Der Samstagsfilm


Gruß an Ralf

TA KI

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Die Schlüssel zu den zauberhaften Märchen von Stämmen der Slawen und Arier


Damit die Informationen zum Volk kamen, gaben die slawisch -arischen Priester alles sakral -wendische Wissen, dem Volk in Form von Märchen zurück, in welchen die Information für die bildliche Wahrnehmung umgestaltet war. Die Märchen wurden Wort für Wort weiter geben, damit die Information ohne Entstellung oder Verzerrung ankam. Das, was die russo-arische Völker vom Kindesalter an aus den Märchen lernten, waren die wahren und alten Informationen, mit deren Hilfe das Kind ausgebildet wurde, um seine Welt besser zu erkennen. Märchen, Legenden, Sagen, Lieder, Gedichte, Geschichten, Sprichwörter u.ä. – das alles ist die alte Weisheit der slawisch -arischen Völker.

Das Wort „Byl“ (riss. „Быль“) ist von altrussischen Verb – „Byti“ (russ.“быти“) entstanden, das heißt – es geschah in der Welt der Wirklichkeit (Jawi) oder auf deutsch gesagt – wahre Geschichte (historische Sage). Aber die „erfundene“ Geschichte (riss. „небыль“) – was nicht in der Jawi (die Welt der Wirklichkeit grober Materie, Realität) geschah, aber in den Welten: Nawi (die Welten der Geister), Slawi (Ruhme – die Welt der Ahnen) oder Prawi (Lenke – die Welt der Götter), so heißt es – es geschah in anderer Form des Daseins.

Alle Erzählungen wurden von Materialisten – „Bewohnern, Einwohnern, Mitbewohnern“ als Märchen wahrgenommen, d.h. jenen Menschen, die sich in der dreiwertigen Entwicklung (3 Chakren Mensch) befinden und die Verbindung mit ihren Vorfahren und der Weisheit der Ahnen, verloren haben.

Am Ende jedes Märchen gab’s eine sprichwörtliche Redensart: „Das Märchen lügt und deutet an, wer das erkennt – der lernt daran“. Später haben die Christen diese sprichwörtliche Redensart verzerrt: „Das Märchen lügt und deutet an –  Prachtkerl  erkennt und lernt daran“. Warum dürfen nur die Prachtkerle und nicht die holde Maid (reine junge Frau) das Schicksal und die Bestimmung erkennen? Dies geschah, weil nach dem christlichen Lehren eine Frau, ein negatives Element ist. Im Unterschied zur slawischen Tradition, wo die Frau die Göttin und die Hüterin des Heimes und Heimfeuers verkörpert.

Außerdem waren solche Begriffe wie die Lüge und die Wahrheit verzerrt. In der slawischen Tradition, ist das Wort Wahrheit  mit der wahren Welt – Prawi (die Welt der Götter) verbunden. Das Wort Nichtwahrheit  ist es, was nicht zu der Welt Prawi gehört, aber auch eine Information ist. Unwahrheit – ist die verzerrte (gekrümmte) Information, die nicht aus der Jawi (Welt der Wirklichkeit) kommt. Und das Wort die Lüge bedeutete – die oberflächliche Information, die in dieser Gestalt (Bild) ins Innere eindringt.

Die Christen haben nicht nur die russischen Volksmärchen verzerrt, sondern auch eigene erdacht. In solchen Märchen ist der uralte Traum des christlichen Volkes vom „kostenlosen Leben – faulenzen“ primär dargestellt. Während in den russischen Märchen die Hauptfiguren in ihrem Wirken immer nach dem Ziel streben.

Eines der Beispiele der Entstellungen und Verzerrungen ist das Märchen über „Die Rübe“, die man von der frühesten Kindheit kennt. In der ursprünglichen russischen Variante zeigt das vorliegende Märchen auf die Wechselbeziehung zwischen den Generationen, sowie auf die Wechselwirkung der vorübergehenden Strukturen, der Formen des Lebens und der Formen der Existenz. (Abb. 1)

Abb. 1

 In der modernen Variante dieses Märchens fehlt es noch an zwei Elementen, die von vornherein existieren –  der Vater und die Mutter, ohne die sind es nur sieben Elemente, da es bei den Christen das siebenwertige System der Wahrnehmung (7 Chakren), im Unterschied zum russo-arischen neunwertigen System (9 Chakren) gibt.

In der ursprünglichen Variante, waren es neun Elemente, in einem jedem war eine symbolische Gestalt verborgen:

 

  • Die Rübe – symbolisiert den Besitz und die Weisheit des Stammes (Familienstamm) und seine Wurzeln. Sie vereinigt symbolisch das irdische, unterirdische und das überirdische.
  • Der Großvater – symbolisiert die Alte Weisheit.
  • Die Großmutter – die Tradition des Hauses, das rationelle Wirtschaften (Hauswirtschaft).
  • Der Vater – der Schutz und die Stütze.
  • Die Mutter – die Liebe und die Fürsorge.
  • Die Enkelin – symbolisiert die Nachkommenschaft.
  • Der Hund – der Wohlstand im Familienstamm (den Hund wurde für den Schutz des Wohlstandes angeschafft).
  • Die Katze – symbolisiert die wohltuende Lage im Stamm (die Katze — гармонизаторы der Energie des Menschen).
  • Die Maus – symbolisiert den Wohlstand der Familie (es wurde angenommen, dass die Maus dort lebt, wo es die Überschüsse der Lebensmittel gibt).

 

Aber die Christen haben den Vater und die Mutter entfernt, und haben ihre Gestalten entfernt: den Schutz und die Stütze – mit der Kirche, und die Fürsorge und die Liebe – mit Christus ersetzt.

Bei den Russovölkern liegt der ursprüngliche Sinn dieses Märchens im Folgenden verborgen: die Verbindung mit dem Stamm und dem Stammgedächtnis zu haben, in der Harmonie mit den Verwandten zu leben und das Glück in der Familie zu haben.

 

Es gibt noch ein Märchen, das viel verzerrt wurde, dass ist das Märchen „Kolobok“ zu Deutsch „Bällchen“. Hier bieten wir ihnen die ursprüngliche Variante an:

„Tarch Perun erbat Djiwa – erschaffe Kolobok (das „Bällchen“). Und sie rieb den Swarogskreis ab, und fegte die Sternenhäuser aus und formte Kolobok, sie legte ihn in das Fenster des Sternenhauses vom „Rod“ (Stamm) und da, erleuchtete der Kolobok und rollte auf dem Swarog–Wege fort. Aber er rollte kurz, kam ins Sternenhaus des Wildschweins (Äber) und das Wildschwein biss ihn die Seite ab, aber fraß ihn nicht ganz auf. Dann rollte Kolobok fort bis zum Sternenhaus des Schwanes und der Schwan pickte ein Teil aus ihn raus und  im Sternhaus des Raben– pickte der Rabe ihm ein Teilchen aus, in Sternenhaus des Bären – stauchte der Bär eine Seite ein. Der Wolf im seinem Sternenhaus fraß fast die Hälfte auf und als Kolobok ins Sternenhaus des Fuchses kam, da fraß der Fuchs ihn ganz“ (Abb. 2)

Abb. 2

 Dieses Märchen ist eine bildliche Beschreibung der astronomischen Beobachtung unseren Vorfahren über die Bewegung des Mondes am Horizont, vom Vollmond bis zum Neumond. Der Vollmond nimmt seinen Anfang im Sternenhaus (Sternzeichen) Tarcha und Dschiwa von Swarogkreis (Abb. 3) und endet im Sternenhaus des Fuchses im Neumond.

 

Abb. 3

Mit Hilfe dieses Märchens bekamen die Kinder die Anfangserkenntnisse in Astronomie, ihnen zeigte man die gegebenen Sternenhäuser (die Sternbilder) und sie studierten bildlich die Sternkarte der Welt.

Um alte Erzählungen (Märchen) und ihren Sinn zu verstehen, der ihnen gegeben war, muss man auf die moderne Weltwahrnehmung verzichten und durch die Augen der Menschen, die zu den alten Zeiten lebten auf die Welt blicken. Es ist wichtig die bildliche Wahrnehmung zu haben, die unsere Vorfahren hatten.

Als Beispiel werden wir die Beschreibung der Drachen Gorynytsch aus den altertümlichen Märchen nehmen: „Die schwarze Wolke kam angeflogen und verdeckte die rote Jarilo (Sonne). Der starke Wind  ist aufgekommen und in der schwarze Wolke ist  der Drache Gorynytsch (dreiköpfige) herbei geflogen. Er zerstörte die Häuser, die wirbelte die Heuschober auf, und trug die Menschen und das Vieh in Gefangenschaft fort“ (Abb.4)

Abb.4

 

Die Gestalt des „Drachen“ – bedeutet rund und lang, wie die Schlange und „Gorynytsch“ – hoch, wie ein Berg ist. In der gegebenen Beschreibung handelt es sich um solche natürliche Erscheinungen, wie die Windhose oder Tornado. Der Drache Gorynytsch kann dreiköpfig (d.h. aus der Wolke gehen 3 Trichter raus) und neunköpfig, usw. sein.

Besonders stark verzerrt war die bildliche Gestalt von der Heldin aus der russischem Volksmärchen, die die Christen  Baba Jaga (Weib Jaga) nannten. In Wirklichkeit war es die russo-arische Gestalt von Baba Yoga (Mütterchen – Yoginja) – die Beschützerin und Hüterin der Waisenkinder und überhaupt aller Kinder. Sie wanderte über das Land auf dem feurigen himmlischen Wagen und sie sammelte in den Städten und Dörfern die Waisenkinder.

Man erkannte sie an ihren Stiefeln, die mit Gold geschmückt waren und man nannte sie Großmütterchen Yoga – Goldenes Bein.

