Misteltee – Anwendung und Wirkung


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Der Mistel wird seit jeher eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Ein Tee aus der Heilpflanze reguliert den Blutdruck, löst Krämpfe, hilft gegen Herzschwäche und Schwindel. Er regt den Stoffwechsel an und hat schon seit langem einen festen Platz in der Frauenheilkunde. Der Aufguss lässt sich gut mit anderen Teesorten mischen. In Frage kommen zum Beispiel Majoran, Ringelblumen, Weidenrinde oder Schachtelhalm.

Die Mistel – ein Halbschmarotzer

Die Mistel wächst auf Laub- und Nadelbäumen, besonders auf Pappeln, Apfelbäumen, Tannen und Robinien. Misteln sind Halbschmarotzer, sie betreiben selbst Photosynthese, nutzen aber das Wasser des Wirtsbaums. Sie zerstören „ihre“ Bäume aber nicht.

Die Misteldrossel frisst die Früchte der Mistel und verbreitet die Samen. (Bild: Bernd Wolter/fotolia.com)
Die Misteldrossel frisst die Früchte der Mistel und verbreitet die Samen. (Bild: Bernd Wolter/fotolia.com)

Die Laubmistel bevorzugt Apfelbäume, die Tannenmistel zieht die Weißtanne vor und die Kiefernmistel wächst gerne auf Kiefern, Lärchen und Fichten. Die Vermehrung der Mistel geschieht durch Vögel, insbesondere durch Drosseln. Die größte deutsche Drosselart heißt treffend Misteldrossel. Sie frisst die Früchte, der Samen passiert den Verdauungskanal und heftet sich mit dem Kot an den Wirtsbaum.

Die Evolution hat die Beeren mit klebrigen Fleisch versehen. Die Vögel müssen sich den Schnabel putzen und drapieren so die Samen an Baumzweige. Die Samen sind unverdaulich und die Vögel geben sie auch mit dem Kot ab.

Der Mistelstrauch wird circa einen Meter hoch. Die hellgrünen Zweige formen sich zu einer Kugel. Im Spätherbst sprießen klebrige, weiße Beeren hervor, was sich in dem lateinischem Namen „viscum = klebrig“ widerspiegelt.

Die Blüten der Mistel sind gelblich und duften etwas nach Orange. Männliche und weibliche Blüten unterscheiden sich äußerlich und wachsen auf getrennten Bäumen.

Pflanze der Mythen

Die Mistel galt in verschiedenen Kulturen als magische Pflanze. Davon zeugen Bezeichnungen wie „Gespensterrute“, „Hexenbesen“ oder „Drudenfuß“. Das Volk glaubte, dass diese Pflanze niemals den Boden berühren dürfe, daher wurde sie auch als „Himmelskind“ benannt. Möglicherweise geht die Bezeichnung auf die Drosseln zurück, die die Beeren verspeisen, weiter fliegen, den Mistelkern dann wieder ausscheiden und so an andere Orte bringen.

Unseren Vorfahren war die enge Beziehung zwischen Misteln und Vögeln nicht fremd. Das Hexennest, so ein anderer Name für die Pflanze, war nämlich auch als Vogelmistel oder Vogelleimholz bekannt.

Die Mistelkugeln zeigen sich erst im Winter in voller Pracht. Wie andere immergrüne Pflanzen, ob Weihnachtsbaum oder Stechpalme, stand sie so für das Leben, das der Kälte trotzt.

Im Winter sind Misteln in Laubbäumen schon von Weitem zu erkennen. (Bild: vili45/fotolia.com)
Im Winter sind Misteln in Laubbäumen schon von Weitem zu erkennen. (Bild: vili45/fotolia.com)

In der magischen Medizin des Mittelalters galt die Mistel als Mittel gegen Epilepsie: Sie fiel nicht vom Baum, dementsprechend fiel der „Fallsüchtige“ nicht um – so die Logik dahinter. Der Anthroposoph Rudolf Steiner dachte in ähnlich abergläubischen Analogien. Er schloss aus dem Umstand, dass sich die Pflanze wie ein „Geschwür ausbreite“, dass sie für die Krebstherapie geeignet sei.

Die Mistel (lat. Viscum album) galt als Allheilmittel. Pfarrer Kneipp setzte sie als Kreislauf unterstützendes Mittel ein. Hildegard von Bingen bereitete daraus einen sogenannten „Mistelschleim“, der bei Leberleiden helfen sollte. Auch Hippokrates verwendete die Mistel zu Heilzwecken.

Noch heute dient in Großbritannien ein Mistelzweig über der Haustür zu Weihnachten als Schutz vor bösen Geistern. Ein frisch zubereiteter Mistel-Aufguss zeigt eine Vielzahl positiver gesundheitlicher Effekte.

Was ist dran an der Zauberpflanze?

Fernab des alten Zauberglaubens sind heilende Wirkungen der Mistel wissenschaftlich bewiesen. Heute hilft sie, den Blutdruck zu stabilisieren und lindert Herz- und Kreislaufprobleme. Die Misteltherapie wird bei Erkrankungen des Stoffwechsels und sogar für Krebstherapien eingesetzt.

Die Gynäkologie nutzt Mistelpräparate gegen Menstruationsprobleme, Regelschmerzen und Beschwerden der Wechseljahre.

Zubereitung von Misteltee

Der Tee wird aus dem Kraut der Mistel hergestellt und generell als Kaltauszug angesetzt. Denn der Aufguss verliert durch Kochen bzw. Aufbrühen zu viele Heilstoffe, zudem werden die schwach giftigen Stoffe (wie z.B. Viscotoxin) durch einen kalten Ansatz nicht gelöst und stellen dadurch keine Gefahr dar.

Grundrezept für Mistel-Aufguss:

  1. Geben Sie einen gehäuften Teelöffel geschnittenes Mistelkraut in eine Tasse mit kaltem Wasser
  2. Lassen Sie die Mischung über Nacht stehen
  3. Filtern das Sie das Wasser am nächsten Tag durch ein Sieb
  4. Wärmen Sie den Ansatz leicht an (nicht kochen!)
  5. Trinken Sie den Tee in kleinen Schlucken

Achtung: Mistelbeeren sind stark giftig und dürfen daher nicht eingesetzt werden.

Misteltee reguliert unter anderem den Blutdruck und hilft bei Menstruationsproblemen. (Bild: LianeM/fotolia.com)
Misteltee reguliert unter anderem den Blutdruck und hilft bei Menstruationsproblemen. (Bild: LianeM/fotolia.com)

Heilwirkung

Der Misteltee reguliert den Blutdruck, wir können ihn sowohl bei zu hohem wie zu niedrigem Blutdruck trinken. Er fördert die Verdauung und regt den Stoffwechsel an. Die Eiweißverbindungen in der Mistel fördern die körpereigenen Abwehrkräfte. Der Tee hemmt dem Blutfluss und hilft so gegen starke Monatsblutungen.

Mistel regt den Stoffwechsel an und gilt deshalb als Komplementärmedizin bei der Behandlung von Diabetes mellitus. Auch die Behandlung einer Arterienverkalkung ( Arteriosklerose) kann durch Misteltee ergänzt werden. Kalt getrunken lindert er Pollenallergie und Heuschnupfen.

Weiterhin hat sich die Anwendung des Heilpflanzen-Aufgusses bei Schwindel, Ohrensausen und innerer Unruhe bewährt.

Teemischungen mit Mistel

Um Bluthochdruck zu behandeln, sollte pro Tag mindestens ein halber Liter des Tees getrunken werden. Hilfreich kann in diesem Fall auch eine Mischung mit Weißdornblüten und Schachtelhalmkraut sein.

Rezept für Anti-Bluthochdruck-TeeFür 2 Tassen benötigen Sie:

  • 1 TL Mistelkraut
  • 1/2 TL Weißdornblüten
  • 1/2 TL Schachtelhalmkraut
  • 1 Tasse kaltes Wasser
  • 1 Tasse kochendes Wasser

Zubereitung: Übergießen Sie das Mistelkraut mit dem kalten Wasser und lassen Sie den Aufguss 8 Stunden ziehen. Die übrigen Kräuter geben Sie in eine Kanne und überbrühen sie mit dem kochenden Wasser. Nach 10 Minuten mischen Sie den kalten Misteltee und den Aufguss und seihen den Tee ab. Trinken Sie täglich morgens und abends je eine Tasse des warmen Getränks.

Bei verstärkter Regelblutung oder ständigem Nasenbluten, wird dem Mistelkaut mit einem Teelöffel Salbei vermischt, für acht Stunden kalt angesetzt und dann leicht erwärmt getrunken. Achtung: Liegt der Blutung möglicherweise eine ernste Ursache zugrunde und/oder tritt keine Besserung ein, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Um gegen altersbedingte Herzschwäche anzugehen, kann die Heilpflanze mit Weißdorn und Bärlauch gemischt werden. Die Ringelblume hilft in Kombination mit der Mistel unter anderem gegen Kreislaufprobleme, Schwindel, Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen.

