-linta hiess, und der seinen heutigen Namen erst durch eine Volkswortdeutung erhielt, als der alte Name unverständlich geworden war. Der Eisenhut oder Sturmhut (aconitum)viola Martis , auf Tyr zurück. Das Volk hat dann später aus dem „Mars“ -Veilchen ein „März“ -Veilchen gemacht. Im christlichen Mittelalter ist der Kriegsgott Tyr zum schwertschwingenden Erzengel Michael geworden. heisst in Norwegen noch heute Tyr-hialm, also Tyrs Helm. Ebenso geht die altnordische Bezeichnung tysfiola, lateinisch

Der Hauptgott der nächstälteren Periode war der nordische Thor , altsächsisch Thunar , angelsächsischen Thunor , südgermanisch Donar oder Donner . Da im Mittelalter gewisse Züge Thors auf den Teufel übertragen wurden, so führte letzterer in Erinnerung an Thors Hammer den Beinamen „Meister Hämmerlein“ . Auch zwischen Thor und Herakles bestanden gewisse, aus dem indogermanischen Ur-mythos herrührende Analogien, so der Kampf beider gegen Riesen und Ungeheuer zum Wohle und zum Schutze der Menschheit, wobei allerdings Thors Hammer bei Herakles zur Keule geworden ist.

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Von Donar abgeleitete Personennamen sind im Südgermanischen (Deutschen) ungewöhnlich, desto häufiger aber erscheinen von Thor abgeleitete in Skandinavien, so Thorarr, Thorir, Thorolfr, Thorgeirr, Thorbjörn, Thorstein, Thorketill, Thorvaldr, Thorsinnr oder weiblich Thora, Thorun, Thorhildr, Thordis. Ebenso sind mit Donar zusammengesetzte Ortsnamen Donnersberg, Donnersmark, Donnerschwee (ein Dorf unweit Oldenburgs, das früher Donnerswehe hiess )- nicht so häufig wie die mit Thor zusammengesetzten in Skandinavien und im Norden, wo wir Thorsgy, Thorshälla, Thorslunda, Thorstuna, Thorsvi, Thorsaker, Thorshang, Thorfas, Thorsö in Schweden, Thorseng auf Fünen, Thorshöi in Schleswig, Thorsen, Thorsnes, Thorshof in Norwegen, Thorshavn auf den Färöern finden.

Unter den Tieren waren dem Thor heilig der Fuchs, das Eichhörnchen und das Rotkehlchen wegen ihrer roten Farbe, der Bär wegen seiner Stärke, und weil er das gewaltigste und gefährlichste Raubtier der nordischen Länder war. In einigen Gegenden Deutschlands heisst der Hirschkäfer oder Hornschröter (lucanus cervus) noch heute Donnerguege (gueg, guegi=Käfer) oder Donnerpuppe, und vielleicht gehört auch die Benennung der Schnepfe (scolopax gallinago) als Donnerziege, Donnerstagspferd oder Himmelsziege in diesen Zusammenhang, da sie als sog. Wettervogel und als Verkünder von Gewittern galt.

Unter den Pflanzen tragen des Gottes Namen unter anderem der Donnersbart oder Hauswurz (sempervivum tectorum, französisch joubarbe, also barba Jovis) , die Donnerdistel (eryngium campestre) , das Donnerkraut (sedum) und der Donnerflug (fumaria bulbosa) . Von Bäumen war ihm besonders heilig die Eiche, der Baum der Jüngeren Steinzeit, ebenso wie in Griechenland die Eiche der Baum des Donnergottes Zeus (z. B. in Dodona) war. Endlich ist der Name des Gottes erhalten geblieben in Donnerstag, englisch Thursday, französisch Jeudi, lateinisch dies Jovis .

In dem Namen Freyrs , des südgermanischen Fro , steckt die gleiche Wurzel wie in unserem Worte „froh“ , die Urbedeutung scheint also der Frohmachende, der Frohe zu sein. Später bedeutet der Name „Herr“ schlechtweg und ist in „Frondienst“ und „Fronleichnam“ noch heute erhalten. Freyr war der Sonnengott und zugleich der Gott des Friedens und der Fruchtbarkeit, sein geweihtes Tier war der goldborstige Eber (Gullinbursti) , auf dem er über die Felder ritt. Dieser Eber wird gewöhnlich als die Sonne gedeutet und spielte vor allem in der angelsächsischen Poesie eine Rolle, und noch heute bildet ein Wildschweinkopf mit einer Zitrone (dem Sinnbild der Sonne) im Maul in England auf festlichen Tafeln ein beliebtes Schaugericht.