Sie brachte die Waisenkinder in die Vorgebirgseinsiedelei, am Fuß der Iriey Berge (Altai), wo sie die Kinder mittels Feuer Ritual den alten Göttern weihte. Dazu gab es den speziellen Tempel des Stammes (Rod), der innerhalb des Berges ausgemeißelt war und daneben im Felsen gab es eine spezielle Vertiefung (Grotte), – die „Pesche Ra“ hieß. Aus ihr trat ein Steinsockel heraus, den man Spaten nannte. In eine der Vertiefung hat Baba Yoga die schlafenden Waisenkinder gelegt und in die andere trockenes Reisig, wonach sie den Spaten zurück in „Pesche Ra“ schob und dann das Reisig anzündete. Wenn der Spaten in „Pesche Ra“ eingeschoben wurde, schob ein spezieller Mechanismus eine Steinplatte auf den Vorsprung vom Spaten und trennte die Vertiefung mit dem Kind vom brennenden Reisig ab. Dieses Ritual bedeutete, dass die Waisenkinder den Alten Göttern geweiht waren und über ihr weltliches Leben niemand mehr erfahren wird. Sobald das Feuer brannte, nahmen die Priester des Stammes die Waisenkinder in die Räume des Tempels auf und zogen sie als Stammpriester und Priesterinnen groß (Abb. 5)

Baba Yoga (Mütterchen – Yoginja                          Baba Jaga (Weib Jaga)

Abb.5

 

Diese Gestalt der schönen jungen Göttin wurde in die Gestalt der alten, bösen und buckeligen Frau ausgetauscht, die die kleinen Kinder stiehlt, sie im Ofen brät und auf isst. In dem verzerrten Märchen, lebt sie in einer Hütte auf Hühnerbeinen, umgeben von einem Pfahlzaun mit Schädeln auf den Spitzen. In Wirklichkeit meinten die Slawen, dass der Schädel des gestorbenen Tieres die Weisheit und die Kraft desselben Tier bewahrt. Und wenn der Schädel auf dem Pfahle angebracht wird, so schafft man sich den Schutzkreis gegen die Widersacher aus der Kraft und Weisheit der Tiere. Das machte auch Baba Yoga. Es gibt kein Märchen, wo die Baba Jaga einen Kind oder einen Menschen geessen hatt, sie erschreckte, erprobt und lehrte nur. Und ihre Hütte stand nicht auf Hühnerbeinen, sonder in Wirklichkeit auf Rauch- und feurigen Säulen, d.h. es war ein Flugapparat (der feurige himmlische Wagen). Er hatte noch eine Besonderheit, denn er konnte sich drehen, wenn Baba Yoga sagte: “ Häuslein, Häuslein drehe dich um, zu dem Wald mit Hintern rum und zu mir von Vorne rum.“

In den Märchen erkennen wir die Beschreibungen der Technologien und der Errungenschaften der alten russo-arischen Zivilisation, zum Beispiel: die Tischlein deck Dich, der fliegende Teppich, die Tarnkappe, das Zauber -Schwert, die Zauber Spiegel, der Knäuel und der Faden, der den Weg zeigt usw.

Im Märchen über den Hellen Falken  begibt sich die Heldin – Nastenka zu dem Hellen Falken (Abb. 6) „dreiaufzehnten“ (drei auf zehn-dreizehn) Sternenhaus. Das dreizehnte Sternenhaus (Sternbild) im Swarogskreis ist Sternzeichen Finist (Abb. 3). Das heißt, sie hatte den Weg ins anderes Sonnensystem, mit neun Raumschiffen und neun mal Umsteigen, auf dem Weg neun Paare der eisernen Stiefel (die Schuhe mit der künstlichen Gravitation, für die Bewegung im Raumschiff) verbraucht und aß neun eiserne Brote (die Nahrung der Astronauten, die in der metallischen Verpackung aufbewahrt wird).

Abb. 6

 Nicht jeder Mensch ist fähig, die Alte Weisheit in der ursprünglichen Erläuterung zu verstehen, man muss sie mit Geist, Seele und Herz wahrnehmen können. Das ist gut im Märchen über das Hühnchen Rjabu bildlich dargestellt. Es legte ein goldenes Ei; Der Großvater wollte es aufschlagen und schaffte es nicht; die Großmutter daraufhin ebenso wenig; als jedoch eine Maus vorbeilief und mit den Schwanz wedelte, fiel das Ei und zerbrach (Abb. 7)

Abb. 7

 Als der Großvater und Großmutter zu trauern begannen, da sagte das Hühnchen – ich werde noch ein Ei legen, allerdings diesmal kein goldenes mehr. Hier trägt das goldene Ei in sich die Gestalt der geheimen Stammesweisheit, die die Seele betrifft und die man kurzerhand nicht nehmen kann – egal wie lange man auch schlägt. Gleichzeitig kann dieses System durch zufällige Berührung bis auf wenige Fragmente zerstört werden. Deshalb, sind für die Menschen, welche  noch nicht das Niveau erreicht haben, um das Geheime (goldenes Ei) zu verstehen, die einfachen Informationen (normales Ei) vorrangig.

Die russischen Volksmärchen sind eine vererbte Schatzkammer der geistigen Erfahrung unserer Vorfahren. Es ist ihr Wissen über die Gesetze und des Daseins in der Welten Prawi, Slawi, Jawi, Nawi und Sdrawi. Für den bewussten Menschen stellen diese Märchen unerschöpflich „Brunnen“ der Weisheit dar, der den Menschen ermöglicht bewusst den tieferen Sinn des Lebens zu erfahren, das von unseren Ahnen weiter gegeben wurde.

Durch aufmerksames Lesen und Forschung der zauberhaften Märchen zeigen sich die 9 Bereiche der Sinndeutungen auf:

 

DIE NOT

Infolge des Verstoßes fängt die Not, der Test oder eine Prüfung an. Damit die Not endet, muss jemand sich auf die Reise machen und der jenige braucht eine Rüstung oder entsprechendes Zubehör (oft magische Gegenstände). Am Ende gibt’s immer einen Erfolg im Wohle für alle.

 

DIE AUSRÜSTUNG DES HELDEN FÜR DEN WEG

Die Ausrüstung besteht aus einem Schwert oder magischen Stab, Nahrung und Schuhe – geistige Waffen, die Fähigkeiten sich mit Prana (Lebensenergie, Atemkraft) zu ernähren und Apana (entfernende Hauch, ausscheidende Energie) auszuscheiden – die kosmische Kraft. Man muss auch die Fähigkeit haben sein Körper, die Jawi Welt verlassen zu können ohne zu sterben.

 

DAS ERHALTEN DES ZAUBERMITTELS

Damit der Held sein Ziel erreichen kann, bekommt er oft magische Geschenke und Helfer zur Seite gestellt. In der Regel wird man in den Märchen von Baba Jaga beschenkt («Baba» – das Weib – sehr geachtet, «Jaga» – das Opfergabe – „Yoga“ – die Verbindung mit Höchsten Gott). Es existieren drei verschiedene Gestalten (symbolische Bildnisse) für Weib Jaga:

  1. Jaga – die Gönnerin, die Schenkende, manchmal ist es ein alter Mann (Männchen) oder ein Tier (Totem), das heißt die Hilfe der Vorfahren.
  2. Jaga – die Entführerin, diese prüft den Helden in einem Test oder bestimmte Prüfung, nach dem er eine bestimmte Erfahrung bekommt und wird besser und vollkommender.
  3. Jaga – die Kriegerin, sie bestraft den Helden für die falschen Handlungen, das heißt sie richtet ihn auf den wahrhaften Weg aus. Sie ist die Vollzieherin des Karmagesetzes und die Vertreterin der Grenzkraft  (Schwellenwächterin) von der Welt Slawi, Jawi und Nawi.

 

DAS EINWEIHUNGSRITUAL

Der Held soll dem Ritual unterzogen werden, das sich als ein Weg durch „den dichten, düsteren Wald“ erweist, das heißt der Austritt aus dem Körper in die Welt Nawi (Astralreise). An der Schwellengrenze zwischen den Welten Nawi und Jawi – die Welt der Toten, gibt es immer einen Grenzposten – eine Hütte.

 

DIE HÜTTE AUF DER HÜHNERBEINEN

Der Eingang in die Hütte liegt in der Totenwelt – Nawi. Mit Hilfe der Beschwörung kann die Hütte gedreht werden und beim betreten der Hütte wird man von Baba Jaga nach dem Grund (Ziel) des Besuches gefragt: «Bist Du auf der Suche oder bist Du auf der Flucht?». Der Held des Märchens antwortet nie sofort, sonder sagt folgendes: «Bevor Du Fragen stellst, gib mir was zu essen und zu trinken, führe mich in die Banja (Sauna) und danach kannst Du mich nach den Nachrichten fragen». Die Forderung nach dem Essen, zeigt dass der Held keine Angst von den anderen Welten und ihrer Nahrung hat und das er sich nicht fürchtet. Die Sauna ist das russische Form der Yoga, dadurch führt der Held die Kraft und Stärke aller seinen energetischen Körper vor. Wonach die Baba-Jaga den Helden des Märchens achtet und beginnt ihm zu helfen. Ein lebendige Mensch ist für Baba Jaga nicht sichtbar, sie hört ihn oder sie riecht ihn. Sie erkennt die lebendigen Menschen, weil sie riechen, lachen, gähnen und schlafen und daraus  folgen die entsprechenden Prüfungen.

 

DIE PRÜFUNG

Die Prüfung besteht in der Ausführung der Aufgabe: «Gehe dorthin – weis nicht  wohin und bringe das – weis nicht was». Der Ort wohin der Held geschickt wird, ist «das neunte Reich, der zehnte Staat», das heißt die Welt Slawi. Dieses Ort befindet sich in einem anderen Dimensionsraum und man muss jenes bringen, was unmöglich ist aus der Slawi Welt zu bringen. Man muss über alle geistigen Eigenschaften des Menschen verfügen, um es vorzuführen, dass diese Möglichkeit im Gedächtnis nur auf dem DNA- oder Gen-Niveau des höchsten Bewusstseins – der Weisheit der Vorfahren existiert.

Für den Beweis der geistigen Kraft muss der Held mit den magischen Aufgaben zurechtkommen. Meistens sind es sie drei in verschiedenen Folgeaufgaben: – in der Nacht Brot (Korn) zu säen, wachsen lassen und ernten; – in der Nacht den goldenen Palast mit einer Brücke zu bauen, ein wundervollen Garten zu pflanzen: «… sehe zu, es soll bis Morgen zur der Morgendämmerung (Morgenröte) hinter der neunte Werst (9 x 1066,8 m) auf dem Meer das goldene Reich stehen. Die jene Brücke soll mit teuerem Samt bezogen sein und neben den Geländern zur beiden Seiten sollen die wundervollen Bäume wachsen, auf den die Singvögel mit verschiedenen Stimmen singen. Wirst Du mit diese Aufgabe bis Morgen nicht fertig werden, befehle ich dich in vier Teile zuvierteln». Natürlich, kann das alles nur der Jenige vollbringen, wer die Gesetzmäßigkeiten anderen Welten kennt und sie beherrscht, das heißt, einen hochentwickelten geistigen Körper haben.