Misteltee für äußere Anwendung

Misteltee lässt sich äußerlich auftragen oder ins Badewasser geben. Umschläge mit einem Tee aus der Heilpflanze machen rheumatische Schmerzen erträglicher, sind ein bewährtes Hausmittel gegen Krampfadern und helfen bei Ekzemen.

Wichtige Informationen für Sammler

Misteln stehen nicht unter Naturschutz. Wer sie zu gewerblichen Zwecken sammelt, braucht dazu eine Genehmigung der Behörden. Wichtig: Sammler dürfen den Wirtsbaum nicht beschädigen. Äste abzusägen, um an die Nester zu kommen, verbietet sich aus ökologischen Gründen. (sw, nr; zuletzt geändert am 30.11.2016)

Quelle: http://www.heilpraxisnet.de/hausmittel/misteltee.html

Gruß an die Aufmerksamen

TA KI

 

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Mistel Viscum Album L. Zauberpflanze, Heilpflanze, Liebespflanze-Mistel, Laubholz-Mistel , Sandelholzgewächse- Die Mistel… die Pflanze der Druiden


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siehe auch: Die Mistel im Weihnachtsbrauchtum

Unseren Vorfahren erschien die immergrüne Pflanze geheimnisvoll, da sie so hoch oben in den Bäumen wuchs. Weil sie so geheimnisvoll waren, sollten die Misteln auch über zauberhafte Kräfte verfügen.Man glaubte, daß sie vor Feuer schützen könne und hängte sie deshalb an die Hauswand, damit sie Hexen und böse Geister am Eintritt hindere. Man glaubte auch, daß Misteln – ebenso wie vierblättrige Kleeblätter oder Hufeisen, Glück bringen, aber nur demjenigen, der sie zum Geschenk erhält, nicht wenn man sie sich selbst kauft! Die gegabelte Form der Zweige machte sie zum Vorbild der Wünschelrute.

Es existieren zahlreiche Legenden und Mythen um die Mistel.
In der griechischen Mythologie wird die Mistel wegen ihrer narkotisch-psychoaktiven Eigenschaften erwähnt: Wahrscheinlich ist sie die „Goldene Zauberrute“ des Äneas, der mit ihrer Hilfe in die Unterwelt eindrang.

In der der altnordischen „Edda-Sage“ heißt es, der Lichtgott Baldur habe Träume von seinem bald bevorstehenden Tod gehabt und deshalb habe die Göttermutter Freya allen Erdenwesen das Versprechen abgenommen, Baldur nicht zu verletzen. Nur ein Wesen, welches kein richtiges Erdenwesen war, wurde hierbei vergessen: die Mistel. Der Feind der Asen, Loki bemerkte dieses Versehen. Er gab dem blinden Gott Hödur einen Mistelzweig in die Hand und wies ihm die Richtung Baldurs. Dieser stürzte, von Hödurs Mistelzweig tödlich getroffen zu Boden.

Für die Druiden – Hohepriester in Gallien und in Britannien- sozusagen unsere eisenzeitlich-keltischen Vorfahren (siehe Buchtipps unten) – war die Mistel die heiligste aller Pflanzen.
Sie sahen sie als ein Zeichen der Götter an, welches den Menschen mitteilte, daß sie selbst im Baum anwesend seien. Die Druiden schnitten sie deshalb nur im Rahmen eines Gottesdienstes
und nur mit einer goldenen Sichel ab, wobei darauf geachtet wurde, daß sie nicht zur Erde fiel, sondern in einem weißen Tuch aufgefangen werden konnte. Sie erklärten die nach ihrer Ansicht für alle erdenklichen gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen nützliche Mistel zur unverzichtbaren Zutat ihres kräftestärkenden „Zaubertranks“. (Wer die Gallier „Asterix und Obelix“ kennt, der weiß auch, worauf das für die Römer dann hinauslief!). Schließlich verteilten Druiden die Mistelzweige über der Haustür als Schutz gegen böse Geister.

Im Christentum schließlich soll sie der Baum gewesen sein soll, aus dessen Holz das Kreuz gemacht war, an dem Christus starb. Vor Schande soll der Baum eingetrocknet sein, um sich in eine Pflanze zu verwandeln, die allen Gutes bringt, die unter ihr hindurchgehen.

Als Symbol des Friedens versöhnten sich Feinde unter der Mistel und gaben sich den Friedenskuss.

In der Kunst taucht die Mistel im Jugendstil sehr oft als Motiv auf.

HeilpflanzeDie Mistel in der Heilkunde

Im Mittelalter gehörte sie zu den wichtigsten Heilpflanzen. Hildegard von Bingen schätzte Mistelsud gegen erfrorene Gliedmassen. Nachdem sie jahrzehntelang „verteufelt“ war, bestätigt die moderne Medizin – auch die Schulmedizin – heute die Heilfähigkeiten der Misteln.Lange Zeit war die Mistel im empirisch-medizinischen Bereich zur Behandlung der Fallsucht in Gebrauch, in Form von Teedrogen hat sie sich bis heute in der Behandlung milder Formen der Hypertonie bwährt. Misteln enthalten Stoffe, die den Blutdruck senken und die Gefäßverbreiterung fördern. Deshalb gewinnt man diese Stoffe auch für Medikamente gegen Arteriosklerose. In Deutschland gibt es zahlreiche Fertigarzneien mit Mistel. Der Anthroposoph Rudolf Steiner schließlich beschrieb die Mistel als erster als möglicherweise für die Behandlung von Krebs geeignete Heilpflanze.
Mistel Kräuter Tee
Räucherwerk: Mistel

Die Tanne duftet,
die Stechpalme glänzt,
Und vom Balkonknauf, weißbeerig sie,-
Lauscht die Mistel nieder,
die Schelmin, die!
(Ferdinand Freiligrath)

Die Mistel im Garten und in der Botanik

Man kennt drei Unterarten von Misteln:Die einen gedeihen nur auf Laubbäumen, die erste bevorzugt Laubbäume, die zweite Tannen, die dritte Kiefern. Viscum album, die Laubholzmistel, ist die einzige Art mit rein weißen Beeren und weißen Samen. Umgekehrt wie bei den „Landpflanzen“, deren Sproßspitzen nach oben wachsen und Wurzelspitzen nach unten, streckt die immergrüne Mistel wie losgelöst von Himmel und Erde, mit in der Pflanzenwelt einzigartigen Bewegungen ihre Zweige ganz gleichmäßig in alle Richtungen und so kommt es zu der typischen Kugelform. Die Mistel gehört zu den sehr langsam wachsenden Gehölzarten. Nach etwa 5 Jahren blühen sie das erste Mal; bei einem Durchmesser von 50 Zentimetern sind die Pflanzen etwa 30 Jahre alt!
Im Winter, wenn die Laubbäume ihr Blätterkleid verloren haben, sieht man sie schon von Weitem als ein „Geästball“ in vielen Bäumen, dabei werden sie oft mit Vogelnestern verwechselt.
Die Mistel zählt zu den Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen) und ein sogenannter Halb-Parasit. Die grünen Blätter enthalten zwar Chlorophyll und können Photosynthese betreiben, die Versorgung mit Kohlenhydraten ist also gesichert, Wasser und Mineralstoffe entzieht sie aber dem Baum – mehr dazu hier.

Das lateinische Wort viscum bedeutet „Klebstoff, Leim“ (daher kommt das Wort „Viskose“) und die Redensart: „jemanden auf den Leim gehen“.
Auch ihre Vermehrung ist nicht alltäglich: Die Beeren enthalten einen zäh-klebrigen, kautschukartigen Schleim, der dann am Schnabel der Misteldrosseln, die – wie der Name es sagt – besonders für diese Früchte schwärmen, festpappt. Nach dem Schmaus haben sie dann das dringende Bedürfnis ihre klebrigen Schnäbel an Ästen zu wetzen. Dabei heften sie den Samen in luftiger Höhe gleich an die durchs leichte Einritzen vorpräparierte richtige Stelle und der grüne Keim wächst. Die landläufige Meinung, dass Mistelsamen erst nach dem Durchlauf durch den Vogelmagen keimen, stimmt nicht!

Jürgen Dahl schreibt in Nachrichten aus dem Garten, wie man im Garten Misteln ziehen kann:
„Man braucht dazu möglichst frische und viele Früchte. An einem trockenen Dezembertag zerdrückt man sie zwischen zwei Fingern und klebt den Samen mit dem ihm anhaftenden zähen Schleim an die Rinde einjähriger Zweige; am besten wickelt man den Schleimfaden ein paar mal um Samen und Zweig herum. Binnen Stunden trocknet der Schleim und hält den Samen fest. …..Im März wächst aus dem Samen ein am Ende verdicktes Füsschen und krümmt sich sogleich zum Ast hin; sobald sein Ende die Rinde berührt, erweitert es sich zu einer Haftscheibe, aus der der erste Senker in den Ast eindringt. Ein Jahr verharrt der Mistelkeimling so ….Erst im nächsten Frühjahr richtet sich dieses Ende auf, die Keimblätter entfalten sich, fallen aber bald ab, wenn das erste Laubblattpaar sich bildet. Von da an wächst die Mistel Jahr für Jahr in immer paariger Verzweigung etagenweise“.