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Auch ein Zauberschwert besass der Gott, das sich von selbst schwang, und das im Volksmärchen in vergröberter Form als „Knüppel aus dem Sack“ wiederkehrt.

Freyrs Schwester Freya , ursprünglich nur die weibliche Form von Freyr, war die spinnende und webende Göttin, die später vielfach mit der einer jüngeren Mythenbildung entstammenden Frigga , südgermanisch Fricka , verwechselt wurde, obwohl es sich anfangs gewiss um zwei verschiedene Gestalten gehandelt haben wird. Als Göttin des Spinnens und Webens hiess Freya, ebenso wie die später an ihre Stelle tretende Frigga, in Schwaben, im Elsass, in der Schweiz, in Bayern und in Österreich auch Frau Berchta oder Bertha, d.h. berahta (=die Glänzende) , und in Hessen, Thüringen und Franken auch Frau Holda, Hulda, Holle und ist unter diesem Namen in Volkssagen und Märchen bis zum heutigen Tage lebendig geblieben.

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Um eine verlorene goldene und überhaupt eine weit zurückliegende Zeit zu bezeichnen, lebt in manchen Gegenden Deutschlands noch heute die Redensart: „Die Zeiten sind vorbei, da Bertha spann“ , ebenso wie man in Italien noch jetzt sagt: „Non e piu il tempo che Berta filava“ .

Als Spinnerin lebt Freya (bzw. Frigga ) noch heute in Volkssagen und Volksgebräuchen fort. So geht nach einer oberdeutschen (besonders bayrischen) Sage zur Zeit der Spinnarbeit, im Winter also, in der Dämmerstunde im Dorf eine in weisses Linnen gehüllte Gestalt um, die die fleissigen Spinnerinnen belohnt, die faulen aber bestraft. Auch das „Berchtenlaufen“ um die Fasnachtszeit, bei der eine weissgekleidete Gestalt ( Frau Berchta ) ihren Umzug hält, findet sich noch in vielen ländlichen Gegenden Deutschlands. Die sog. „weisse Frau“ , die in manchen Schlössern umgeht, dürfte wohl gleichfalls ursprünglich auf Freya (Frigga) zurückgehen.

Nach Freya heissen mehrere Farne (adiantum, polypodium, asplenium) Frauenhaar, lateinisch capillus Veneris , isländisch Freyju-Haar, dänisch Frue-Haar, norwegisch Mari-Gras, desgleichen der Frauenschuh, dessen lateinischer Name Cypripedium auf die der Freya entsprechende römische Göttin Venus (Cypris) weist, ferner heisst auch eine Orchidee (orchis odoratissima) , die zu Liebestränken verwendet wurde, Friggas Gras. Auch der Frauen- oder Marienkäfer, Herrgottskälbchen, Sonnenkälbchen, Gottesschäfchen ( coccinellina septempunctata ) geht letzten Endes auf Freya zurück, da im Mittelalter vielfach die Jungfrau Maria an die Stelle der Freya trat, was sich auch in den Pflanzennamen Frauenflachs ( cuscuta ), Frauennabel ( cotyledon ), Marienblume ( bellis perennis ), Mariendistel ( carduus Marianus ), Marienflachs ( antirhinum linaria ) und Marienmantel ( alchemilla vulgaris ) zeigt.

Als letzter in der Reihe der Hauptgötter erschien dann derjenige, den die Edda als den von Anfang an höchsten Himmelsgott und Vater der Asen nennt, nämlich Odin , südgermanisch Wodan oder Wotan . Der nordische Name stammt von den altnordischen vadha, Präteritum odh, wonach Odin – richtige Schreibweise eigentlich Odhin – soviel heisst als „der durchdrungen hat“ , denn das Zeitwort vadha bedeutet ursprünglich „waten“ . Die gleiche Bedeutung hat das althochdeutsche watan, Präteritum wuot, woraus dann althochdeutsch Wuotan, altsächsisch Wodan oder Wotan wurde. Er war also der Alldurchdringer, und seine Naturgrundlage war die Luft. Im übrigen hängt mit seinem Namen auch unser „Wut, wüten“ zusammen, und das „wütende“ oder „wilde“ Heer ist nichts weiter als Wuotes (d. h. Wuotans)“ Heer. Odin gehörte der jüngeren Bronzezeit an und blieb führender Gott auch die ganze Eisenzeit hindurch bis zum Zurückdrängen des germanischen Götterglaubens.