Der Beherrschung von der Macht (Kraft) von dem Helden – die mystischen Fähigkeiten des geistigen Körper – ist nicht das Ziel, es ist nur das Mittel für die Verwirklichung der Heldentat – Schlangen- oder Drachenkampf.

DER DRACHENKAMPF

In allen alten russischen Märchen wird die die Gestalt der Drache auf folgende Weise beschreiben: Der Drache konnte fliegen, seine Flügel waren wie Feuer. Der Drache wird immer in Verbindung mit Feuer dargestellt. Die sinnliche Gestalt der Drachen oder Schlange – ist die Kundalini – die geistige Kraft des Menschen, die harmonische Arbeit aller Chakrasysteme. In diesem Fall soll der Held auf dem energetischen Niveau drei Kämpfen bestehen: «Im Feuer nicht verbrennen, im Wasser nicht versinken und in dem Kampf der Sieger sein». Der Drache im Märchen droht immer mit Feuer: «Ich werde dein Reich (d.h. den Körper) mit Feuer verbrennen und deine Asche werde ich verwehen». In den russischen Volksmärchen ist der Drache (Schlange) ein Hüter der Grenzen ins himmlische Reich. Die Grenze selbst wird wie ein feuriges Fluss beschrieben, der Smorodinka (nord. Gjöll, griech. Acheron, Styx u.a.) genannt. Über diesen Fluss führt eine Brücke. Es kann nur der Jenige über die Grenze gehen, wer tatsächlich die geistige Kraft erreicht hat und in allen Welten wirken kann. Und jene Brücke kann nur dann passiert werden, wenn man den Drachen (die Schlange) getötet hat, d.h. die eigene Mängel besieg hat. Der Drache ist unsterblich und unbesiegbar für die, die nicht Geweiht sind und es kann ihn nur ein bestimmter Held zerstören. Der Drache versucht niemals den Helden mit den Waffen, den Klauen oder den Zähnen zu töten, er versucht den Helden in die Erde (d.h. in die Sünde) einzuschlagen und so ihn zu zerstören. Den Drachen kann nur dann getötet werden, wenn man ihn alle seine Köpfe abschlägt. Das bedeutet der Sieg über die eigenen Gefühle. Aber diese Köpfe haben die wunderliche Eigenschaft von neuem zu wachsen, weil die Macht der Gefühle bei ihrer Befriedigung zunimmt: «Hat dem Zauber-Ungeheuer neun Köpfe abgeschlagen aber das Zauber-Ungeheuer hat sie aufgefangen, mit dem feurigen Finger geschnipst und die Köpfe sind wieder angewachsen» (das Zauber-Ungeheuer stellt im Märchen das Vergnügen, die Lüsternheit dar, d.h. der Hauptgegner des Helden ist das Vergnügen und die Gelüste). Nur nachdem der feurige Finger (die Lüsternheit, Gelüste) abgeschlagen wird, gelingt es dem Helden alle Köpfe der Drachen (der Schlange) abzuschlagen.

DIE AHNENBELOHNUNG

In allen russo-arischen Stammesmärchen wird der Held nach dem Bestehens aller Prüfungen von den Ahnenstamm belohnt: eine schöne Frau (holde Meid), die dann seine Gattin wird. Also ist der Sinn des Märchens – die Liebe – die Harmonie zwischen männlichen und weiblichen Anfang, ein sich liebendes Paar, das ins familiäre eheliche Stammesbündnis übergeht. Und das Märchen endet immer mit der Hochzeit. Hoch-Zeit – die Himmlische Tat der Götter und die Liebe (auf russisch LEU-BO-W`= „LEU“– Leute, „BO“– Götter, „WI“– Wissende) – die Menschen, die das Göttlichen bewusst sind. Und von hier kommt es zu folgenden Ausdruck „Alle Hochzeiten werden in dem Himmel besiegelt».

Der Hauptsinn der märchenhaften Vorschriften unserer weisen Vorfahren besteht in der Stammkraft, die Beachtung der Gebote der Götter: die Reinheit des Stammes (des Geschlechts), die Reinheit der Absichten, die eheliche Treue, die Ehre und das Gewissen und so mit die Fortsetzung des Geschlechtes in der Geburt der Kinder. Damit die Götter der Stammes geboren werden und auf der Erde leben können.

Diese Wunder-Märchen erklären und vorbereiten die Kinder der russo-arischen Stämme zur Errungenschaft der vollen Vollkommenheit, durch das Erreichen von geistige, seelische und körperliche Dreieinheit (Dreifaltigkeit) in der Harmonie mit der wedische Weltwahrnehmung.

So werden die Stammesweden – Stammeswissen aller Völker auf der Midgard-Erde, durch die Märchen von den Vorfahren an die Nachkommen weiter geben. Und mit Hilfe der Märchen ist das Erbe, die wedische Weisheit, die Bräuche, die Tradition und die Kultur der Völker erhalten geblieben.

Quelle: http://www.rodovyeistoki.ru/kapitel-webseite-auf-deutsch-erbe-der-urahnen/novaya-stranica-7/

Gruß an die Märchenhaften

TA KI

Der Samstagsfilm: Der Räuber Hotzenplotz


Eines Tages raubt der mit einer Pfefferpistole und sieben Messern bewaffnete Räuber Hotzenplotz die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Die von Kasperl und seinem besten Freund Seppel selbst erfundene Kaffeemühle spielt beim Kurbeln Großmutters Lieblingslied „Alles neu macht der Mai“. Da der ob des Raubes herbeigerufene Wachtmeister Dimpfelmoser nicht in der Lage ist, den Räuber zu fassen, entschließen sich Kasperl und Seppel, selbst den Räuber aufzuspüren. Ihr Versuch schlägt fehl, und sie geraten nun selbst in die Gefangenschaft von Hotzenplotz. Die beiden Freunde hatten aber zuvor ihre Hüte getauscht, weshalb der Räuber glaubt, dass Kasperl der Seppel sei und umgekehrt. Er verkauft den vermeintlichen Seppel (also Kasperl) an den großen und bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann, der ihn zum Kartoffelschälen verwendet (denn der Zauberer kann alles zaubern, nur nicht die Schalen von den Kartoffeln entfernen), während Seppel, als Kasperl verkleidet, für den Räuber in der Höhle arbeiten muss. Doch Zwackelmann findet einige Zeit später heraus, dass Kasperl und Seppel ihre Identitäten vertauscht hatten, welches Hotzenplotz energisch abstreitet. Es kommt schließlich zu einem kleinen Handgemenge, das der Zauberer für sich entscheiden kann. Zwackelmann verwandelt den Räuber Hotzenplotz infolgedessen in einen Gimpel und sperrt ihn in einen Käfig.

Als Zwackelmann eines Tages einen Kollegen in Buxtehude besucht, kommt Kasperl hinter das Geheimnis des bösen Zauberers. Beim Untersuchen des Schlosses findet er einen Pfuhl, in dem die Fee Amaryllis gefangen gehalten wird. Sie gibt ihm den entscheidenden Tipp zum Verlassen des Schlosses. Der Zauberer hatte einst die gute Fee Amaryllis in eine Unke verwandelt. Doch Kasperl gelingt es, ihr rechtzeitig das Feenkraut zu bringen, das auf der geheimnisvollen Hohen Heide unter einer alten Wetterfichte wächst. Damit gelingt es, den Zauber aufzuheben und die Unke wieder in die Fee Amaryllis zurückzuverwandeln. Aus Schreck fällt der böse Zauberer in den Unkenpfuhl und stirbt. Nach dem Verlassen des Schlosses lässt die Fee dieses vollständig einstürzen. Nun sind beide Freunde ebenfalls befreit.

Die Fee schenkt Kasperl und Seppel zum Dank einen Wunschring, mit dem sie drei Wünsche frei haben. Auf dem Weg nach Hause wünschen sie sich Großmutters Kaffeemühle herbei, beschaffen eine neue Zipfelmütze für Kasperl und verwandeln schließlich im Büro des Wachtmeisters den Räuber Hotzenplotz, den sie als Gimpel in seinem Käfig aus der Räuberhöhle mitgenommen haben, wieder in einen Menschen zurück.

Gruß an die Märchenfreunde

TA KI

Seidhr und Völva


Kurt Oertel

Der Begriff Seidhr und die damit vorgeblich zusammenhängenden Techniken erfreuen sich im modernen Ásatrú zunehmender Beliebtheit. Allerdings scheint der Begriff anders aufgefasst zu werden, als die originalen Quellen ihn meinen. Dieses Problem versucht der folgende Artikel von Kurt Oertel aus quellenkundlicher Sicht zu lösen.

Der Begriff Seidhr (oder richtig: seiðr) und die damit angeblich zusammenhängenden Techniken erfreuen sich im modernen Ásatrú zunehmender Faszination und Beliebtheit, wobei der Begriff heute aber ganz anders verstanden zu werden scheint, als es die Quellenlage hergibt. Es scheint da einige Missverständnisse zu geben, die ich hier einmal richtigstellen möchte. Natürlich kann man den Begriff heute neu definieren und mit neuen Inhalten füllen. Man muss sich dann aber auch darüber klar sein, dass es sich um eine gänzliche Neudefinition handelt, die nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Begriff zu tun hat und das auch immer deutlich machen, um Missverständnisse bei Quellenkundlern zu vermeiden.

Es hat sich offenbar die Meinung herausgebildet, Seidhr sei eine spezielle Form magischer Praxis, die irgendwie „schamanisch“ geprägt sei, darüber hinaus etwas speziell weibliches an sich habe und ganz eng mit der Praxis der Seherinnen (Völven oder Völvas) zusammenhänge. Das wird dann oft von anderen Praktiken abgegrenzt, wie z.B. der Runenmagie oder dem „Galdr“ (wörtlich: Zaubergesang), die eher in „ritualmagischer“ Richtung aufgefasst werden, wo es also auf Beherrschung genauer Formeln oder strenger Ritualvorgaben ankäme, während Seidhr eher „aus dem Bauch“ heraus funktioniere und vor allem mit Geistreisen und veränderten Bewusstseinszuständen zu tun habe.