Sollten sie (durch Vögel verbreitet) allerdings zu stark auftreten, sollte man vielleicht „Druide spielen“…“

Blüten und Pflanzenteile Mistel zum Räuchern

Mistel-Büchertipps

Linktipps:

Misteln in der Krebstherapie
Großmutter Annas Spezialhonig zum Beruhigen blank liegender Nerven
Mehr zum Parasitismus

Quelle.http://www.zauber-pflanzen.de/viscum.htm

Mistel, Laubholz-Mistel
Viscum album
Sandelholzgewächse

Bestimmungsmerkmale:
Die Mistel wächst als Halbschmarotzer auf Bäumen. Über Ihre Wurzeln zapft sie die Leitungsbahnen der Bäume an, auf denen sie siedelt. Vollschmarotzer beziehen übrigens im Vergleich zum Halbschmarotzer ihre gesamten Nährstoffe aus der Wirtspflanze und haben auch ihre eigene Photosynthese eingestellt, sie besitzen daher keine Grünfärbung mehr. Dies ist bei der Mistel nicht der Fall. Die Mistel hat immergrüne, eiförmige, ledrige Blätter. In ihren Blattachseln erscheinen im Frühjahr unscheinbare gelbe Blüten. Auffallend sind die weißen und innen klebrigen Beeren, die man, wie die ganze Pflanze, im Winter gut erkennen kann, wenn die Bäume ihr Laub abgeworfen haben. Vögel, insbesondere die Misteldrossel (Turdus viscivorus), die die Beeren fressen, scheiden die Samen wieder aus und sorgen somit für die Vermehrung. >> hier finden Sie mehr Infos zur Misteldrossel. Am bekanntesten und am meisten verbreitet ist die Laubholz-Mistel (Viscum album), weitere Arten sind die Tannen-Mistel (Viscum abietis) und die Kiefern-Mistel (Viscum laxum)
Mistel
Mistel
Mistelblüte
Mistelbeeren

Blüte

Frucht

Mistelsamen
Mistel-Querschnitt
Der Samen der Mistel steckt in einer gallertartigen Masse, die sehr klebrig ist. Dadurch kann sich der Samen am Ast fixieren. Querschnitt durch einen mit einer Mistel besetzten Ast. Die oberen 2/3 ist die Mistelwurzel, darunter der Ast.
Standort und Verbreitung:
Die Mistel siedelt gerne in Flußtälern, wo die Luftfeuchtigkeit höher ist. Sie kommt nur zerstreut vor, in manchen Gegenden aber auch häufiger. Sie gedeiht bis zu einer Höhe von 1200 m.Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Die Mistel enthält in ihren Blättern und Stängeln das Viscotoxin (Mistelgift). Der höchste Gehalt an Giftstoffen findet sich in den Stängeln und Blättern, vor allem im Winter. Die Giftstoffe variieren mit der Wirtspflanze, also dem Baum, auf dem die Misteln wachsen. So weisen Misteln, die auf Linde, Ahorn, Robinie und Pappel gedeihen eine höhere Giftwirkung auf, als Misteln, die auf Apfelbäumen wachsen. Bei kleineren Kindern kann es zu Magen- und Darmbeschwerden kommen.

Tiergiftig:
Mistel ist giftig für Pferde, Hunde und Katzen sowie für Nager, wie z. B. Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster, außerdem für Vögel. Eine Vergiftung zeigt sich durch erschwertes Atmen, Speichelfluss, Magen- und Darmbeschwerden: bei Hunden wurde Erbrechen beobachtet.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Mistel wird zur Unterstützung des Blutdrucks eingesetzt und teilweise auch in der alternativen Krebstherapie. Ferner findet sie Anwendung bei geschwächtem Herzmuskel und in der Homöopathie.

Name:
Die Namensherkunft ist ungewiss. Im althochdeutschen hieß die Pflanze mistil, was soviel bedeutet wie Mist, bezugnehmend auf die Verbreitung der Samen durch die Ausscheidung der Vögel. Volkstümlich hatte sie noch viele andere Bezeichnungen, so nannte man sie Hexenbesen, Hexenkraut, Donarbesen, Geißechrut und auch Vogelchrut.
Der botanische Artname Viscum heißt soviel wie Vogelleim, da die Römer aus den klebrigen Beeren Leim herstellten. Der Artname album bedeutet weiß und bezieht sich somit auf die Farbe der Beeren.

Geschichtliches:
“Miraculix” ist zwar eine nette Erfindung von Goscinny und Uderzo, der Brauch Mistel mit goldenen Sicheln zu schneiden allerdings nicht. Die Druiden, die Priester der Kelten (deren Vorfahren die Gallier waren), bestiegen weiß gekleidet die Bäume und schnitten die Mistel für rituelle Handlungen. Für sie gab es nichts heiligeres als die Mistel. Die Pflanze gehört zu den ältesten Zauberpflanzen. Sie kommt schon in der griechischen Mythologie vor, als Äneas mit der “goldenen Zauberrute” in die Unterwelt eindringen wollte; auch diente der Mistelzweig dem Gott Merkur zum öffnen der Tore des Hades, wenn er die Toten begleiten musste und die Pflanze wurde auch in der nordischen Mythologie als Mistelpfeil verwendet. Sicherlich wurde der Mistel deshalb soviel Zauberkraft zugeschrieben, da sie schließlich etwas anders aussieht und anders wächst als andere Pflanzen. Zum einen ist sie selbst im Winter grün und zum anderen ist sie ein Halbschmarotzer und wurzelt auf den Ästen von verschiedenen Baumarten. Grund genug für unsere Vorfahren, ihr magische Kräfte zuzuschreiben. Nachgewiesenermassen nutzte man die Mistel schon heilkundlich im 5. Jahrhundert v. Chr. Plinius beschreibt im 1. Jahrhundert n. Chr. die Wirkung der Mistel bei Fallsucht.  In den letzten Jahren werden im Dezember immer häufiger Mistelzweige in Blumengeschäften angeboten, dies kommt von dem englischen Brauch des Weihnachtsmistelzweiges. Man hängte ihn im Zimmer auf oder band ihn über die Eingangstür, das Mädchen, das von einem Mann unter dem Zweig angetroffen wurde, musste sich von ihm küssen lassen. Somit galt (und gilt ?) die Mistel als Glücksbringer und Symbol für Fruchtbarkeit, gegen die sie auch im Altertum Verwendung fand. So nutzten auch die Kräuterkundler des Mittelalters die Mistel als Heilkraut. Hildegard von Bingen schätzte Mistelsud gegen erfrorene Gliedmassen; man verwendete sie aber auch gegen Epilepsie, wohl daher, da man diese Krankheit bösen Geistern zuschrieb. Da die Mistel ja nicht zur Erde fallen konnte, da sie auf Bäumen wuchs, ging man davon aus, dass dies einem Epileptiker auch nicht geschehen könne, trug er denn einen Mistelzweig bei sich. Der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp setzte die Mistel zum Blutstillen ein

Mistelbaum
Mistel

Quelle: http://www.botanikus.de/Beeren/Mistel/mistel.html

Die Mistel… die Pflanze der Druiden

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Hängen Sie im Januar einen Ast Mistel über Ihre Tür ? Wenn ja, dann tun Sie sehr gut . . .

Seit tausenden von Jahren, soweit wir zurück in die Europäische Urgeschickte zurückgehen können, finden wir, dass die Mistel eine mysteriöse, magische und heilige Pflanze in allen Zentral- und Nordeuropäische Kulturen war. Obwohl eigentlich die meisten Europäischen Kulturen der Mistel mystische  Eigenschaften zuweisten, inbegriffen Mittelmeer-Kulturen wie Griechenland, war ihr Erfolg am grössten in Zentral- und Nordeuropa, insbesonders in den Keltischen Gebieten.

Nun, das Gebiet der Kelten in Europa war eigentlich . . .der ganze Kontinent bis zur Zeit der militärischen und ökonomischen Expansion des Römischen Reiches.

Auf dieser Karte sehen wir in dunklerem Grün das Gebiet, wo die Keltische Kultur um zirka -1000 vor Ch.  entstand. Wir sehen, dass die Westschweiz dazugehört und wir wissen, dass die sogenannte La Tène  Periode die höchste Kulturentwicklungszeit der Kelten war. Um zirka -500 vor Ch. hatten sich die Kelten überall in Europa (auf der Karte leicht grün) ausgedehnt und sogar soweit wie die Gegend der heutigen Türkei wo die Galaten heimisch waren. Die Galaten waren auch ein keltisches Volk, denen der Apostel Paulus bekanntlich einen Brief an die Galaten geschriebe hat (laut Bibel).

Die Teile der Karte, die in braun gezeichnet sind, zeigen uns wo die keltische Kultur und Sprache  heutzutage  noch lebendig ist oder sogar eine neue Blütezeit erlebt.