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Odin besaß den Wunschring Draupnir (der Tropfende), aus dem jede neunte Nacht acht gleiche herabtropften. Dieser Ring war vielleicht ein Hinweis auf die Ringe und Spiralen, die in der Bronzezeit wahrscheinlich als Zahlungsmittel verwandt wurden, und in späteren Volkssagen erscheint der Ring als Brut- oder Heckpfennig, als Wunschhütlein oder Glücksseckel. Als Wanderer (Wegwalt oder Begtamr, Gangrädhr) durchzog Odin die Welt, bekleidet mit einem Schlapphut und einem fleckigen blauen Mantel, dem Wolkenmantel (daher fleckig), der ihn durch die Luft trug und der im Mittelalter zu Doktor Fausts Zaubermantel wurde. Deshalb hiess Odin auch Hakulberand (=der Mantelträger), woraus dann die Sage vom Hackelberend, dem Anführer der Wilden Jagd, entstanden ist. Aus dem manteltragenden Odin ist dann im Mittelalter christlicherseits St. Martin gemacht geworden.

Zahlreich sind die Orte, die nach Odin (Wodan) heissen, wie Onsberg auf der dänischen Insel Samsöe, Odensberg in Schonen, Godesberg bei Bonn (im Mittelalter Gudenesberg, noch früher Wodenesberg), mehrere Gudensberg in Deutschland, Godensholt (früher Wodensholt) im Oldenburgischen, Woendsrecht (=Wodani trajectum, also Wodansfurt) unweit von Bergen op Zoom in Holland, Woensel (Woedens sele, Wodans Saal) in Nordbrabant, Wunsdorf (Wunstrop, 1179 noch Wodenstorp) in Niedersachsen. In England finden sich Wednesbury und Wednesfield in Staffordshire, Woodnesbury in Kent, Wednesham in Eheshire u.a.

Besonders häufig sind solche Namenszusammensetzungen natürlich in Skandinavien. Pflanzen sind anscheinend nicht nach Odin benannt worden, wohl aber nennen die Isländer und Dänen einen kleinen Wasservogel, den Zwergstrandläufer (tringa minima), Odenshane oder Odensfugl. Sogar ein Teil des menschlichen Körpers wurde nach dem Gott genannt, denn der Raum zwischen dem gestreckten Daumen und dem Zeigefinger, den die Griechen lichas (von lichanos, der Leckfinger, Zeigefinger) nannten, hiess in den Niederlanden Woedensspanne, Woenlet. Endlich ist der Name des Gottes in dem Tage erhalten, den wir sehr farblos Mittwoch nennen, der aber bei den Engländern Wednesday, französisch Mercredi, lateinisch dies Mercurii heisst. Den Hauptgott der Germanen nennt Tacitus in seiner Germania Mercurius .

Von den übrigen Göttern hat sich der Name des Baldur, südgermanisch Balder, erhalten in der Hundskamille ( anthemis cotula ) und der Feldkamille ( matnearia inodora ), die in Skandinavien Baldursbraue ( Baldrs bra ) heisst.

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Nach Loki , südgermanisch Loge , werden, um seine verderbliche Wirkung zu zeichnen, der Schwindelhafer ( avena fatua ), der Hahnenkamm ( unnanthus ensta galli ) und ein dem Vieh schädliches Unkraut ( polytrichum commune ) Lokis Hafer genannt. Im übrgen ist der Name des Gottes in Skandinavien auch in zahlreichen volkstümlichen Wendungen bewahrt geblieben. Zieht die Sonne Wasser, so sagt man, Loki fährt über die Äcker oder Loki trinkt Wasser, wenn Unheil gestiftet wird, so sät Loki seinen Hafer, knistert das Feuer, so gibt Loki seinen Kindern Schläge, steigen in der Sonnenglut Dünste auf, so treibt Loki seine Geissen aus. Der Irrwisch heisst in Skandinavien Lokis Geruch, der Stern Sirius Lokis Brand, Späne, die zum Feueranmachen dienen, heissen Lokis Späne. In christlicher Zeit, in der die germanischen Götter zu „üblen Wichten“ , also Dämonen wurden, wurde Loki zum Teufel schlechthin. Auf die Nornen endlich, die Schicksalsgöttinnen, gehen die zahlreichen Sagen und Märchen von guten und bösen Feen (z. B. im Märchen vom Dornröschen), Wasserfrauen, Brunnennixen, Schatzhüterinnen usw. zurück, während die Schwanenjungfrauen aus den Walküren entstanden sind.