Diese Meinung ist schlicht und einfach falsch. Das Wort „seiðr“ ist im Altnordischen ganz eindeutig der völlig umfassende Oberbegriff für Magie insgesamt und fasst genau all jene (oft sehr unterschiedlichen) Praktiken zusammen, die wir auch heute unter dem Begriff „Magie“ verstehen. Es bezeichnet keine spezielle magische Unterabteilung, Sonderdisziplin oder Einzeltechnik. An dieser umfassenden Bedeutung des Wortes gibt es keinen Zweifel und darüber herrscht auch sprachwissenschaftlich völlige Einigkeit.

Gerade die schamanischen Techniken der vielfach bezeugten Seherinnen werden in den Quellen aber durchweg mit dem ganz anderen Begriff „spá“ bezeichnet, der als in scharfem Gegensatz zu „seiðr“ stehend erscheint.

Die Frage, wie es zu diesem populären Missverständnis kommen konnte, scheint dabei relativ einfach beantwortbar zu sein. Sie beruht vor allem auf der immer wieder zitierten Stelle von Snorri aus der Ynglinga Saga, Kap. 7, in der er seiner Meinung über Magie Ausdruck gibt:

„Odin praktizierte und beherrschte die Kunst, die am mächtigsten ist, und Magie („seiðr“) genannt wird, und dadurch kannte er das Schicksal der Menschen und die Gefahren der Zukunft und ebenso, wie man einem Menschen den Tod oder Unglück oder eine Krankheit bringt und wie man die Menschen um Kraft und Verstand bringt und sie jemand anderem gibt. Aber mit dieser Weisheit war so große Schande verbunden, dass die Männer meinten, sie könnten sie nicht ohne Schande ausüben und darum brachte man diese Kunst den Priesterinnen bei.“

In Kap. 4 erwähnt er weiterhin, dass es Freyja gewesen sei, die als Lehrerin der Magie diese erst zu den Asen gebracht hätte. Hier haben wir also in beiden Aussagen einen weiblichen Bezug, der ein weiterer Grund für das Missverständnis gewesen sein dürfte. Bereits aus Snorris Zitat geht aber hervor, dass hier eine große Palette von Magie gemeint ist, die hier (und das ist sehr bezeichnend) auch noch ausschließlich als Schadenszauber verstanden wird, nicht aber auf irgendwelche speziellen Techniken zu reduzieren ist. Wenn es überhaupt stimmt, dass Magie unter Männern verachtet war, dann aus dem Grund, weil der Einsatz von Magie als „Waffe“ gegen Menschen – und vor allem eben als Schadenszauber – ganz klar dem germanischen Ideal der Kriegerehre widersprochen hat, nicht aber etwa deshalb, weil sie mit irgendwelchen speziell weiblichen Mysterien verbunden gewesen wäre, wie es heute manchmal gerne hineingelesen zu werden scheint.

Wer die Ynglinga Saga kennt, wird sich angesichts all der dort von Snorri erzählten Seltsamkeiten sowieso wundern. Die ganze mythische Vorgeschichte ist hier eine solch krause Mischung aus mythologischer Überlieferung (die allerdings einige interessante Details enthält), vielleicht nicht richtig Verstandenem und von Snorri Zusammengeführtem, dass es kaum glaubhaft scheint, dass derselbe Autor auch Gylfaginning verfasst haben soll, wo inhaltlich krass Gegensätzliches behauptet wird. Hier werden die nordischen Götter nämlich als frühe menschliche Könige Schwedens geschildert, die sich mit List und Magie einen solchen Ruf erarbeitet hätten, dass sie als Götter verehrt worden seien. Natürlich könnte man argumentieren, dass Snorri hier rein schwedische Traditionen wiedergibt, die in dem Fall aber ganz erheblich von norwegisch-isländischen Mythen abgewichen sein müssten (was allerdings plausibel sein könnte). Als „Quelle“ ist den Angaben deshalb mit einigem Misstrauen zu begegnen, und zudem macht gerade das obige Zitat (erst recht im Zusammenhang) seine christliche Ablehnung dieser Praktiken klar. Unklar bleibt auch, wer „die Priesterinnen“ sein sollen, für die es in der Form keinen einzigen anderen Beleg gibt. Natürlich gab es Gyðjas, also weibliche Goden, aber es gibt keine einzige Stelle, in der Goden oder Gyðjas mit Seidhr oder Völventum in Verbindung gebracht werden. Vor allem steht die Angabe, dass die Fähigkeit der Zukunftsschau und Weissagung (Spá) ebenfalls dem Bereich der Magie (Seidhr) zuzurechnen sei, im Widerspruch zur Gesamtheit der übrigen Quellenlage. Leider findet sich nun auch in Simeks (sonst sehr empfehlenswertem) „Lexikon der germanischen Mythologie“ unter dem Eintrag „Seherinnen“ der folgenschwere Satz:

„Die in den Sagas beschriebenen Praktiken der Seherinnen werden als Seiðr „Zauber“ bezeichnet und unterscheiden sich nur unwesentlich von solchen des andernorts erwähnten Schadenszaubers“. (S. 347 der 1. Aufl.)

Diese Behauptung ist eine wörtliche Übernahme der oben zitierten Meinung Snorris, und sie ist mehr als problematisch. Wenn man sich nämlich einmal die Mühe macht, alle Stellen genau im Original zu prüfen, in denen von Seherinnen (Völven und „spákonur“) und Zauberinnen/Hexen (seiðkonur) die Rede ist, gerät diese Behauptung erheblich ins Wanken. Dazu später mehr. Zunächst weiter zum Thema Seidhr (Hexerei, Zauberei):

Gerade die Quellen machen klar, dass Seidhr keine rein weibliche Domäne gewesen sein dürfte, denn das Wort „seiðmaðr“ (Zaubermann, also Zauberer oder Magier) ist genauso belegt wie das weibliche „seiðkona“ (Zauberfrau). Richtig aber ist, dass sich der Begriff tatsächlich durchweg auf ausschließlich schadenszauberische Tätigkeiten beschränkt, die sich als psychischer Zwang auf andere Menschen äußert, der zu geistiger Verwirrung und sogar Tod führen kann. Wenn es dagegen z.B. um Beruhigung eines Unwetters, Schutz für einen Krieger oder ähnlich Positives ging, findet sich häufiger der Begriff „galdr“. Die Frage, ob es nun seinerseits eine solche strenge Trennung zwischen Seidhr und Galdr den damaligen Realitäten entsprach, sollte man zwar nicht zu voreilig heutigen Theoretisierungsversuchen unterwerfen, dennoch werden in den Quellen Seidhr-Leute fast durchgängig als boshaft und verabscheuungswürdig dargestellt. Nie wird der Begriff für Heilzauber oder andere positive Techniken benutzt. Als einzige Ausnahme könnte der Fall der Þuríðr sundafyllir stehen, die ihren Beinamen „Sundfüllerin“ deshalb trug, weil sie in Zeiten des Hungers Seidhr anwandte, so dass eine Meerenge im Hálogaland von Fischen nur so wimmelte. Aber auch hier finden wir das in anderen Belegen nachweisbare Muster psychischer Manipulation (auch wenn es hier nicht auf Menschen angewandt wird).

Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass die negative Darstellung von Seidhr bereits einen christlichen Einfluss widerspiegeln könnte. Aber Snorris spätere Einschätzung und Ablehnung finden sich auch schon in heidnischen Quellen, so in Völuspá 22, wo von der Zauberin Heiðr gesagt wird: „Sie praktizierte Seidhr, wo immer sie konnte, praktizierte Seidhr und verstörte die Sinne. Stets war sie die Wonne übler Weiber.“ Auch hier also wieder das Merkmal psychischer Manipulation als Merkmal von Seidhr und die eindeutige Aussage, dass der Dichter der Völuspá Seidhr offenbar als negativ und sogar verabscheuungswürdig empfand. Da die Entstehung des Gedichtes auf ca. 1000 n.d.Z. geschätzt wird und der Dichter hier alles Heidnische positiv darstellt, darf man daraus durchaus ableiten, dass sein Verständnis des Begriffes dem in der heidnischen Gesellschaft entsprochen haben dürfte. In dem Preislied Sigurðardrápa des Skalden Kormákr Ögmundarson (ca. 960 n.d.Z.) wird erwähnt, dass „seið Yggr til Rindar“ (Yggr Seidhr gegen Rindr anwandte). Da wir wissen, dass Yggr (Odin) Rindr in einen vorübergehenden Wahnsinn trieb, um sie zu vergewaltigen und Vali zu zeugen, dürfte auch diese Erwähnung nicht unbedingt als leuchtendes Vorbild gemeint sein. Beide Belege sprechen also gegen die Meinung, Seidhr sei eine in heidnischem Kontext positive Bezeichnung gewesen, die erst in den späteren Sagas durch christlichen Einfluss in Verruf geriet.

Die Stellung dieser Seidhr-Kundigen in der Gesellschaft dürfte dabei genauso ambivalent gewesen sein, wie zu allen Zeiten und in vielen Kulturen: Man bediente sich ihrer gerne, wenn man sie brauchte oder sie einem nützlich sein konnten. Andererseits waren sie auf Grund ihres Rufes auch gefürchtet und dadurch auch die naheliegendsten Sündenböcke, wenn einem das Vieh wegstarb, und sie wurden bei entsprechendem Verdacht genauso verfolgt und getötet (vorzugsweise verbrannt), wie die angeblichen Hexen der Neuzeit (nur das zutiefst christliche Mittelalter war weitgehend frei von „Hexenverfolgungen“). Dennoch ist das Gesamtbild eindeutig: Seidhr war nicht Teil irgendeiner religiösen Praxis, sondern zauberisches und im allgemeinen böswilliges Treiben gesellschaftlicher Außenseiter.