Diese Karte zeigt uns auch, dass die Urbevölkerungen des grössten Teiles Europas Kelten waren. Leider schafften es die Kelten nie eine politische und militärische Einheit zu bilden, obwohl es die Gallischen Kelten versuchten, aber es war zu spät – die Römer waren schon ein Reich geworden. Die Kelten waren nie eine Nation. Sie waren sehr viele Völker und besonders Stämme, die ähnliche Sprachen und ähnliche Bräuche hatten. Im Gegensatz zu den Römern, hatten sie keine ökonomische, militärische und politische  einheitliche Organisation : sie waren grosse Individualisten ! Man versteht, dass sie von der Römischen zentralisierten und hochorganisierten Militärmacht besiegt wurden und als Kultur praktisch ausgerottet.  Das heist aber lange nicht, dass die Kelten den Römern unterlegen waren … sie hatten eben ein total verschiedenes Konzept von Gesellschaft und Leben !

Nun zur Mistel !

Botanische Eingenschaften
Die Mistel ist eine parasitische Pflanze, die auf verschiedenen Bäumen wächst, aber selten auf Eichen und Tannen, darum wurde Eichen-und Tannenmistel in Urzeiten als besonders magisch  betrachtet. Es kann vorkommen, dass die Mistel als selbständiger Baum wächst, aber sehr selten.

Medizinische Eigenschaften
Im Mittelalter war die Mistel  für verschiedene Zwecke als Heilmittel gebraucht. Die moderne Natur- und anthroposophische Medizin hat die Eigenschften der Mistel auch wiederentdeckt. Sie ist in Behandlungen gegen Blutdruck, Arteriosklerosis und Krebs eingesetzt.

Tradition und Legenden
Laut einer der vielen Legenden über die Mistel, bestand das Kreuz von Jesus Christus aus Mistelholz. Der Mistelbaum war davon so entsetzt, dass er nicht mehr als Baum wachsen wollte und nur noch auf anderen Bäumen weiterlebte und dafür aber ein Glücksbringer wurde.

Die Druiden betrachteten die Mistel als eine heilige Pflanze und glaubten, dass sie allerlei magische Eigenschaften hatte.  Sie war eine Heilpflanze, insbesonders gegen Gift, sie begünstigte die Fruchtbarkeit der Frauen und schützte gegen die Hexen und schlechten Geister und war besonders ein Symbol für Frieden. In Keltischen Sprachen ist die Mistel „alles heiler“ genannt (Uchelwydd).

Die Mistel wächst nur selten auf Eichenbäume. Darum schätzten die Druiden die Eichenmistel am meisten.

Die Kelten schrieben nicht. Ihre Kultur und ihr Wissen wurde von den Druiden mündlich weitergeleitet. Demzufolge,  was wir von ihnen wissen, stammt meistens von den Römern, was natürlich ein Problem darstellt, denn die konnten schreiben was sie wollten. Meistens, zeigten sie wie grossartig sie selbst waren, und wie barbarisch alle anderen waren.

Im 1. Jarhundert (geb. 23 nach Ch.) lebte ein römischer Bürger namens Gaius Plinius Secundus, besser bekannt als Plinius der Ältere. Er arbeitete sehr hart als Historiker, Chronist, Naturwissenschaftler, reiste überall im römischen Reich herum und schrieb eine monumentale Enzyklopedia, wovon viel bis zu uns überlebt habt.

Er beschreibt, dass die Druiden, in weissen Gewänder bekleidet, die Mistel in der 6. Nacht des wachsendes Mondes mit einer goldenen Sichel abschneideten. Andere Druiden standen am Boden und sammelten die Mistel die herunterviel  auf einem weissen Tuch, da sie nicht auf den Boden fallen durfte.

Julius Caesar hat auch viel über die Kelten geschrieben, besonders in seinem Bestseller „Die Gallischen Kriege“ und, obwohl seine Objektivität  von vielen (Historikern) in Frage gestellt ist, beschreibt er auch ein ähnliches Szenario.

Moderne Historiker sind etwas skeptisch. Schon einmal meinen viele, dass eine Sichel für den Zweck nicht geeignet ist. Zudem denken die heutigen Spezialisten  auch, dass Gold (besonders zu diesen Zeiten) nicht stark genug ist um die dicken Misteläste zu schneiden.

So gross war die Prestige der Mistel, dass sie die Transition von den heidischen Druiden in die christliche Zeit schaffte. Im Mittelalter  hängte man weiter Misteläste über die Türen und an die Decken um sich von Hexen und schlechten Geister zu bewahren. Zusammen mit dem Vierblattklee und dem Hufeisen wurde die Mistel als ein grosser Glücksbringer betrachtet.

 

Der Zusammenhang zwischen der Mistel und der Europäischen Kulter ist älter als die Schrift. Hier das runische Zeichen für die Mistel. Es gab nur für sehr wichtige Sachen eine Rune.

Und noch zuletzt, wenn Ihnen jemand einen Ast Mistel schenkt oder wenn sie ihn kaufen dürfen Sie ihn auf keinen Fall in den Abfall schmeissen. Nur das nicht !  Am besten behalten Sie den Ast das ganze Jahr. Er wird Ihnen die ganze Zeit lang gutes Glück bringen. Die Blätter und die Beeren verdürren aber sie fallen nicht weg. Am Ende des Jahres müssen Sie die Mistel zurück in den Wald bringen und an einen Baum hängen.

Quelle: http://www.dweippert-deutschzentrum.com/Jetzt%20lesen%20wir/Die%20Mistel.htm

Gruß an das alte Wissen

TA KI

Im Rausch der Pflanzen der Götter


 

Christian Rätsch

Im Rausch der Pflanzen der Götter

 

Der Rausch der Götter

Bei dem Wort Rausch denken die meisten Menschen an einen ganz bestimmten Rausch, nämlich den Alkoholrausch. Die Alkoholwirkungen sind sehr gut bekannt. Der Rausch beginnt mit einer angenehmen Heiterkeit und endet in Blackout und Delirium. Doch gibt es viel mehr Arten des Rausches, die ganz anders geartet sind. So bewirkt Opium einen Rausch, der durch Glückseligkeit, geistige Klarheit und Hellsichtigkeit charakterisiert ist. Der Haschischrausch ist durch eine anfägliche Euphorie und folgendem Assoziationsfluß gekennzeichnet. Der Kokainrausch zeichnet sich durch ein maßloses Geplapper aus. Der Rausch, der durch Nachtschattengewächse ausgelöst wird, kann als hypnotische Trance beschrieben werden. Die Räusche, die von Zauberpilzen, LSD oder Meskalin erzeugt werden, lassen sich am besten als visionäre Bewußtseinserweiterung umschreiben.

Gerade die bewußtseinserweiternden Pflanzen stehen seit alters her im religiösen Zentrum vieler Völker, werden rituell eingenommen und meistens »Pflanzen der Götter« genannt. Sie können nämlich unter der sachkundigen Führung eines Schamanen oder Priesters mystische Erfahrungen auslösen und die Menschen direkt mit der Welt der Götter in Verbin dung bringen. Pflanzen und Substanzen, die derartige Kräfte entfalten können, werden Phantastika (»die Phantasie erregend«), Psychedelika (»die Seele offenbarend«), Entheogene (»die Götter enthüllend«) oder Halluzinogene (»im Geiste herumwandern«) genannt. Sie kommen überall auf der Welt vor, doch ist der Grad ihrer Verwendung unterschiedlich. »Zweifellos gibt es nirgends auf der Welt eine solche Vielfalt und eine so intensive Verwendung der Halluzinogene im kulturellen Leben der Ureinwohner wie in Mexiko«, schreiben RICHARD E. SCHULTES und ALBERT HOFMANN in ihrem gerade wieder erschienenem Buch Pflanzen der Götter.

Die mexikanische Kulturgeschichte ist ohne den religiösen und schamanischen Gebrauch der Pflanzen der Götter nicht vorstellbar. Archäologische Funde deuten auf das hohe Alter der kultischen Verwendung. In den den kolonialzeitlichen Quellen werden sie oft genannt und z.T. detailliert beschrieben. Es gibt über hundert bewußtseinserweiternde Pflanzen in Mexiko, die bedeutsamsten sind die Zauberpilze (Psilocybe sp., Panaeolus sp.), der Peyotekaktus (Lophophora williamsii), die Winden (Turbina corymbosa, Ipomoea violacea) und die verschiedenen Stechapfelarten (Datura inoxia, Datura ceratocaula).
Das bedeutendste kolonialzeitliche Dokument der indinaischen Kultur ist eine Textsammlung des Franziskaners BERNARDINO DE SAHAGUN, der aztekische Edelleute und Gelehrte dazu brachte, mit europäischen Lettern aztekische Texte zu verfassen. In dem Kapitel, »in dem die Namen der vielen Pflanzen genannt werden, die einen verwirren, toll machen« heißt es vom Peyotekaktus:

»Dieser Peyote ist weiß und wächst nur dort im nördlichen, Mictlan genannten Gebiet. Auf denjenigen, der ihn ißt oder trinkt, übt er eine Wirkung wie Pilze aus. Auch sieht derjenige viele Dinge, die ihn ängstigen oder ihn zum Lachen bringen. Er beeinflußt einen vielleicht einen Tag, vielleicht zwei Tage, aber genauso läßt er nach. Dennoch fügt er einem Schaden zu, wühlt einen auf, berauscht einen, übt eine Wirkung auf einen aus. Ich nehme Peyote; ich bin aufgewühlt.« (SAHAGUN XI, 7)

Der spanische Arzt FRANCISCO HERNANDEZ schrieb in seiner Natur ge schich te Neu-Spaniens (1615) über den Peyote:

»Dieser Wurzel werden wunderbare Eigenschaften zugeschrieben, wenn man dem Glauben schenken will, was darüber gesagt wird. Diejenigen, die sie nehmen, bekommen die göttliche Gabe der Vorsehung und können künftige Dinge wie Propheten vorauswissen… Die Chichimeken glauben, daß die Kraft dieser Wurzel das ermöglicht«

Die Azteken nannten die nomadischen Stämme des Nordens allgemein Chichimeken. Unter diesen Völkerschaften befanden sich sehr wahrscheinlich die Ahnen der Huichol, die heute in der Sierra Madre leben, und die Tarahumara aus dem hohen Norden. Sowohl die Huichol als auch die Tarahumara haben den in die präkolumbische Zeit zurückreichenden Peyotekult bis heute bewahrt.