 

 

 

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=95:walther-brewitz&catid=8:mythologie&Itemid=27

Gruß an die Deutschen Sagen

TA KI

 

Die Asen


Einführung


Asgard, der Götterwohnsitz der Asen
(Illustration von H. Hendrich, um 1890)

Die Asen sind die Hauptgötter des Nordischen Pantheons. Sie erschufen die Menschen und greifen aktiv in ihre Geschicke ein. Sie wohnen in Asgard, der Burg der Götter, die Menschen bewohnen Midgard, Utgard ist dem Riesengeschlecht vorbehalten. Den Asen zur Seite stehen die älteren Wanen, die Naturgötter. Beide kämpfen gegen die Kräfte des Bösen, das Geschlecht der Riesen, die auf die Vernichtung der Welt und der Götter, Ragnarök, hinarbeiten.

Der vornehmste, Erstgeborene der Asen ist Odin, der Allvater mit den vielen Namen. Seine beiden Brüder sind Wili und Wili . In anderen Sagen treten diese drei auch als Wotan, Loki und Hönir auf.

Odin ist mit Frigga vermählt, einer Fruchtbarkeitsgöttin, hat aber noch viele weitere Frauen und zeugt zahlreiche Kinder, darunter auch seine Söhne Thor und Baldur. Er reitet auf seinem Hengst Sleipnir durch die Welt und stiftet Kriege an, er beobachtet die Welt durch die Augen seiner zwei Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung). Und nicht zuletzt schickt er seine Walküren aus, um von den Schlachtfeldern (Walstätten) die gefallenen Helden zu bergen, damit sie sich in Walhalla mit ihm auf die letzte große Schlacht vorbereiten.

Die Geschicke der Asen sollen nun an ausgewählten Beispielen vorgestellt werden.

Baldurs Tod


Wikingerbestattung, F. Dicksee, 1893

Baldur, dem guten sanftmütigen, träumte, dass seinem Leben Gefahr dräute. Und als er den anderen Asen seine Träume sagte, pflogen sie Rat zusammen und beschlossen, ihm Sicherheit vor allen Gefahren auszuwirken. Frigg, die Herrin über die Natur, nahm Eide von Feuer und Wasser, Eisen und allen Erzen, Steinen und Erden, von Bäumen, Krankheiten und Giften, dazu von allen vierfüßigen Tieren, Vögeln und Würmern, dass sie Baldurs schonen wollten. Als das geschehen war, trieben die Asen allerlei Kurzweil mit Baldur, stellten ihn inmitten ihres Kreises und schossen nach ihm, hieben auf ihn ein, wieder andere warfen schwere Steine nach ihm. Doch was sie auch anstellen mochten, nichts konnte ihm einen Harm tun.

Das verdross nun freilich den Loki und er ging zu Frigg in Verkleidung eines alten Weibes und frug sie, ob sie denn wirklich alles in Eid genommen. Solcherart erfuhr der Listige, dass östlich von Walhall eine Staude, Mistel genannt, wachse ,die für zu jung befunden worden wäre, in Eid genommen zu werden.

Darauf ging nun Loki hin, bemächtigte sich der Mistel und gesellte sich wieder den anderen Asen zu. Im äußersten Kreise der Männer stand der blinde Hödur; diesen nahm Loki alsbald zur Seite und nötigte ihn, mit dem Zweiglein, dass er ihm reichen wolle, auch Baldur Ehre zu tun und nach ihm zu schießen. Wie groß das Entsetzen aller, als nun dieses Zweiglein von des Blinden Hand den Baldur durchbohrte, dass er tot zur Erde stürzte!