Bevor wir uns jetzt dem Thema „Völventum“ zuwenden, muss noch einmal deutlich gemacht werden, dass die „Quellen“ (die auch ich bisher so bezeichnet habe) zum Thema Seidhr und Völventum diesen Ausdruck eigentlich nicht verdienen, denn die spärlichen Hinweise finden sich fast ausschließlich in den Sagas. Das soll nicht heißen, dass die gänzlich ohne Quellenwert sind, aber man darf nie vergessen, dass es sich dabei eben nicht um historische Aufzeichnungen, sondern um „Romane“, um pure Unterhaltungsliteratur im besten heutigen Sinne handelt. So wertvoll und verlässlich sie in der Beschreibung gesellschaftlicher Zustände und Gegebenheiten auch sein mögen, so sind das Thema „heidnische Religionsausübung“ und erst recht die Details zu den uns hier interessierenden Themen stets hoch verdächtig, in vielen Einzelheiten der Fabulierlust der Dichter zu entspringen. Denn die Sagas sind ja erst sehr spät entstanden, als heidnische Praxis nur noch eine ferne Erinnerung war. Aber auch da muss man natürlich nach Einzelfall differenzieren.

Die glaubhaft klingenden Berichte sind an Zahl und Umfang leider sehr dünn. Die ausführlichste Quelle ist der Auftritt einer Völva namens Thorbjörg in der grönländischen Saga von Erich dem Roten (Eiríks saga rauða, Kap. 4), die ihrer Wichtigkeit wegen hier im Wortlaut vorgestellt werden soll. Die nachfolgende Übersetzung von Thomas Grothe wurde von mir noch einmal genau mit dem Originaltext verglichen und die entscheidenden Begriffe in Klammern im Original aufgeführt:

„Zu dieser Zeit herrschte eine große Hungersnot auf Grönland; die Männer, die zur Jagd und auf Fischfang gegangen waren, hatten wenig Beute gemacht, einige kamen sogar gar nicht zurück. Die Frau war dort in der Gegend, die Þorbjörg hieß; sie war eine Seherin [spákona] und wurde kleine Seherin [lítil-völva] genannt. Sie hatte neun Schwestern gehabt, die allesamt auch Seherinnen [spákonur] waren, aber nur sie allein lebte noch. Im Winter war es Þorbjörgs Gewohnheit, sich zu Festgelagen zu begeben, zu denen sie von den Menschen eingeladen wurde, die neugierig darauf waren, wie ihre Versorgung oder die Ernte sein würden. Und weil Þorkell der größte Bauer war, dachte man, man könne an ihm erkennen, wann diese Missernte, die andauerte, aufhören würde. Þorkell lud die Zauberin zu sich ein. Sie wird dort gut empfangen, wie es Gewohnheit war, wie eine Frau empfangen werden sollte. Für sie war ein Hochsitz errichtet worden, auf dem sich ein Kissen befand, das mit Hühnerdaunen gefüttert werden sollte. Und als sie und der Mann, der ihr entgegen geschickt worden war, am Abend eintrafen, war sie dergestalt gekleidet, dass sie einen blauen Mantel trug, der bis zum Rockschoß zur Gänze mit Steinen gesäumt war; sie trug Glasperlen am Hals und auf dem Kopf eine schwarze Lammfellhaube, die innen mit weißem Katzenfell gefüttert war; auch hatte sie einen Stab, auf dem sich ein Knauf befand. Er war aus Messing gemacht und auf dem Knauf befand sich ein Stein. Sie trug einen Zundergürtel, an dem eine große Ledertasche befestigt war, in der sie ihre Zaubergegenstände [töfr] aufbewahrte, die sie zur Zauberei [fróðleiks] benötigte. Sie trug zottelige Kalbfellschuhe mit langen Schnürriemen, an deren Enden sich große Zinnknöpfe befanden. An den Händen trug sie Handschuhe aus Katzenfell, die innen weiß waren. Und als sie eintrat, dachten alle Menschen, sie sollten ihr angemessene Begrüßungen gewähren. Sie nahm diese entgegen, je nachdem wie die Männer ihr nach dem Sinn waren. Der Bauer Þorkell nahm sie bei der Hand und führte sie zu dem Sitz, der ihretwegen errichtet worden war. Þorkell bat sie, einen Blick auf Leute und Vieh zu werfen und ebenso auf die Wohnstätte. Sie sagte wenig über alles. Am Abend wurde Tische aufgestellt, und es ist davon zu berichten, was für die Seherin zubereitet wurde: ihr wurden Ziegenmilchgrütze und Herzen von allen Tiere kredenzt, die dort vorhanden waren. Sie hatte einen Messinglöffel und ein Messer mit einem Griff aus Walrosszahn, eingefasst mit zwei Kupferringen und an der Spitze abgebrochen. Und als die Tische abgeräumt worden waren, trat der Bauer Þorkell vor Þorbjörg und fragt, wie angenehm ihr die Wohnstätten oder die Art und Weise der Männer erschienen, und wie schnell er Gewissheit darüber bekommen würde, wonach er sie gefragt hat und wonach es den Männern am meisten zu wissen verlangt. Sie sagte, sie werde es nicht vor dem Morgen kundtun, nachdem sie zuerst eine Nacht geschlafen hat. Und Tags darauf, am Ende des Tages, wurde ihr diese Vorbereitung erwiesen, derer sie bedurfte, um ihre Zauberei auszuüben [fremja seiðr]. Sie bat auch darum, solche Frauen herbeizuholen, die das Gedicht beherrschen, das Varðlokur heißt, und das für den Zauber [seiðsins] nötig war. Aber es fand sich keine einzige Frau. Dann wurde die Suche auf das ganze Gehöft ausgedehnt. Da sagt Guðríðr: ‚Ich bin weder zauberkundig [fjölkunnig] noch eine Seherin [vísindakona], aber doch lehrte mich Halldís, meine Ziehmutter, auf Island das Gedicht, das sie Varðlokur nannte. Þorkell sagt: “Dann besitzt du hilfreiches Wissen.‘ Sie sagt: ‚Es verhält sich aber so, dass ich nicht vorhabe, Beistand zu gewähren, da ich eine Christin bin.‘ Þorbjörg sagt: ‚Es ist doch möglich, dass du den Menschen hier helfen könntest und dadurch keine schlechtere Frau als zuvor würdest; und Þorkell gegenüber werde ich abwägen, die Unterstützung zu erhalten, die ich brauche.‘ Þorkell bedrängt nun Guðríðr solange, bis sie sich dazu bereiterklärt, das zu tun, was er wollte. Dann zogen Frauen einen Kreis um den Hochsitz, auf dem Þorbjörg saß. Guðríðr sagte dann das Gedicht so schön und gut auf, dass alle dachten, das Gedicht noch nie mit schönerer Stimme gehört zu haben, als jener hier. Die Spá-Frau dankte ihr für das Gedicht und sagte, viele Geister, ‚die uns vorher meiden und keine Untertänigkeit erweisen wollten‘, haben sie nun aufgesucht und ihnen schien es schön zu hören, dass das Gedicht so ausgezeichnet vorgetragen worden war.‘ Aber nun sind mir viele Angelegenheiten offensichtlich, die mir und manchen anderen zuvor verborgen waren. Und ich kann dir, Þorkell, sagen, dass diese Missernte nicht länger als den Winter über dauern und sich der Ertrag im Frühjahr verbessern wird.'“

Auch hier hat man Skepsis bei Details angemeldet und Fabulierlust des Dichters vermutet, aber dafür gibt es kaum plausible Argumente. Nichts an dem Bericht wirkt grell, übertrieben oder gar phantastisch, sondern er ist von nüchterner Genauigkeit und verzeichnet sogar solche Nebensächlichkeiten wie die abgebrochene Spitze ihres Messers. Weitere vernünftig klingende Berichte (wie z.B. in der Vatnsdœla saga) können in Details zwar nicht mit dem Auftritt der Thorbjörg mithalten, bestätigen ihn aber in Details.

Nun taucht allerdings auch in der Thorbjörg-Episode der Begriff „fremja seiðr“ (Seidhr betreiben) auf, was die Argumentation dieses Artikels angreifbar erscheinen lassen mag. Das sagt zunächst aber einmal nicht mehr aus, als dass bei Spá auch der zusätzliche Einsatz von Seidhr möglich war. Und in diesem Sinne hat auch Kveldulf Gundarsson das so zu erklären versucht, dass der Begriff hier gezielt deshalb gebraucht wird, weil Thorbjörg ein spezielles Gedicht benötigt, um externe Geistwesen zu befriedigen, die sich versammelt hatten, um Thorbjörg Wissen zu vermitteln, was er als speziellen Sonderfall einschätzt.

Ich neige zu einer anderen Erklärung: Der Kontakt zu Hilfsgeistern, der ja kennzeichnend für schamanische Trancetechniken ist, dürfte im Gegenteil gerade für Spá kennzeichnend gewesen sein, wohingegen Seidhr als Magie/Zauberei auf ganz anderen Techniken beruhte. Die germanische Magie funktionierte anders, als die orientalische, die so großen Einfluss auf das neuere magische Weltbild Europas genommen hat und Pate bei dem ritualmagischen Magieverständnis stand, das so typisch für die okkult-hermetischen Strömungen des 18. und 19. Jahrhunderts war und wie es praktisch als Konzentrat von einer Figur wie Crowley verkörpert wird. Während letztere häufig Geister, Dämonen oder andere übernatürliche Wesenheiten in den Dienst des Magiers zu zwingen versucht, geht die alte europäische Magie von einer Automatik der Kräfte aus, die die Welt bewegen. Hier ging es um rein handwerkliche Praktiken, mit denen die unsichtbaren Mechanismen beeinflusst werden sollten. Götter oder andere Wesenheiten spielten dabei keine Rolle, diese Magie basierte viel mehr auf quasi naturgesetzlicher Empirik. Sie war äußerst pragmatisch ausgerichtet, hatte also ausschließlich das Resultat vor Augen. Heutige Ansichten von Magie als Weg zu persönlicher Weiterentwicklung oder Welterkenntnis mögen ja gerne ihre Berechtigung haben, mit der germanischen Auffassung von Magie/Seidhr aber haben sie nichts zu tun.

Wenn Thorbjörgs Spá also mit Seidhr in Erwähnung gebracht wird (und das nur in einem einzigen beiläufigen Nebensatz), wird das möglicherweise überschätzt. Zwar sollte man das heute nicht besser wissen wollen, als damalige Zeitgenossen, dennoch sollte man bedenken, dass die grönländische Kolonie damals schon lange christianisiert war und der Bericht darüber noch viel später niedergeschrieben wurde.