Die wichtigste mexikanische Pflanze der Götter neben dem Peyotekaktus ist der Pilz (Psilocybe mexicana) mit dem aztekischen Namen Teonanácatl, wörtlich übersetzt »Fleisch der Götter«. Ein weiterer von SAHAGUN gesammelter aztekischer Text berichtet über die Pilz-Rituale der Indianer:

»Das erste, was man bei derlei Zusammenkünften aß, war ein schwarzer Pilz, den sie Nanacatl nannten. Er wirkt berauschend, erzeugt Visionen und reizt zu unzüchtigen Handlungen. Sie nehmen das Zeug schon früh am Morgen des Festtages und trinken vor dem Aufstehen Kakao. Die Pilze essen sie mit Honig. Wenn sie sich mit ihnen trunken gemacht haben, beginnen sie erregt zu werden. Einige singen, andere weinen, andere sitzen in ihren Zimmern, als ob sie tief in Sorgen versunken wären. Sie haben Visionen, in denen sie sich selbst sterben sehen, und das tut ihnen bitterlich leid. Andere wiederum erschauen Szenen, wo sie von wilden Tieren angefallen werden und glauben aufgefressen zu werden. Einige haben schöne Träume, meinen sehr reich zu sein und viele Sklaven zu besitzen. Andere aber haben recht peinliche Träume: sie haben das Gefühl, als seien sie beim Ehebruch ertappt worden oder als wären sie arge Fälscher oder Diebe, die nun ihrer Bestrafung entgegensehen. So haben alle ihre Visionen. Ist der Rausch, den die Pilze hervorrufen, vorbei, sprechen sie über das, was sie geträumt haben und einer erzählt dem anderen seine Visionen.« (SAHAGUN IX)

Kaum eine andere Zauberpflanze ist so typisch für den schama ni schen und kultischen Gebrauch wie der heilige Pilz. Die mazatekische Heilerin MARIA SABINA sagte dazu:

»Die Pilze geben mir die Macht, alles umfassend zu sehen. Ich kann bis zum Ursprung hinabblicken. Ich kann dorthin gehen, wo die Welt entspringt. Der Kranke wird gesund und die Angehörigen kommen und besuchen mich dann, um mir zu sagen, daß eine Erleichterung eingetreten ist. Sie bedanken sich und bringen mir Schnaps, Zigaretten und ein bißchen Geld mit.«

In der kolonialzeitlichen Literatur ist noch eine andere Pflanze der Götter, die Winde Ololiuqui (Turbina corymbosa), sehr gut bekannt:

»Seine Blätter sind schlank, strickartig, klein. Sein Name ist Ololiuhqui. Es berauscht einen; es macht einen wahnsinnig, wühlt einen auf, macht einen toll, macht einen besessen. Derjenige, der es ißt, der es trinkt, sieht viele Dinge, die ihn in hohem Maße erschrecken. Er ist wirklich geängstigt von der großen Schlange, die er aus diesem Grund sieht.
Derjenige, der Leute haßt, veranlaßt einen, es im Getränk und in der Nahrung zu verschlucken, um einen toll zu machen. Allerdings riecht es sauer; es brennt ein wenig im Hals. Gegen die Gicht wird es nur auf der Oberfläche aufgetragen.«
(SAHAGUN XI, 7)

Der spanische Arzt FRANCISCO HERNANDEZ schrieb in seinem Rerum medicarum Novae Hispaniae thesaurus über Ololiuqui:

»Es gibt in Mexiko ein Kraut, daß heißet Schlangenkraut, eine Schlingpflanze mit pfeilförmigen Blättern, die deshalb auch das Pfeilkraut genannt wird. Der Same dient in der Medizin. Zerrieben und getrunken mit Milch und spanischem Pfeffer, nimmt er die Schmerzen weg, heilt allerhand Störungen, Entzündungen und Geschwülste. Wenn die Priester der Indianer mit den Geistern Verstorbener in Verkehr treten wollen, genießen sie von diesen Samen, um sich sinnlos zu berauschen, und sehen dann Tausende von Teufelsgestalten und Phantasmen um sich.«

Dem spanischen Missionar HERNANDO RUIZ DE ALARCON verdanken wir die detailliertesten Berichte über den indianischen Gebrauch der Zauberpflanzen (Ololiuqui, Peyote) der späteren Kolo­nial zeit. Seine Schriften wurden 1629 unter dem Titel Traktat über die heidnischen Aberglauben, die heute zwischen den Indianischen Eingeborenen Neu-Spaniens lebendig sind (1629) veröffentlicht. Dieses Werk wurde eine Art »Hexenhammer«, die juristische Grundlage der Hexen verfolgung in der Neuen Welt. Über den Gebrauch von Ololiuqui, der mit dem Gebrauch von Peyote gleichgesetzt wird, heißt es darin:

»Das sogenannte Ololiuqui ist ein Samen wie Linsen oder Linsenerbsen, der, wenn er getrunken wird, einem die Urteilskraft entzieht. Und das Vertrauen, daß diese unglücklichen Eingeborenen in diesen Samen setzen, ist erstaunlich, denn, wenn sie davon trinken, befragen sie ihn wie ein Orakel bei allem, was sie zu wissen wünschen, sogar die Dinge, die über das menschliche Wissen hinausreichen, wie die Gründe für Krankheiten; beinahe jeder von ihnen, der an Schwindsucht, Tuberkulose, Durchfall oder an sonst einer hartnäckigen Krankheit leidet, führt diese auf Verhexung zurück. Und um diese Probleme zu beheben, wie auch Fragen über gestohlene Dinge und Angreifer zu beantworten, lassen sie diesen Samen von einem ihrer zweifelhaften Doktoren befragen, von denen einige genau diese Aufgabe haben, nämlich den Samen zu solchen Befragungszwecken zu trinken, und diese Art von Doktor wird payni genannt – wegen dieser Aufgabe, für die er sehr gut bezahlt wird, und sie bestechen ihn auf ihre Art mit Essen und Trinken. Falls der Doktor diese Funktion ablehnt oder sich von dieser Tortur befreien möchte, rät er dem Patienten, den Samen selbst zu trinken oder eine andere Person, für deren Dienste sie genau wie für den Doktor bezahlen, aber der Doktor bestimmt für ihn den Tag und die Stunde, zu der er ihn trinken soll, und er sagt ihm, zu welchem Zweck.
Endlich, ob es der Doktor selbst oder eine andere Person an seiner Stelle ist, um diesen Samen zu trinken, oder einen namens Peyote, der eine andere kleine Wurzel ist, und zu dem sie das gleiche Vertrauen zeigen wie zu den ersteren, schließt er sich in einen Raum ein, der üblicherweise sein Gebetsraum ist, und wo keiner hinein darf, während der ganzen Zeit der Befragung, die so lange andauert wie der Befrager nicht bei Sinnen ist, denn das ist die Zeit, in der, wie sie glauben, das Ololiuqui oder Peyote ihnen das Gewünschte eröffnet. Sobald der Rausch oder der Entzug der Urteilskraft vorbei ist, erzählt der Betroffene zweitausend Schwindel, unter welche der Teufel meistens ein paar Wahrheiten streut, so daß er sie vollkommen getäuscht oder betrogen hat. […]
Sie machen auch Gebrauch von dem Trank, um Dinge zu finden, die gestohlen, verloren oder verlegt wurden, um zu erfahren, wer sie genommen oder gestohlen hat.«

Die Verteufelungskampagne

Als die Europäer in die Neue Welt drängten, begegneten sie erst mals Schamanen, die sie abschätzig als »Zauberer« und »Schwarzkünstler« bezeichneten. Ihre Götter oder Hilfsgeister wurden als Götzen, Idole und Teufelswerk degradiert; ihre heiligen Tränke als Hexengebräu diffamiert. So heißt es in einem kolonialzeitlichen Inquisitionsschreiben von D. PEDRO NABARRE DE ISLA (erlassen am 29.6.1620):