Frigg befrug nun jeden, ob er sich reichen Lohn verdienen wolle, und in ihrem Auftrag der Hel ein reiches Lösegeld für Baldur anbieten , auf dass er heimkommen könne nach Asgard. Diesen Auftrag nahm Hermodhr an, des Odins Sohn, bestieg dessen unvergleichlichen Hengst Sleipnir und nahm den Helweg auf sich.

Unterdessen wurde Baldurs Leichnam mit allen Ehren bestattet, jedoch ohne Rache, denn der Heimtückische befand sich auf geheiligter Freistätte.

Hermrodhr gelangte auch wirklich ins Reich der Hel und forderte Baldurs Rückkehr ins Land der Lebenden, doch stellte Hel für die Erfüllung dieses Wunsches eine Bedingung: Baldur solle nach Asgard zurückkehren dürfen, wenn alle Dinge auf Erden, tote wie Lebende, um ihn weinten, doch sei auch nur eines dabei, welches keine Trauer zeige und nicht um ihn weine, müsse er in ihrer, Hels, Obhut immerdar bleiben.

So ritt Hermodhr wieder zurück ins Land der Lebenden und verkündete seine Botschaft; die Asen sandten daraufhin Abgesandte in alle Länder, auf dass alle Dinge um Baldur weinten, damit er von der Hel erlöst werden könnte.

Die Gesandten erfüllten ihr Werk auch vortrefflich, doch, schon auf dem Rückweg nach Asgard, fanden sie das Riesenweib Thöck, die sich, man erzählt sich, Loki habe sie aufgehetzt, weigerte, um Baldur zu weinen, da sie weder im Tode noch im Leben etwas mit ihm zu schaffen gehabt hätte und ihr sein Schicksal, Hel oder nicht, herzlich gleichgültig sei.

So musste Baldur denn auf immer in Hels Reich verbleiben und Loki der Heimtückische hatte einen großen Sieg errungen.

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/asen.htm

Gruß an die nordische Mythologie

TA KI

Die Erschaffung der Welt



Yggdrasil, die Weltesche
(Illustration, Nordische Antiquitäten, 1847)

Einst war das Alter, da alles nicht war,
Nicht Sand noch See noch salzge Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgend
(Jüngere Edda, 4)

Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Nordische Mythologie, und auch die Entstehungsgeschichte der Welt, wie die alten Wikinger sie sich vorstellten, ist davon bestimmt: Gewalt, Brutalität und Tod.

Vor der Schöpfung gab es eine kalte Welt, Niflheim, ganz Eis und Kälte. Und es gab eine heiße Welt, Muspelheim, ganz Glut und Feuer, deren Grenze von Surtur mit dem flammenden Schwert bewacht wurde. Dazwischen liegt Ginnungagap, das geheimnisvolle Nichts, die gähnende Leere.

Im kalten Niflheim ist der Brunnen Hwergelmir, aus dem zwölf Flüsse entspringen. Auf der Seite Ginnungagaps, die Niflheim zugewendet ist, gefriert das Wasser zu Eis, welches sich immer weiter nach Süden ausdehnt, dem warmen Muspelheim zu, bis Eis und Feuer schließlich aufeinandertreffen. Daraus entsteht das erste Lebewesen, der Frostriese Ymir, aus dessen Schweiß noch ein Mann und eine Frau entstehen und der mit den Füßen zwei Söhne zeugt, so dass er zum Vater des Geschlechts der Riesen wird. Er ernährt sich von der Milch der Kuh Audumla, die aus schmelzendem Eis heraus zum Vorschein gekommen ist. Sie selbst ernährt sich, indem sie das salzige Eis leckt und nach einer Weile leckt sie daraus den ersten Mann, Buri, hervor, der mit einer Riesin seinen Sohn Bör zeugt, dessen Söhne wiederum Odin, Wili und We sind, also Wotan, Hönir und Loki, die ersten drei Asen und zugleich die vornehmsten.

Diese drei Asen erschlagen nun den Riesen Ymir und bilden aus den Überresten seines Körpers die Welt.