Insgesamt lassen die Quellen nämlich vielmehr nur den Schluss zu, dass entgegen Snorris (und Simeks) oben zitierter Behauptung Spá und Völventum gerade eben nichts mit Magie und Zauberei (also Seidhr) zu tun hatten. Im Gegenteil. Die beiden Bereiche scheinen sich sogar gegenseitig ausgeschlossen zu haben. Die nun folgenden Indizien dafür springen in den Quellen geradezu ins Auge.

Alle auftretenden Seherinnen werden entweder als Völva (wörtlich: Stabträgerin) oder aber als spákona (Seherin) bezeichnet, nie aber als seiðkona (also Zauberin). An keiner ernst zu nehmenden Stelle macht eine Völva irgendetwas anderes, als in die Zukunft zu sehen. Nirgendwo wird erwähnt, dass sie weitere Fähigkeiten besitzt, die etwas mit Seidhr zu tun hätten. Umgekehrt üben Personen, die als Seidhr Ausübende geschildert werden, nie die Funktion einer Seherin oder eines Sehers aus, und es wird auch nie von ihnen gesagt, dass sie die Fähigkeiten dazu hätten. Das wird auch durch die Wortwahl in der Thorbjörg-Episode gestützt. Dort antwortet Guðríðr auf die Frage nach Kenntnis des Gedichtes ja bezeichnenderweise, dass sie selbst „WEDER zauberkundig, NOCH eine Seherin sei“, woraus ebenfalls klar wird, dass Seidhr (also Zauberei und Magie) und Spá (Völventum) zwei völlig unterschiedliche Bereiche waren, die sich gegenseitig ausschlossen. Dieses Gesamtbild ist sehr eindeutig, auch wenn es in den sehr späten Sagas aus dem 14. Jahrhundert zwei einzelne „Ausrutscher“ gibt (Örvar-Odds saga and Hrólfs saga kraka), wo gesagt wird, eine Frau sei „Völva UND Seiðkona“. Aber bezeichnenderweise wird ja selbst hier noch genau unterschieden. Wäre die Bedeutung beider Begriffe deckungsgleich (wie es sich heute eingebürgert hat), wäre die getrennte Bezeichnung hier ja gar nicht nötig. Zudem sind es nur diese späteren und zu fantastischer Ausschmückung neigenden Sagas, die Seherinnen zusätzlich als „seiðkonur“ bezeichnen, so dass wir hier eine nachheidnische Übergangsstufe erkennen, die als Endpunkt in jene grelle Verzerrung mündete, wie sie das folgende Zitat aus der Thidreks Saga darstellt:

„Hierauf sammelte sich um König Hertnit ein großes Heer. Und seine Frau Ostacia ging hinaus und rief ihre Götter an, das heißt, sie ging hin zu beschwören, so wie es in der Vorzeit geschah, dass zauberkundige Frauen, die wir Völven nennen, zu beschwören pflegten. Und so weit trieb sie es in der Zauberkunst und Beschwörung, dass sie allerlei Tiere, Löwen, Bären und große fliegende Drachen beschwor. Die zähmte sie alle, bis dass sie ihr gehorchten und sie gegen ihre Feinde hetzen mochte. Und es wird gesagt […], dass ihr Heer dem bösen Feinde selber gleich war und sie selber erschien wie ein fliegender Drache.“

Hier haben wir also die für christliche Zeit typische Dämonisierung, wo die Seherin alter Zeiten mit der Hexe und Zauberin zu einer literarischen Standardfigur zusammengeflossen war, die offenbar mit dem Teufel verbündet ist und als Allround-Magierin daherkommt. Leider sind auch Snorris Erwähnungen in seinen pseudo-historischen Werken von dieser Sorte, wie sein obiges Zitat schon befürchten ließ, das von Unverständnis und christlicher Ablehnung geprägt ist. Und leider haben auch heutige „Hexen“ dieses rein christliche und undifferenzierte Bild übernommen und es lediglich mit positivem Selbstverständnis versehen.

Aus den Quellen geht ebenfalls hervor, dass Seherinnen im Gegensatz zu Seidhr-Leuten geachtete Mitglieder der Gemeinschaft waren und ihre Tätigkeit als „ehrbares Handwerk“ eben im Dienst und zum Nutzen dieser Gemeinschaft betrachtet wurde. Dieser Eindruck aus der Thorbjörg-Episode wird auch aus anderen Quellen deutlich, so in Nornagests þáttr, wo berichtet wird:

„Völven, die man auch als Seherinnen [spákonur] bezeichnete, zogen durch das Land und sagten die Schicksale [ørlög] der Menschen voraus, weshalb viele Männer sie auf ihre Gehöfte einluden, Feste für sie ausrichteten und sie zum Abschied reich beschenkten.“ (Flateyjarbók I, Ólafs saga Tryggvasonar).

In mythologischen Belegen steht das Wissen um die Zukunft mit Frigg und Gefion in Verbindung (Lokasenna, Gylfaginning), von denen gesagt wird, sie würden alle Schicksale kennen, die aber gerade keine Verbindung zu hexerischen Seidhr-Künsten à la Freyja aufweisen. Und wenn mythologische Details als weitere Indizien dienen dürfen, sollte man beachten, dass der Seidhr-kundige Odin entgegen Snorris Behauptung gerade nicht mit der Spá-Kunst in Zusammenhang gebracht wurde. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass er in der Unterwelt eine Seherin aufwecken musste, um Details über Baldrs Schicksal zu erfahren und dass er auch in Völuspá der Dienste einer Völva bedarf. Auch die darüber hinaus in der Edda auftretenden Seherinnen (Baldrs Träume, Hyndlalied) haben keinerlei Bezug zur Magie, der Begriff „Seiðr“ wird in Verbindung mit ihnen sorgfältig vermieden (mit Ausnahme der undurchsichtigen Heiðr in Völ. 22). Sie sehen in die Zukunft, sonst nichts.

Ganz im Gegensatz dazu steht die Beschreibung der Seidhr-Kundigen, die argwöhnisch als gesellschaftliche Außenseiter betrachtet wurden und deren Tätigkeit durchweg als Schadenszauberei dargestellt wird, die teilweise auch noch egoistischen Zielen diente. Trotz der besagten wenigen „Ausrutscher“ aus schon christlicher Sagazeit ist das Gesamtbild also eindeutig, dass es auch schon in heidnischer Zeit einen bedeutsamen Unterschied zwischen der positiv empfundenen Spá-Kunst und der negativ betrachteten Seidhr-Praxis gab. Und es gibt einen weiteren eddischen Beleg, der sehr aussagekräftig ist, und der die strikte Trennung der Bereiche endgültig belegt:

„Alle Seherinnen [völur] stammen von Viðólfr ab, alle Zauberer [vitkar] von Vilmeiðr, und alle Seidhr-Kundigen [seiðberendr] von Svarthöfði“ (Hyndlalied 33).

Hier werden also sogar ganz unterschiedliche Genealogien mit jeweils eigenen Urahnen postuliert, was bei der damaligen Bedeutungsfülle von Abstammungslinien ein deutliches Indiz für das zeitgeschichtliche Verständnis der Unvereinbarkeit (oder zumindest der strikten Trennung) dieser drei Bereiche war, die den Begriffen Spá, Galdr und Seidhr entsprochen haben dürften. Wie die Unterscheidung zwischen Seidhr und Galdr ausgesehen und ob sie lediglich in Schadens- und Gutzauberei oder in weiteren Details gelegen hat, kann und soll hier nicht erörtert werden. Ihre Trennung von Spá aber ist offensichtlich.

Beide Begriffe haben übrigens bis ins heutige Isländische überlebt, und auch heute noch steht „spá“ für Wahrsagung, Prophezeiung und „seiðr“ für Hexerei, Zauberei. Das ist angesichts der häufigen Bedeutungswandel von Begriffsinhalten für sich genommen zwar kein Beweis, im Fall der extrem konservativen isländischen Sprache aber immerhin ein weiteres und gewichtiges Indiz.

Soweit die Quellenlage, die insgesamt sehr eindeutig ist. Natürlich kann man nicht kategorisch ausschließen, dass eine Völva auch in magischen Künsten bewandert war. Genauso wenig kann man ausschließen, dass die Grenze zwischen Völventum, Seidhr und Galdr vielleicht doch nicht so streng war, wie die Quellen diesen Eindruck vermitteln. Aber darum ging es ja ursprünglich auch gar nicht, sondern nur um das heutige Missverständnis, Seidhr sei ein vor allem oder gar ausschließlich mit dem Völventum zusammenhängendes magisches Spezialgebiet, das als Sonderform im Gegensatz zu anderen Formen der Magie stehe. Und das ist so eben in keiner Weise richtig.

Wie eingangs erwähnt, kann man das im deutschsprachigen Ásatrú gerne anders definieren, und das ist ja auch bereits in einem kaum mehr umkehrbaren Maß erfolgt. Das aber beruht vor allem darauf, dass der von Diana L. Paxson neu geschaffene Begriff „oracular seidh“ hierzulande durch geflissentliche Ignoranz des entscheidenden Adjektivs in seiner Bedeutung verfälscht wurde, denn dessen Betonung liegt klar auf dem ersten, nicht auf dem zweiten Wort. Und insofern will sich dieser Artikel auch weder als Haarspalterei noch gar als Polemik gegen heutige Seidhr-Praktizierende verstanden wissen. Man muss sich dabei hierzulande nur im Klaren darüber bleiben, dass ein solches Verständnis in völligem Gegensatz zu den Quellen steht.
Quod erat demonstrandum.

Quelle: http://www.eldaring.de/pages/artikel/seidhr/seidhr-und-voelven.php

Gruß an die Sagen

TA KI

Vom Zauber der Pflanzen und Kräuter: Löwenzahn


„Vom Zauber der Pflanzen und Kräuter“ ist eine Rubrik, welche sich unserer Natur widmet und die darin verborgenen Schätze. Hinter manchem vermeintlichen Unkraut verbirgt sich eine wirkungsvolle Heilpflanze, deren Bedeutung wir vielleicht längst vergessen haben. Silvia Cristini geht dem auf den Grund und lässt bei 2012Spirit eine Sammlung jener Schätze entstehen.

Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist viel mehr als nur eine Pusteblume. Löwenzahn ist auch vielmehr als ein lästiges Unkraut, welches an den unmöglichsten Stellen wie von selbst in wundersamer Weise gedeiht. Eine Pflanze, die sich durch die Flugsamen prächtig im Land verteilt und dort wieder eine ganze Saison verweilt, bis vielleicht ein Kind in voller Freude, die nächste Verbreitung auslöst. Löwenzahn ist ein Geschenk. Und wie es mit Geschenken ist, man kann es wohlwollend annehmen oder auch dankend ablehnen.

Ich habe mich für ersteres entschieden und mit mir ganz viele andere Menschen. Ich stellte mir die eine Frage: wieso wird der Löwenzahn so verkannt? Wieso wird seine Kraft nicht genutzt? Wieso pflückt man nicht, was direkt vor der Haustür wächst und geht stattdessen lieber in den nächsten Supermarkt und kauft sich Gemüse aus anderen Ländereien, was mit sich bringt, dass das angeblich so frische Gemüse in der Verkaufsauslage bereits einiges an Vitaminen und Mineralstoffen aufgrund der langen Reisezeit eingebüsst hat. Die Natur bietet uns so Vieles – und dies kostenlos. Doch wir machen uns selten die Mühe, uns damit zu befassen. Wieso dies wohl so ist? Haben wir keine Zeit dafür? Sind wir zu fest abgelenkt? Oder ist dies gar so gewollt, dass die Wirtschaft am Laufen bleibt?

Natürliches Aufbaubiotikum Löwenzahn

Von der Schulzeit ist mir nicht wirklich viel Nützliches fürs spätere Leben in Erinnerung geblieben. Etwas jedoch schon. In der Primarschule hatten wir einen Löwenzahntag. An diesem Tag wurde uns allerhand über diese wundersame Pflanze vermittelt. Gerne möchte ich hier einiges weitergeben.

Löwenzahn von Kopf bis Fuss

Löwenzahnwurzeln und Löwenzahnblätter besitzen mehr Nährkraft als Spinat und wirken im höchsten Grad blutreinigend. Man kann die ganze Pflanze verwenden. Von Kopf bis Fuss, sozusagen. Positiven Einfluss hat der Löwenzahn auf sämtliche Organe, welche an der Verdauung mitbeteiligt sind. Die Magensaftsekretion wird gesteigert, er ist appetitanregend und entkrampft. Bei Blähungen und Völlegefühl sollte also wärmstens an Löwenzahn gedacht werden. Löwenzahnblättertee oder auch Löwenzahnwurzeltee wirken da genauso wie auch die Blätter als frischen Salat genossen.

Löwenzahn ist ein Aufbautonikum

Löwenzahn kann als Stärkungsmittel eingesetzt werden bei Schwächezuständen. Der Körper wird hierbei wieder in Schwung gebracht. Der Löwenzahn stärkt Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Milz, Darm und Magen und durch die Bitterstoffe hilft er, Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten. Er wirkt entwässernd, doch hat er gegenüber von Entwässerungstabletten in Arzneiform den grossen Vorteil, dass er wertvolle Mineralien dem Körper zuführt und nicht einfach ausschwemmt. Der Körper ist somit bestens versorgt.

Bier und Wein – auch das kann sein

Der Löwenzahn ist ein absolutes Wunderkraut. Es beinhaltet mehr Eisen, mehr Vitamin A, mehr Vitamin C und weitere Mineralstoffe, als all die anderen Lebensmittel, wo man denkt, dass diese die Spender schlechthin sind. Weit gefehlt. Die Blüten kann man pur essen, als Verzierung für einen bunten Salat verwenden oder man kann sie gar frittieren. Kurz im Teig geschwenkt und in die Fritteuse geben, ist es schlicht ein Gaumenschmaus. Ein feines Süppchen aus Löwenzahn, lässt müde Geister vertreiben und ein feiner Salat aus den schönen, saftigen und bitterschmeckenden Blättern ist einfach nur köstlich. Bitter sollten sie übrigens sein, auch wenn heute der Trend aufgekommen ist, bittere Lebensmittel zu meiden. Diese Bitterstoffe regen die Galleproduktion in der Leber an. Hat also alles seinen Sinn und Zweck und der Mensch sollte dieses gottgegebene Geschenk nicht verfälschen, nur weil sein Gaumen vielleicht durch den Fastfood etwas aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten ist. Zum Frühstück schmeckt auch der Löwenzahnhonig besonders lecker. Aus den Wurzeln, worin am meisten Nährstoffe enthalten sind, kann man Tee zubereiten. Dieser Tee wirkt besonders entgiftend. Wer noch weiter gehen möchte, kann die Wurzeln rösten und sich somit den sogenannten Muckefuck, dem Kaffeeersatz aus Kriegszeiten, selbst herstellen. Gar Bier und Wein kann sein, doch damit lass ich es persönlich sein.

Da wächst doch tatsächlich ein Zauberkraut vor unseren Tür, kostenlos, und wir nutzen es nicht.

Quelle: http://www.2012spirit.de/2014/09/vom-zauber-der-pflanzen-und-kraeuter-loewenzahn/

 

TA KI

Germanische Religion


Geschrieben von: Hans von Schubert
wothan

 

Nach dem Ausgleich von Freiheit und Gebundenheit, Persönlichkeits- und Gemeinschaftsbewußtsein strebt das Leben der Germanen. Eben weil er ihn vorfand, hat Tacitus den Römern darin einen Spiegel vorgehalten. Die Forschung hat seiner Zeichnung nicht Unrecht gegeben. Die kleinen Gebilde, die uns bei Tacitus als civitates, „Staaten“, Bürgerschaften, oder später in England, Deutschland, Dänemark als Völkerschafts- oder Gaukönigtümer begegnen, lassen eine Vereinigung von beiden erkennen. Besonders erklärt sich aus jener Doppelheit von Persönlichkeits- und Genossenschaftsbewußtsein das den Germanen eigentümliche, schon von Tacitus angestaunte Gefolgschaftswesen: der freie Anschluß kriegerischer Jungmannen an einen Edeling oder Fürsten auf gegenseitige Treue hin, sie zu Dienst, er zu Unterhalt verpflichtet, er der Hlaford, Lord oder Truhtîn, Scharenführer, sie untereinander „Genossen“, alle zusammen „Bankgenossen“ in derselben Halle, kameradschaftlich, jener aber auf erhöhtem Sitz, dem Hochsitz des Hauses. Es ist die Keimzelle eigentümlicher Bildungen auf dem Gebiete germanisch-deutschen politischen Lebens.

Sehen wir zu, welche Stelle nun der Religion bei solcher allgemeinen psychologischen Anlage zukam.

In den 163 Sprüchen der nordischen Odinsfreunde ist nur wenig von Opfer und Gebet die Rede; auf mangelnde Religion darf man daraus nicht schließen: diese ganze Ethik erscheint ja als Gottesspruch, als Odinsweisheit. Das zähe Fortleben heidnischen Aberglaubens in Deutschland zeigt, daß er einst als Glaube auch hier fest in den Herzen saß. Der am spätesten von den christlichen Franken unterworfene, sprödeste, ungemischteste, von der Wanderzeit unberührt gebliebene Stamm, der der Sachsen, galt den Franken als „allerheidnischster“, „dem Götterkult völlig ergeben“.

Als Sigrid-Brunhild in der nordischen Siegfriedsage, von Sigurd befreit, erwacht, und ehe sie ihm die Weisheitssprüche und Lebensregeln sagt, ruft sie betend aus:

„Heil dir, Tag, und Heil euch, Söhnen des Tags,
Heil dir, Nacht, und Kinder
der Nacht!
Blicket mit milden Augen
hierher auf uns,
gebt uns Sitzenden den Sieg!
Heil euch, ihr Asen, Asinnen Heil,
Heil dir, nährende Erde!
Rede und Menschenklugheit gebt
uns zwei Edelingen
und heilende Hände, solange wir
leben!“

In diesem altnordischen Gebet klingen die verschiedenen Töne zusammen, die sich auch in Deutschland zusammengefunden haben werden. Die Natur lebte dem alten Deutschen wie dem Nordmannen, nur daß bei dem Deutschen Baum und Berg, Quelle und Sumpf eine größere Rolle gespielt haben als Klippe und Meer. Dabei schwankt die Anschauung naturgemäß: einerseits findet sich die Meinung, daß alle Bäume beseelt seien, also auch der Wald, und ein ganzer Hain heilig – noch später bat der Holzfäller den Baum wohl um Verzeihung, wenn er ihn schlagen mußte, und das Abschälen der Bäume war mit schwerster Todesstrafe belegt – dem „Ausdärmen“, das heißt der Darm des Frevlers wurde um die entschälten Stellen gelegt –, andererseits gibt es einzelne ausgezeichnete Bäume, wie der Riesenbaum bei Upsala, wie die Irminsul, das Heiligtum der Sachsen, wie die hessische Donarseiche bei Hofgeismar, die Bonifaz fällte. Ähnlich ist’s auch mit den Quellen. Sie sind alle heilig, aber es gibt die besonders heilige Quelle, wie das Wunder des Süßwasserquells auf dem heiligen Eiland im Nordmeer, Helgoland, das Sacrum der friesischen Völker. Stärker noch und ganz allgemein waren alle Germanen des frommen Staunens voll über die gewaltigen Erscheinungen des Himmels, die Sonne mit ihrer Leuchtkraft, das Gewitter mit seinem Donner, den Wind, von dem man nicht weiß, woher er kommt und wohin er fährt, aber sein Sausen in den Lüften hören wir wohl. Sie boten ihm das Bild der kämpfenden Natur. Nur Totemismus im eigentlichen Sinne in der Form der Tierverehrung findet sich nicht; selbst die Rolle, die das Roß, namentlich bei den Sachsen, spielt, wird man nicht hierhin rechnen können. Das Tier, das er beherrschte oder erlegte, war ihm nicht wunderbar genug.

Über die unbestimmten Vorstellungen schritt die deutsche Phantasie fort zu den bestimmteren von Geistwesen, die entweder gebunden sind an einen Ort in der Natur oder ungebunden durch die Natur schweifen, mit eigenen geheimnisvollen Reichen, über Nixen und Riesen zu Hausgeistern, Elfen, Wichten und Zwergen, in denen die alte Ahnenverehrung weiterlebt. Ist es Zufall, daß sich die Phantasie in Deutschland mit besonderer Liebe der unglaublich kleinen und eben in dieser Kleinheit wunderbaren Wesen angenommen hat und schon eine „Andacht zum Kleinen“ kannte? Sie können sich sogar ganz unsichtbar machen, durch die Tarnkappe, und haben doch wieder einen Kraftgürtel. In ihrer verborgenen, schätzehütenden Geistigkeit sind sie am menschenähnlichsten geworden.