»Was die Einführung des Gebrauchs des Krautes oder der Wurzel namens Peyote […] zwecks Aufdeckung von Diebstählen, Weissagungen anderer Begebenheiten und das Prophezeien zukünftiger Ereignisse anbelangt, so handelt es sich dabei um Aberglauben, der zu verurteilen ist, da er sich gegen die Reinheit und Unversehrtheit unseres Heiligen Katholischen Glaubens richtet. Dies ist sicher, denn weder das genannte noch irgendein anderes Kraut kann die Kraft oder ureigene Eigenschaft besitzen, die behaupteten Folgen hervorbringen zu können, noch kann irgendeines die geistigen Bilder, Phantasien oder Halluzinationen verursachen, auf denen die erwähnten Weissagungen gründen. In diesen letzten sind klar die Einflüsse und Eingriffe des Teufels erkannt, des wirklichen Verursachers dieses Lasters, der sich zuerst die natürliche Leichtgläubigkeit der Indianer und ihre Neigung zur Idolatrie zu Nutzen macht, und dann viele andere Menschen niederstreckt, die Gott nicht genug fürchten und nicht genug Glauben besitzen.«

Durch das inquisitorische Vorgehen der Kirche wurde der indianische Gebrauch der Pflanzen der Götter in den Untergrund gedrängt und seit etwa 100 Jahren wiederentdeckt.

Die wissenschaftliche Forschung

Der sicherlich bedeutendste Naturwissenschaftler, der die mexikanischen Zauberpflanzen erforscht hat, ist der 1906 geborene Schweizer Chemiker Dr. ALBERT HOFMANN. Der mit zahlreichen Ehrendoktortiteln ausgezeichnete Forscher ist zwar bekannter durch die Entdeckung seines »Sorgen- oder Wunderkindes« LSD; aber gerade diese Entdeckung führte ihn direkt zu den mexikanischen Schamanen und ihren Wundermitteln. In den frühen Sechziger Jahren folgte er einer Einladung von dem Pilzforscher GORDON WASSON nach Mexiko. Dort lernte er die mazate kische Schamanin MARIA SABINA kennen und durfte bei einem ihrer nächtlichen Rituale die bewußtseinserweiternden Zauberpilze selbst probieren. Die Wirkung erinnerte den Schweizer an das LSD. Er besorgte sich daraufhin eine ausreichende Probe besagter Pilze und untersuchte sie in seinem Basler Labor. Durch mutige Eigenversuche konnte er schließlich als erster Mensch die »chemische Seele« der Zauberpilze extrahieren und der Welt die Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin vorstellen. HOFMANN untersuchte auch die Samen der Windengewächse und konnte darin einen LSD-ähnlichen Wirkstoff entdecken. Ähnlich wie seinerzeit das LSD wurden auch die Pilz- und Windenwirkstoffe zunächst in der Psychiatrie eingesetzt.
Aber schon seit dem letzten Jahrhundert kennt die westliche Psychiatrie be wußt seins verändernde Drogen. Die erste Substanz, die in der Psychiatrie getestet und verwendet wurde, war das Meskalin. Es wurde um die Jahrhundertwende erstmals aus dem mexikanischen Peyotekaktus extrahiert, chemisch aufgeklärt und synthetisiert. Man interpretierte damals die Wirkung des Meskalin auf eine gesunde Versuchsperson als Zustand, den man sonst nur an psychopathologischen Patienten kannte. Die Idee der pharmakologisch ausgelösten »Modellpsychose« kam auf. Die Wirkung des Meskalins (und die der Pilze oder des Psilocybins) wurde als »Intoxikation, toxische Ekstase, Bewußtseinstrübung, Halluzinose, Modellpsychose, Drogenrausch, Emphase, Tag traum« usw. beschrieben. Verständlicherweise ist der Gebrauch von Drogen, die anscheinend pathologische Zustände auslösen, in der Psychiatrie und Psychotherapie nach wie vor umstritten.
Der Indianer kennt nicht unsere Probleme. Er muß nicht über abstrakte Definitionen nachgrübeln, braucht nicht erkenntnistheoretische Überlegungen anzustellen. Für ihn ist der Fall klar: Trance ist kein »veränderter Bewußtseinszustand«, sondern der Kontakt zur wahren Wirklichkeit, die Verschmelzung oder Begegnung mit einer Gottheit oder die Reise der Seele in die Unterwelt oder jene Regionen, die jenseits der Milchstraße liegen. Die erfahrene Vision ist keine Illusion oder Halluzination, sondern ein temixoch, ein »Blühender Traum«.

Die Pflanzen der Götter in der modernen Welt

Jedes Jahr im Herbst schwärmen die Pilzsammler in den Schweizer Jura. Einige suchen leckere Speisepilze, andere sammeln die »Zwergenmützen«, »Halluzipilze« oder einfach »Pilzli« genannten einheimischen Verwandten der mexikanischen Zauberpilze, die Spitzkegeligen Kahlköpfe (Psilocybe semilanceata). Obwohl der rituelle Gebrauch der heimischen Pilze schon den Alpennomaden bekannt gewesen sein soll, wurde der modernen Pilzgebrauch doch indirekt durch die Forschungen ALBERT HOFMANNs ausgelöst. Die Kraft der einhemischen Pilze steht der ihrer mexikanischen Verwandte in nichts nach. Auch sie bewirken Visionen von anderen Wirklichkeiten, erzeugen mystische Erfahrungen und lassen in den Pilzgenießern eine tiefe spirituelle Verbindung mit der Natur entstehen. Werden sie allerdings in einer unverantwortlichen Weise verzehrt, können sie grauenhafte Horrorvisonen und angstvolle Ichauflösungen erzeugen.
Der englische Philosoph und Schriftsteller ALDOUS HUXLEY führt die religiösen Konzepte von »Himmel« und »Hölle« auf derartige bewußtseinserweiternde Erfahrungen zurück. HUXLEY experimentierte selbst aus giebig mit den mexikanischen Zauberpflanzen und ALBERT HOFMANNs Produkten. Er erkannte in diesen Erfahrungen die »Antipoden der Psyche«; sich mit ihnen auseinanderzusetzen erschien auch ihm wertvoll. In seinem Buch die Pforten der Wahrnehmung schrieb er:

»Jede Erfahrung mit Meskalin, jede in der Hypnose entstehende Vision ist einzigartig; aber alle gehören unverkennbar derselben Kategorie an. Die Landschaften, die architektonischen Gebilde, die zu Büscheln geballten Edelsteine, die leuchtenden, verschlungenen Muster – sie sind in ihrer Atmosphäre übernatürlichen Lichts, übernatürlicher Farben und übernatürlicher Bedeutsamkeit der Stoff, aus dem die Antipoden der Psyche gemacht sind. Warum das so ist, das wissen wir nicht. Es ist eine nackte Erfahrungstatsache, die wir, ob es uns paßt oder nicht, hinnehmen müssen – genauso wie wir die Tatsache hinnehmen müssen, daß es Kängurus gibt.«

Quelle: Natürlich

Quelle: http://www.christian-raetsch.de/Artikel/Artikel/Im-Rausch-der-Pflanzen-der-Goetter.html

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Gruß an die Wahrheit

TA KI

Urbock oder echtes Bier


Christian Rätsch

Urbock oder echtes Bier

Jeder kennt Bier. Jedenfalls das moderne, nach dem Deutschen (genauer: Bayerischen) Reinheitsgebot gebraute. Seit 1516 darf Bier demnach nur noch aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe durch natürliche Gärung hergestellt werden. Das Reinheitsgebot war aber nicht nur ein Gebot, sondern gleichzeitig ein Verbot. Denn es wurde ausdrücklich der Gebrauch von Bilsenkraut, sowie anderer Kräuter als Bierzusatz mit diesem Erlaß verboten. Warum aber wurde das Bilsenkraut verboten? Was hatte es mit Bilsenkraut-Bier auf sich?

Heute wird auf vielen Wochen- und Weihnachtsmärkten an den Honigbuden »Met« verkauft: eine klebrige, honigsüße, dicke Flüssigkeit. Der Met unserer Ahnen hatte mit diesem Kuriosum allerdings nichts zu tun. Genauso hat das Bier unserer Ahnen mit dem heutigen Getränk gleichen namens wenig zu tun. Für Bier und Met waren die Zusatzstoffe weitaus wichtiger als der Gärstoff (Honig, Getreide, Brot, Malz). Die Germanen verfügten über verschiedene Brautechniken und stellten unterschiedlich schmeckende und wirkende Gebräue her, die in der alten und neuen Literatur unterschiedlich als »Met«, »Honigwein« oder »Bier« bezeichnet werden. Per Definition wird Met aus Honig und Wasser, Bier aus Malz oder Brot und Wasser unter Verwendung einer Hefe hergestellt. Sowohl Met als auch Bier enthalten 2-5% Alkohol. Um diese Getränke haltbar, schmackhaft oder kräftiger berauschend zu brauen, werden dem Trunk verschiedene Zusätze, meist Kräuter mit desinfizierenden, aromatischen und/oder psychoaktiven Eigenschaften zugesetzt.