Aus Ymirs Fleisch ward die Erde geschaffen,
Aus dem Schweiße die See,
Aus dem Gebein die Berge, die Bäume aus dem Haar,
Aus der Hirnschale der Himmel.
Aus den Augenbrauen schufen gütige Asen
Midgard den Menschensöhnen,
Aber aus seinem Hirn sind alle hartgemuten
Wolken erschaffen worden.
(Jüngere Edda, 8)

Aus dem Blut des Riesen wird das Weltmeer, das die Erde umschließt, darin ist die Erde befestigt. Die Hirnschale, die den Himmel bildet, wird mit vier Hörnern über die Erde erhoben, darunter sitzen die Zwerge Austri, Westri, Nordri und Sudri. Sie erleuchten den Himmel mit Feuerfunken aus Muspelheim.

Aus zwei Bäumen werden die ersten Menschen erschaffen, der Mann Ask und die Frau Embla. Ihre Heimstatt ist Midgard, während die Burg der Asen Asgard heißt. Von dort beobachtet Odin als oberster Gott die Welt und Menschheit und zeugt das Geschlecht der Asen; deshalb heißt er Allvater, weil sowohl Götter als auch Menschen von ihm abstammen.

Quelle: http://www.mythentor.de/nordisch/welt.htm

Gruß an die Mythologie

TA KI

Wotan


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Geschrieben von: Birka Vibeke
Wotan (altnordisch: Odinn, angelsächsisch: Woden, altsächsisch: Woden, altfränkisch: Wodan) wird heute meist Wotan oder Wodan oder mit dem nordischen Odin bezeichnet. Als die vielschichtigste Göttergestalt gilt er als Hauptgott der Germanen.

 

Wotan (altnordisch: Odinn, angelsächsisch: Woden, altsächsisch: Woden, altfränkisch: Wodan) wird heute meist Wotan oder Wodan oder mit dem nordischen Odin bezeichnet. Als die vielschichtigste Göttergestalt gilt er als Hauptgott der Germanen.
In der germanischen Mythologie gehört er mit seinen beiden Brüdern Vili und Vé (Hönir und Lodur) zu den ersten Göttern überhaupt.
Seine Eltern sind Bur (der „Sohn“ von Buri dem „Erzeuger“) und Bestla (sie ist Riesin und Tochter des Riesen Bölthorn).

Odin ist der Ehemann von Frigg (auch Frija) und ihr gemeinsamer Sohn ist Balder (Baldr oder Baldur). Mit der Göttin Jörd (Erde) hat Odin den Sohn Thor (Donar). Mit der (Riesin) Gridr hat er den Sohn Vidar, welcher nach dem Ragnaröck als Rächer für denVater den Fenriswolf besiegt. Mit der Königstochter Rindr hat er den Sohn Vali, welcher den Tod Balders rächt. Auch Heimdall, Tyr, Brage, Hermod und Hödr sind seine Söhne.

Wichtige Attribute Odins sind sein Speer (Gungnir), sein Ring (Draupnir), die beiden Raben Huginn (Gedanke) und Muninn (Erinnerung), sein achtbeiniges Pferd Sleipnir und seine Wölfe Freki (der Gefräßige) und Geri (der Gierige). Neben seiner Einäugigkeit sind sein Hut und sein (blauer) Mantel für ihn bezeichnend.

Wotan hat eine Unmenge von Namen, weil seine Persönlichkeit so vielerlei Seiten aufweist. Allfodr – Allvater, Atridr – der zum Kampf Vorreitende, Fiolnir – der der viel weiß und viele Gestalten annehmen kann, Göndlir – der Zauberkundige, Hroptatyr – Beschwörer der Mächte, Sigfodr – siegreicher Schlachtvater, Valfodr – Walvater für die Gefallenen; dies sind nur einige dieser Namen, welche uns sein Wesen etwas näherbringen.

Sprachlich leitet sich odr von „wütend, rasend“ ab. Wotan ist Wut! Kurz und treffend wollen wir das als seinen Wesenskern darlegen. Die Wut ist ein Eerregungszustand des menschlichen Inneren, ihr Wesen ein Außersichgeraten, aus sich selbst Heraustreten, Entrückung, Ekstase.