Über dieser Schicht, die im gewöhnlichen Leben beherrschend fortdauerte, wie bei den Griechen und Römern der Dämonenkult, sehen wir den Glauben an persönliche, von der Naturbasis halb oder ganz gelöste Götter sich erheben. Axel Olrik hat in seinem schönen Buch über „Nordisches Geistesleben“ dargelegt, wie den ganzen nordischen Mythus der Gedanke des Kampfes der Riesen gegen die Götter durchzieht. Das ist doch nur ein Niederschlag des allgemeinen religionsgeschichtlichen Vorgangs, wie er sich bei den Griechen im Mythus des Titanen- und Gigantenkampfes gegen die Olympier ähnlich findet. Die lichteren Götter des Himmels, die Bringer, Erhalter, Segner der menschlichen Kultur, haben sich zu behaupten gegen die dunkleren Gewalten der Erde, die Zeit der Erdgebundenheit weicht. Das ganze Dasein erscheint ins Lichtere gehoben. Himmelsgötter sind Tyr oder Ziu (wohl die alte, indogermanische Gottheit des indischen Dya¯us, die auch in Zeus, Jupiter steckt), Thor-Donar der Gewitter-, Odin-Wodan der Sturmgott, auch Baldur, er in den Merseburger Heilsprüchen für Deutschland bezeugt ist; Nerthus, die weibliche Erdgottheit, die Fruchtbarkeit, die Gattin des Frey, des Wachstumsgotts, bei den Friesen und an der See heimisch – Götter des Gerichts und der Ehe, der Volksgemeinschaft und des Hauses, also der verschiedenen Seiten der Kultur, aber die wichtigste, die ersten drei, doch Götter des Kriegs zugleich. Als einen Kampf der erhaltenden Mächte gegen die zerstörenden sah der Germane das Leben an, auch das Leben seiner Götter: was sich für uns als ein Austausch der verschiedenen Göttergruppen gibt, stellte sich ihnen als Kampf dar. Durch einen Kampf der Asen und Wanen sahen sie die Götterscharen zusammentreten, durch einen Kampf gegen die Mächte der Finsternis sich behaupten. Auch Loki, der Gott des Feuers, war in ihre Gesellschaft erhoben: das Feuer verzehrt, aber erhält auch. Doch stammte Loki von unten. Und hier setzte das Verhängnis an. Die Lohe konnte von unten aufschlagen und die Himmelsburg vernichten in dem Endkampf, in dem die Muspelsöhne, die Riesen, erscheinen, die Götter aber ihr Gefolge aufbieten. Denn aus der Hel, der Unterwelt, ist die Walhalla geworden für die Schlachttoten, die doch den Tod nicht mehr sehen, sondern von der Walstatt durch die Walkyren in die ewige Kriegerhalle geleitet werden. Das ist die Gefolgschaft der Götter, das sind die Tapfersten der Tapferen, die Einherier.

„Thunaer ende Wodan ende Saxnot“ (das ist vermutlich Tyr oder Ziu) „und allen Unholden, die ihre Genossen“ sind, mußten die sächsischen Täuflinge abschwören. Auch dieser deutsche Götterhimmel war also reich, aber Donar und Wodan standen voran. Auch zwischen ihnen ist ein Kampf, der erstere der nordische Hauptgott, der andere mehr den Westgermanen eigen, jener die Kraft, dieser den Verstand vertretend, jener doch auch bei den abgeschlosseneren Sachsen noch an erster Stelle, dieser da, wo der Verkehr den Sinn geweckter gemacht hatte, zum Beispiel auf dem Heiligenberg bei Heidelberg an Stelle des Merkur von kimbrischen Legionären verehrt. Beide aber stehen nun nebeneinander: Thor-Donar mit dem Unterton des Rohen, Tölpelhaften, aber Guten und Wohltätigen, der Freund der Menschen, also der Gott des sittlich-rechtlichen Gemeinschaftslebens – Odin-Wodan, schmiegsam und veränderlich wie der Wind, mit dem Unterton des Schlauen und Listigen, der Lehrer nicht nur des Guten, sondern auch des Nützlichen, des privaten Vorteils, der individuellen Religion im guten und schlechten Sinn. Wodan siegte auf der ganzen Linie, seit er den Menschen die ersten Runen ritzte und sie den Zauber der heimlichen Sprüche lehrte, mit denen man die Dinge zwingen kann. Die angelsächsischen Könige alle schrieben ihre Abkunft von ihm her, und selbst im Norden wurde er zum Vater der Asen, der Götter, zum Allvater. Hier erst wird etwas von „Urheberreligion“ erkennbar. Man spürt den inneren Streit und den Ausgleich der beiden am Anfang ausgewiesenen Neigungen in der Seele des Germanen: Gemeinschafts- und Persönlichkeitsbewußtsein, Gemeinschafts- und Persönlichkeitskultur.

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„Ich entsage allen Teufelsworten und -werken, Donar, Wodan und Saxnot“, gelobten die Sachsen bei der Taufe. Sie wußten sich also mit Worten und Werken an ihren Dienst gebunden. Rudolf von Fulda hielt die Schilderung aus der Germania des Tacitus (c.10) noch immer für zutreffend, wonach die Deutschen nichts taten, ohne den Willen der Götter zu erkunden, in Los und Orakel, bei Gericht und vor der Schlacht. Das Gemeinschaftsleben, das Recht war geheiligt durch Religion, beide gebunden an heiligen Wortlaut und strenge Form der Handlung. In der Volksversammlung, dem Thing, hat das Opfer seine Stätte, wird der Neiding, der Frevler, den Göttern geopfert von den Priestern des Volks, indem er an einen Baum des heiligen Hains gehängt wird, wie die feindlichen Gefangenen, die, dem Gotte geweiht, dort „baumelten“ – es ist durchaus mit dem Volke unlösbar verwachsene Religion, in der zuletzt auch Bilder und Tempel und frohe Götterfeste zu bestimmten Zeiten, zum Teil mit Umfahrten, als Feste des Volkes nicht fehlten. Wir können schon der taciteischen Schilderung entnehmen, daß den edeln und fürstlichen Geschlechtern des Volkes die Priester entnommen wurden. Das stimmt zu der allgemeinen Beobachtung, daß Königtum und Priestertum in der Wurzel etwas gemein hatten. Wie das Familienoberhaupt, der Hausherr, die Herdgenossen auch beim Opfern vertritt, so der fürstliche Edeling, dessen Haus- und Sippenwirtschaft sich zur Volksherrschaft erweitert hat, die Volksgenossen. Denn auch das häusliche Priestertum des Familienvaters, das durch Tacitus und später aus dem Norden bezeugt ist, wird in Deutschland anzunehmen sein, so wenig wir hier davon wissen, so wenig wir namentlich von einer deutschen Parallele zu den nordischen Privat- oder Eigentempeln unmittelbare Kunde haben.

Nun sucht der Mensch, nachsinnend, die Geschichte und das Wesen der Dinge zu durchdringen. Am Anfang schon gaben die Götter den ersten Menschen Seele und denkenden Geist, so heißt es in der Völuspa. Die ganze Welt ist wie ein großer Baum, eine Weltenesche, der heiligste aller heiligen Bäume, dessen Wipfel in den Himmel ragt und dessen Wurzeln bis zu Riesenreich und Unterwelt gehen, in dessen Krone Odins Windroß weidet und an dessen Fuße die Götter selbst ihr heiliges Recht finden im Thing. Hier aber sitzt an ewiger Quelle, am Born des Lebens das Schicksal, die Wurd, und legt des Lebens Lose den Menschenkindern. Und hier liegt auch verborgen Heimdals Horn, des Himmelswächters, das einst ertönen wird, wenn die Riesen anstürmen zum Endkampf. Denn noch weiter und tiefer sieht der Seherin Auge – „Könnt ihr weiteres verstehen?“ Die Götter auch sind dem Schicksal verfallen, sie selbst sind nicht das letzte Wort. Es kommt die Stunde, da sich die gebändigten Elemente der Welt empören, das Meer, die große Schlange, die das Erdreich umringelt, sich aufbäumt gegen Sonne und Sterne und Wind und Donner. Und das entfesselte Chaos, der Fenriswolf, fällt den Göttervater; der aber wird gerächt durch den Sohn; Thor und der Midgarddrache, Gewitter und Meer töten sich gegenseitig. Den sicheren Untergang vor Augen kämpfen die Götter bis zur Vernichtung – die Sonne versinkt, und die Lohe schlägt über alles empor. Der Weltenbaum zittert.

Aber an der Wurzel an heiliger Quelle sitzt das Schicksal und hält ihn bei frischem Grün. Eine neue Erde steigt aus der Flut. „Über schäumenden Fällen schwebt der Adler – Fische fängt er an felsiger Wand“. „Auf unbesätem Acker werden Ähren wachsen“, alles Böse schwindet, denn Baldur erscheint mit anderen lichten Asen – „Könnt ihr weiteres verstehen?“ „Einen Saal seh’ ich stehen – die Sonne überstrahlt er – mit Golde gedeckt auf Gimles Höhen: – dort werden wohnen wackere Scharen (d. i. eine neue Gefolgschaft) – und ein Glück genießen, das nimmer vergeht.“

Das ist die tiefsinnige Religionsphilosophie im Munde einer Seherin, sicher in den Grundzügen auch den Deutschen nicht fremd, die von der Wurd – Meotod nannten sie die alten Sachsen – und den Muspelsöhnen und dem letzten Streit wohl wußten. Man kann denken, daß auch eine deutsche Veleda ähnliches weissagte. Keine klare Weltendeutung, aber eine gewaltige Weltanschauung in unerhört kühn hingesetzten sich jagenden Bildern, eine germanische Apokalypse, an deren Ende doch auch ein neuer Himmel und eine neue Erde und eine neue Himmelsburg stehen, der Sieg der sittlichen Ordnung über das Chaos der Elemente.

Quelle: http://www.asatru.de/nz/index.php?option=com_content&view=article&id=144:germanische-religion&catid=5:kultur&Itemid=26

Gruß an die Ahnen

TA KI