Es gibt in der Biergeschichte keine bis heute bekannte psychoaktive Pflanze, die nicht irgendwann, irgendwo einmal dem Bier zugesetzt wurde. Die alten Ägypter brauten ein Alraunenbier, die Indianer versetzten ihre Chicha (= Maisbier) mit Kokablättern, Stechapfel- und Windensamen (Datura, Turbina, Ipomoea), im Orient wurde das Bier mit Haschisch und Opium aufgebessert, in Sibirien bröselte man getrocknete Fliegenpilze ins Bier. Die Gallier brauten Bier aus dem an sich schon berauschenden Taumel-Lolch (Lolium temulentum) und im Mittelalter würzte man die dünnen Biere mit Zimt, Muskat und Kardamom. Der Hopfen als Bierzusatz ist eine Erfindung der christlichen Mönche. Die Klosterbrüder sollten vom Bier nicht durch aphrodisisch wirkende Zusätze irritiert, sondern vom Hopfen beruhigt werden. Der heidnische »Met der Begeisterung« (Dichter- oder Skaldenmet) war kein simples Bier, kein einfacher Met, er muß ein psychoaktives Getränk gewesen sein, dessen berauschende Bestandteile stimulierend auf die Kreativität gewirkt haben.

In verschiedenen indogermanischen Traditionen dienen psychoaktive Pflanzenzubereitungen den Sängern und Dichtern als Inspirationsquelle: das legendäre Soma der Arier, der euphorisierende Bhang (= Hanf) der Brahmanen, der gepilzte Wein des Dionysos. Womit aber wurde der germanische Dichtermet gebraut? Welche Pflanzen, welche »Gewürze« oder »bitteren Kräuter« kannten und nutzten die Germanen?

Die germanischen Stämme kannten eine Reihe von Gewächsen, die als Zauberpflanzen bekannt waren und deren Ruhm bis in die Neuzeit ausstrahlte. Alle von der Kirche und Inquisition verteufelten Pflanzen waren den Heiden heilig. Auch heute fallen sie noch unter das Betäubungsmittelgesetz oder unter die Giftverordnung.

Bilsenkraut und Pilsener

Der Muslim IBN FADLAN wurde am 2. April 921 vom Kalifen von Bagdad nach Norden geschickt, um die Expansion des Islam voranzutreiben. In der Nähe von Bolgar an der Wolga traf er mit seiner Gesandtschaft auf die Rus, germanische Waränger (= Wikinger). IBN FADLAN war ein guter Beobachter und beschrieb sehr genau die Zeremonie einer Häuptlingsbestattung (Verbrennung auf einem Totenschiff), an der er teilnehmen durfte. Zu diesem Anlaß wurde ein »besonderes Bier« gebraut, das »sie bis zu dem Tage trinken, an dem seine Sklavin sich tötet und mit ihrem Herrn verbrannt wird. Sie trinken dieses Bier Tag und Nacht bis zum Verblöden; oft geschieht es, daß einer stirbt, den Becher in der Hand.« (zitiert n. Hans-Peter HASENFRATZ, Die religiöse Welt der Germanen, Freiburg usw., Herder, 1992)

Diese Darstellung paßt genau auf die Wirkungsweise von Bilsenkraut-Bier. In geringer Dosis berauscht ein mit Bilsenkraut gebrautes Bier; in mittleren Dosen aphrodisiert es. In höheren Dosen kommt es zu deliranten, »verblödeten« Zuständen, Verwirrung, Gedächtnisstörungen, mit tollen, unsinnig erscheinenden Verhaltensweisen. In Überdosierungen wirkt Bilsenkraut tödlich (durch Atemlähmung). Die toxikologische Literatur ist voll solcher Beispiele. Bilsenkraut hat noch eine, für den Schankwirt sehr interessante Nebenwirkung. Die Alkaloide (Scopolamin, Atropin) bewirken eine starke Austrocknung der Schleimhäute. Bilsenkraut-Bier ist das einzige Getränk von dem man immer durstiger wird, je mehr man davon trinkt!

Weiter beschreibt IBN FADLAN wie das gleiche Bier der Sklavin vor ihrem rituellen Freitod gegeben wird und wie es auf sie wirkt: »Hierauf kamen die Männer mit Schildern und Stöcken, reichten ihr einen Becher Bier, worauf sie sang und ihn trank. […] Ein anderer Becher wurde ihr gegeben. Sie nahm ihn und sang lange, während die alte Frau [der Todesengel] sie antrieb, auszutrinken und in das Zelt zu treten, wo ihr Herr lag. Da sah ich, wie sie sich verwirrte: beim Versuch, das Zelt zu betreten, geriet sie mit dem Kopf zwischen Zeltwand und Schiff. Da nahm die Alte ihren Kopf und ging mit ihr zusammen hinein. […] Nun betraten sechs Männer das Zelt und alle hatten Geschlechtsverkehr mit der Sklavin.«

Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) war den antiken Autoren (DIOSKURIDES, PLINIUS) sehr gut bekannt. Für die keltischen Gebiete ist der Name Belinuntia, »Kraut des Sonnengottes Bel« überliefert; die Gallier vergifteten ihre Wurfspieße mit Bilsensud. Heilende Eigenschaften wurden schon in den frühesten angelsächsischen Arzneibüchern angeführt. Der Name geht auf Indogermanisch *bhelena zurück und soll ursprünglich »Tollkraut« bedeutet haben. Urgermanisch scheint bil soviel wie »Vision, Halluzination« oder »magische Kraft, Wunderkraft« bezeichnet haben. Es gibt sogar eine germanische Göttin, die Bil hieß; ihr Name wird als »Augenblick« oder »Ermattung« gedeutet. Sie stellt das Bildnis im Mond dar, oder gilt als Personifikation einer Mondphase. Sie war wohl eine »Bilsenfee« oder eine »Göttin des Bilsenkrautes«, eine Art Pflanzendeva. Vielleicht war sie sogar die Göttin des Regenbogens: Bilröst ist der Name der Regenbogenbrücke, die nach Asgard, den Göttergarten, führt. Bil wird auch als ursprüngliches Wort für »Himmelsbrücke« betrachtet.

Der älteste historische Beleg für die Verwendung des Bilsenkrautes als germanische Zauberpflanze befindet sich im 19. Buch der Sammlung kirchlicher Dekrete (»Deutsches Bußbuch«) des Bischofs BURCHARD VON WORMS (gest. 1025). In einer Beichtfrage wird folgendes Ritual – erstaunlich detailliert! – dargestellt:

»Tatest du, was gewisse Frauen zu tun pflegen? Wenn sie Regen benötigen und keinen haben, sammeln sie mehrere Mädchen und erwählen sich daraus eine kleine Jungfrau gewissermaßen zur Anführerin. Sie entblößen sie und führen die so entblößte außerhalb der Siedlung an einen Ort, wo sie Hyoscyamus finden, was auf deutsch Bilse heißt. Sie lassen sie dieses Kraut mit dem kleinen Finger der rechten Hand ausreißen und das entwurzelte Kraut an der kleinen Zehe des rechten Fußes mit irgendeinem Band befestigen. Dann führen die Mädchen, von denen jedes eine Rute in Händen hält, die besagte Jungfrau, die das Kraut hinter sich herzieht, in den nächsten Fluß, und mit eben den Ruten bespritzen sie die Jungfrau mit Flußwasser, und so hoffen sie, mit ihren Zaubereien Regen zu erhalten. Dann führen sie die besagte Jungfrau, nackt, wie sie ist, und die Füße nach Art des Krebses aufsetzend und bewegend, an den Händen vom Fluß zur Siedlung zurück. Wenn du das getan oder zu tun zugestimmt hast,…«

Das Bilsenkraut wurde im Mittelalter bereits verteufelt und in der frühen Neuzeit dem Hexenwesen zugeschrieben: »Die Hexen tranken den Absud vom Bilsenkraut und hatten jene Träume, für die sie gefoltert und hingerichtet wurden. Auch zur Hexensalbe ward es verwendet, und man benützte es zum Wettermachen und zum Geisterbeschwören. Gab es eine große Dürre, so tauchte man einen Bilsenstengel in eine Quelle und besprengte damit den sonneglühenden Sand.« (K. RITTER VON PERGER, Deutsche Pflanzensagen, Stuttgart und Oehringen, 1864, S.181) Hier wird also das Bilsenkraut in die Nähe des Wetter- und Gewittergottes Donar gerückt. Die Römer assoziierten das ihnen gut bekannte Bilsenkraut mit ihrem Jupiter, den sie mit dem germanischen Donnergott gleichsetzten. In der Schweiz findet sich heute noch der volkstümliche Name Jupitersbon, »Bohne des Jupiter« für das seltene Bilsenkraut.