Nicht das er die Wut des Strumes persönlich gemacht hätte (er ist kein „Naturgott“), doch wir werden ihn nie ganz fassen, wenn wir nicht die einsamen nächtlichen Schauer des wutenden Windes, das Ächzen und Schreien in Luft und Wald fernhalten. Die „Wut“ ist das Urerlebnis. Die Wut jagt nicht nur die Seelen der Toten durch die Nacht, sie herrscht auch in der Seele der Lebendigen, sie rührt auf und riß hoch, weit über das Gemeinmenschliche hinaus. Die überirdische Macht, die den gewaltigen Sturmwind draußen entfacht, entfacht ihn auch drinnen, die hohe Erregung erscheint in der Natur wie im Gemüt und befähigt das „Außersichtreten“.

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Hier stehen wir auch schon bei dem Rätsel des Kriegsgottes Wotan. Er ist nicht Totendämon, der mit Leichen zu tun hat. Wäre er nur der Gott der Wal, dann hätte der lebende Krieger ihn zu scheuen, anstatt zu ehren und sich zu ihm zu bekennen. Er ist der, der den kriegerischen Mut in der Brust schwellen läßt. Das Wütende, Berauschte, Besessene des Dreinstürmens und Dreinschlagens der germanischen Krieger kam durch ihn. Sie waren außer sich, rasend. Ihr Mut war Wut. Er ist also der Gott der erhabendsten und wichtigsten Wut, der des Kampfes. Die eines gewaltsamen Endes gestorben sind, gehen Wotan besonders an; Sie kamen ihm aber nicht zu, weil er der Höchste war, sondern weil er in geheimnisvollem Zusammenhang mit ihnen stand, besonders mit den Kriegsgefallenen und den Gehängten.

An die unterweltlichsten Seiten von Wotans Wesen rühren wir, wenn wir hören, daß der Gott mit den Toten Umgang pflegt, sich unter sie setzt und sich Rat von ihnen holt.

 

 

Das führt uns zu einem weiteren wichtigen Wesenszug Wotans, dem Zauberer. Der Germane kannte den erhöhten Zauber des gottbegeisterten Menschen. Er führt ihn keineswegs immer auf Wotan zurück; aber dieser selbst ist Meister und Lehrmeister der Kunst: von dem Sturmwind des Übermschlichen sich durchfahrenzu lassen.Wotan ist Führer des nächtlichen Heeres, man sah und hörte die Seelenjagd im Sturm, in den Lüften. Noch heute ziehen Scharen vermummter und außer sich geratener Menschen mit Lärm und Unfug durch das Land; unter den Verkleidungen spielt die Maske im eigentlichsten Sinn die Hauptrolle.

Die wilde Jagd in den „Zwölften“ ist das Totenheer Wotans. Manche wollen darin eine ganz bestimmte Kultübung, die dem Totenführer und wirklichen Kriegsgott huldigte, sehen. Mit einem Fruchtbarkeitskult läßt sich das Wilde Heer aber nicht erklären.

Die Entrücktheit des Zauberers entfachte die Kampfeswut des Berserkers genauso wie die erhabenste Regung der menschlichen Seele, die Begeisterung eines Künstlers. Die Vorstellung, daß man in dem Schaffen des Dichers eine gotteingegebene hohe Zauberei sah, erhebte unsere Vorfahren zu ungeahnten Geisteshöhen. Diese begründet dann auch, daß das Vermögen, unter Wotans Befeuerung Gedichtete mit Zeichen festzubannen, etwas besonders Hohes und Erhabenes, die Runenschrift eine zauberische Fähigkeit wurde.Wotans Anteil an der Kunst kommt aber nicht von außen, durch seine Geschicklichkeit, sondern von innen; er wirkt auf die Künstlerseele, nicht auf die Künstlerhand. Das wahre Zaubern ist keine Geschicklichkeit, sondern setzt den besonderen magischen Seelenzustand voraus. So hoffte der germanische Zauberer, in Wotans Dienst und Gefolge, zur letzten Höhe der „Wut“ und der Macht emporzusteigen.

Doch diesen Zustand des Außer-sich-seins, der allein befähigt, Wunder zu wirken, mußte sich Wotan mühsam erarbeiten. Er, der keinen Höheren über sich erkennt, hat sich selbst geopfert und leidete die Pein am Mittelpunkt der Welt, am Weltbaum selbst. Er ist erst Herr der Runen geworden durch den Zustand des höchsten Leidens. Erst dem Tode nah, vermag er jenes schöpferische Außersichsein zu erreichen, welches ihn dann zum fimbulthulr, zum obersten aller Magier machte, und ihn befähigte, schreiend, noch voller Qual, die Runen aufzunehmen und sie als das große Zaubermittel zu erkennen und zu nutzen. Diese sind aber nicht nur Zauberzeichen, sondern auch Schrift. Wotan wird damit zum Schöpfer der geistigen Künste.

Auch, daß er sein eines Auge dem Wasser Mimirs preisgab, war ein wichtiges Opfer. Durch einen Schluck aus Mimirs Brunnen ist es ihm möglich geworden Inneres und Äußeres zu verbinden. Nicht nur „Augenscheinliches“ zu sehen, sondern auch die Hintergründe, das Unbewußte mitaufzunehmen. Erst als er auf ein Auge verzichtete, welches für uns das einzige Sinnesorgan zum Sehen ist, wurde ihm ein intuitives Schauen innerer Wirklichkeiten ermöglicht.

Als die Wanen in den Umkreis der Asen treten, vollendet sich die Herrschaft Wotans, als oberster Gott. Es beginnen jedoch auch bestimmte wanische Mythen sich an seine Gestalt zu heften. Er, der furchtbare Totengott, der Vernichter war kein Fruchtbringer, für den das Ende zugleich ein neuer Anfang ist. Bei den Wanen, wo Werden und Vergehen, das Gewesene und das Zukünftige, das Unterirdische und das Lebendige zusammenhängen war in der asischen Denkart nicht nachzuweisen. Die Wanengötter setzten nur Werte um, führten unter die Erde, um Neues zu schaffen, Wotan aber zerstörte auch aus Grausamkeit und riß Leben aus dem großen Vorgang des Wachstums und Lebens endgültig heraus.

Die Übernahme wanischer Verehrungsformen auf Wotan wurde natürlich dadurch erleichtert, daß er Totengott war. Neben den eben erwähnten Unterschieden gab es auch Gemeinsamkeiten.Tobende Umzüge, Vermummung, auch Totenmasken sind bei beiden gemeinsam bezeugt. Eine weitere wanische Überlagerung zeigte sich, als man Wotan für das Gedeihen der Fluren dankte, und ihm dafür zu opfern begann. Später finden wir ihn auch an Stelle der Korngeister und Ackeralten.

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Wotan ist Ase, von Anfang ein Wesen ganz anderen Schlags als die Wanen, ein Herr geistiger Umkreise und ein alter Totengott. Aber ein furchtbarer, ein Vernichter, kein Fruchtbringer. Für manche mochte er „ein und alles“ werden, und so auch Schützer des Ackers. Das liegt aber nicht in seinem Wesen. Wir wollen in ihm, wie Jakob Grimm schrieb,das alldurchdringende Wesen des germanischen Glaubens sehen. Das Große an Wodan scheint uns zu sein, daß in ihm ein Innerliches, Geistiges so ganz zum Siege gelangt ist. Daß dieser alte Verlöscher, dessen bösartige Züge sich nie ganz verloren haben, zu einem großen Entzünder werden konnte. Daß er sich nicht an äußere Gebärde und Geschicklichkeit verlor, sondern in den Mittelpunkt alles menschlichen Werdens und Geschehens vordrang und sich die Seele als Sitz erkor. Er lehrt nicht Hiebe führen und wirft keine Kriegslose, er packt die Seele des Kriegers und füllt sie mit heiliger Wut. Er übermittelt nicht die Taschenspielergriffe des Zauberers, sondern er erzeugt den Seelenzustand, der die Naturkräfte aufhebt. Die Schrift, die er brachte, ist nicht Verständigungsmittel, sondern jedem Zeichen wohnt Macht und Seele inne. Seine Dichtkunst ist kein Können, sondern sie ist Wut, Genie, Ergriffenheit vom Göttlichen.

Daß diese Wut seinen Bekennern in allem das Wichtigste und Letzte ist, daß sie ihnen göttlich wurde, daß der Höchste ihnen zu einem Gott der Wut, des Enthusiasmus, der Seele, des Unkörperlichwerdens heranwuchs, das ist das Ewige und germanische an der Wodansgestalt.

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=105:wotan&catid=8:mythologie&Itemid=27

Gruß an die Ahnen

TA KI