Der germanische Donnergott Thor oder Donar war der trinkfreudigste und trinkfesteste unter den Göttern. Ihm waren darum die stark berauschenden Bocksbiere geweiht. Es ist nichts logischer, als das Bier für den Gewittergott mit seiner Pflanze, dem Bilsenkraut zu brauen. In der Tat ist seit dem frühen Mittelalter der Gebrauch von Bilsenkraut als Bierwürze bezeugt. Die Germanen hatten wegen der enormen Nachfrage nach dem in Deutschland und Nordeuropa sehr seltenen Bilsenkraut eigens dafür Bilsengärten angelegt. Diese Bilsengärten standen unter dem Schutz des Wotan/Odin, dem Vater des Donnergottes, und galten als Heiläcker, also Orte, an denen Heilungskräfte anwesend waren bzw. wo Heilungsrituale durchgeführt wurden. Diese ehemaligen Anpflanzungen leben in verschiedenen Ortbezeichnungen bis heute fort, z.B. Bilsensee, Billendorf, Bilsengarten und vor allem im böhmischen Pilsen. So hat die Stadt, nach der unser modernes, stark gehopftes Bier »Pilsner« heißt, seinen Namen selbst vom Bilsenkraut, das dem echten »Pilsener Bier«, nämlich dem Bilsenkraut-Bier seinen Namen verlieh! In der Schweiz lebt der alte Name pilsener krut in der Bezeichnung Pilsenkraut bis heute fort.

Sumpfporst, Gagel und Grutbier

Bilsenkraut war aber nicht der einzige Bierzusatz, der den Germanen bekannt war. Im Norden wächst der immergrüne Sumpfporst* (Ledum palustre); er hat eine lange Tradition als schamanisches Räuchermittel (z.B. in Sibirien und Zentralasien). Das aromatische Kraut wurde schon früh dem Bier als Würze zugesetzt. In Schweden wurde zur Wikingerzeit mit Sumpfporst, manchmal vermischt mit dem aromatischen Gagel (Myrica gale), Bier gebraut. Dieses Bier heißt in der nordischen und mittelalterlichen Literatur seit dem 5.Jh. »Grutbier«. Es wurde für Gelage und festliche Anlässe gebraut und bis zur Neige geleert.

In den skandinavischen Quellen zum Bier und Bierbrauen wird das Grutbier durchgängig als Ursache für die Berserkerwut angeführt. Bei den Grutbiergelagen kam es meist zu üblen Auseinandersetzungen: »Aufkommender Streit artete oft in Bluttaten aus. In gewissen Gegenden von Småland banden sich die Zweikämpfer nach alter Sitte mit dem Gürtel zusammen, aus dem sie nicht früher freigemacht wurden, bis einer der Zweikämpfer durch das Messer erledigt war. Die Frauen pflegten deshalb das Totenlinnen mitzunehmen, wenn sie ihre Männer zu Trinkgelagen begleiteten.« (W. SANDERMANN, »Berserkerwut durch Sumpfporst-Bier« Brauwelt 120(50), 1980, S. 1870)

Der Sumpfport enthält ein ätherisches Öl (Ledumöl; Hauptwirkstoff Ledol), das stark berauschend wirkt, in höheren Dosierungen zu Krämpfen, Wut und Raserei führt. Vielleicht nutzten die Wikingerbanden und die Berserker-Geheimbünde diese Eigenschaften für ihre magischen Rituale, zur Tierverwandlung und zum sprichwörtlichen Berserkergang, dem furor teutonica.

Pilz-Bier

Pilze spielen in vielen Volkstraditionen ein magische Rolle. Der keltische Giftschwamm Bwyd-Ellylon gehört zu den »Leckerbissen der Elfen«, die Narrenschwämme versetzen den Menschen in einen »närrischen« Zustand, aus Hexeneiern werden Liebestrünke gebraut. Neben eßbaren, ungenießbaren und wenigen wirklich giftigen Pilzen gibt es in allen germanischen Gebieten, ja in ganz Europa ein Vielzahl an psychedelischen Pilzen, besonders den Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) und den Dunkelrandigen Düngerling (Panaeolus subbalteatus).

Ob die Germanen die psychedelischen Kräfte der Pilze kannten und nutzten ist nur zu vermuten, aber sehr wahrscheinlich. Es gibt in Skandinavien verschiedene Felsbilder, die anthropomorphe Wesen mit Pilzen darstellen; diese Szenen tragen durchaus schamanische Züge und können auf einen schamanisch-psychedelischen Kult hinweisen. In frühen Dokumenten zur deutschen und nordischen Braukunst wird angeführt, daß dem Bier oder Met »Schwämme«, also Pilze zugesetzt wurden. Die einzige sinnvolle Erklärung dafür ist: die Brauer kannten das psychedelische Geheimnis der einheimischen Pilze und stellten damit ein hochwirksames Ritualgetränk her.

Germanische Trinkgelage

Im Mai werden in den norddeutschen Landen die alkoholstarken Maiböcke gebraut und reichlich – oft bis zur Besinnungslosigkeit – getrunken. Im Herbst wird das Märzen angezapft; auf den Wiesn tobt dann das Oktoberfest und hinterläßt Felder von Besoffenen. In Skandinavien wird das Julbier (= »Weihnachtsbier«) bis zum Zusammenbruch hinuntergestürzt. Diese Volksbelustigungen gehen auf alte Trinkrituale der Germanen zurück.

Im Frühjahr (Ostern) wurden zum Bocksopfer das aphrodisische »Bocksbier« gebraut und den Fruchtbarkeitsgöttern Donar und Freia zu Ehren getrunken. Im Herbst wurde das Erntebier gemeinschaftlich beim Erntedankfest zu Ehren der Erdgottheiten genossen. Zur Wintersonnenwende (Weihnachten) wurde mit dem Julbier den Ahnen (den Toten, die unter Wotans/Odins Schutz standen) gehuldigt.

Die Germanen waren für ihre Trinksitten, ihre Trinkgelage und ihre Trinkhörner weithin berühmt. Schon der römische Geschichtsschreiber TACITUS (1.Jh.) schrieb: »Tag und Nacht ohne Unterbrechung zu zechen ist für niemand ein Vorwurf. Vielfach gibt es dann, wie eben unter Betrunkenen, Händel, die nur selten mit bloßen Schmähreden, öfter mit Totschlag und Verletzungen enden. Aber auch über gegenseitige Versöhnung von Feinden, über die Anknüpfung verwandtschaftlicher Bande und über Berufung von Fürsten, schließlich über Krieg und Frieden beraten sie meist bei solchen Gelagen, weil sich angeblich zu keiner anderen Zeit das Herz leichter für aufrichtige Gedanken erschließt oder für hohe erwärmt.« (Germania 22)

Alle Quellen deuten daraufhin, daß der Genuß von Bier, Met oder ähnlichen Gebräuen mit Geselligkeit und religiösen Ritualen verbunden waren. Man versammelte sich zu Bier- und Trankopfern, benutzte besonderes rituelles Trinkgeschirr, z.B. goldbeschlagene Trinkhörner, und nahm mit Göttern und Ahnen Kontakt auf. COLUMBAN traf in der Bodenseegegend auf die heidnischen Alemannen (Südgermanen), die um eine mächtige Kufe Bier versammelt waren und diese ihrem Gott Wodan (= Odin) zu Ehren gemeinschaftlich leerten (Vita Columbani c.53).

Ritualbiere wurden aber nicht nur für die Raufereien der Berserker gebraut, sondern für Glück und Frieden getrunken. So heißt es in einer germanischen Quellen: »Der Häuptling, der das Opferfest veranstaltete, sollte den Opferbecher und die Speisen segnen, und dann sollte man zuerst Odins Becher leeren – man trank ihn für Sieg und glückliche Regierung des Königs – und dann den Becher des Njördr und Freyr für gute Ernte und Frieden.« (Hkr. I)

In der Edda, der Hauptquelle der nordischen Mythologie steht ein Satz, der sehr aufschlußreich für den Gebrauch des Bieres ist:
»Trunk mag frommen,
wenn man ungetrübt sich den Sinn bewahrt.«
Also: nicht bis zur Besinnungslosigkeit saufen, sondern den Rausch sinnvoll genießen!

Literatur

ERNST HUG, Wolfzahn, Bilsenkraut & Dachsschmalz, St. Märgen, 1993.
A. MAURIZIO, Geschichte der gegorenen Getränke, Berlin, Paul Parey, 1933.
CLAUDIA MÜLLER-EBELING, »Wolf und Bilsenkraut, Himmel und Hölle: Ein Beitrag zur Dämonisierung der Natur« in: Susanne G. SEILER (Hg.), Gaia – Das Erwachen der Göttin, Braunschweig, Aurum, S.163-182.
CHRISTIAN RÄTSCH, Urbock: Bier jenseits von Hopfen und Malz. Aarau, Stuttgart: AT Verlag, 1996.
HERMAN DE VRIES, »heilige Bäume, bilsenkraut und bildzeitung« in: Ch. RÄTSCH (Hg.), Naturverehrung und Heilkunst, Südergellersen, Verlag Bruno Martin, 1993.
Quelle: Natürlich
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Quelle: http://www.christian-raetsch.de/Artikel/Artikel/Urbock-oder-echtes-Bier.html

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Gruß an die Geselligkeit

TA KI