Unser Geldsystem – ein System mit Verfallsdatum


Es ist offensichtlich, dass die wirtschaftliche Lage weltweit immer schlechter wird. Doch warum? Laut offizieller Statistik ist zum Beispiel die Wirtschaftsleistung der BRD in den letzten 50 Jahren auf das 40-fache und das Geldvermögen auf das 200-fache gestiegen. Trotzdem spricht man von „Zeiten knapper Kassen“; und obwohl den vielen Arbeitsuchenden auf der einen Seite auch ein riesiger Bedarf an Arbeit, die gemacht werden muss, auf der anderen Seite gegenüber steht, heißt es, es gäbe zu wenig Arbeitsplätze. Angebot an Arbeit und Nachfrage danach wären also prinzipiell vorhanden. Das Problem ist, es kommt zu keinem Austausch beider Seiten, weil kein Geld da ist, um sie zu vermitteln. Dies liegt jedoch nicht an der Geldmenge, Geld ist nämlich genug vorhanden, – nur konzentriert es sich immer mehr auf den Privatkonten einiger weniger Megareicher. Damit ist klar, dass unser Geld- und Wirtschaftssystem einen gravierenden Fehler aufweisen muss, der eine solche kontinuierlichen Umverteilung ermöglicht. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich sogar, dass unser Geldsystem zwangsläufig zu so einer Umverteilung führen muss.

„Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“

                                                                                                                                                                                                                        (Henry Ford, 1863-1947)

Exponentielles Wachstum

Geld das verzinst angelegt ist, wächst exponentiell, also es verdoppelt sich das Vermögen nach einem immer gleichen Zeitraum – unabhängig vom Betrag. Was das heißt, zeigt folgende Rechnung:

Hätte Joseph im Jahre Null einen Cent auf die imaginäre Bank von Jerusalem gelegt, bei fünf Prozent Zinsen, wären ihm nach 15 Jahren zwei Cent zugestanden, nach 29 Jahren vier, nach 53 Jahren 8 Cent. Hundert Jahre später hätten seine Nachkommen dann 1,11 Euro abheben können und nach 250 Jahren wären es schon etwa Tausend Euro…
Im Jahr 2000 wären schließlich aus dem einen Cent 2 mal 10^40 Euro geworden (2.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000Euro). Rechnet man diesen Betrag in Gold um, so hätten Josephs Nachkommen Anspruch auf 436 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold! Dementsprechende groß wären die Schulden anderer.

Bei fünf Prozent Zinsen verdoppelt sich der Betrag alle 14, 2 Jahre, bei 3 Prozent alle 23,5 Jahre. Der durchschnittliche Zinssatz in der Geschichte liegt bei fünf Prozent, aber auch sieben Prozent oder mehr waren (und sind) üblich. Exponentielles Wachstum verläuft also zu Anfang kaum merklich, um dann immer schneller zu werden. Ein natürliches Wachstum dagegen verhält sich genau umgekehrt, es verläuft zuerst sehr schnell, dann immer langsamer, bis es schließlich kaum noch merklich, beziehungsweise linear ist. Das zeigt, wie krankhaft exponentielles Wachstum ist: Exponentiell wächst nur ein Krebsgeschwür.

Die Rechnung vom Josephscent zeigt deutlich, dass eine Zinswirtschaft letztlich zusammenbricht, einfach, weil die Welt begrenzt ist:

Mehr als alles kann man nicht besitzen. Das ist der Grund, warum in unserer Gesellschaftsordnung Probleme entstehen, wenn das Wirtschaftswachstum stagniert. Dabei führt der Zinseszinsmechanismus immer mehr zur Zentrierung allen Besitzes.

Da der Mechanismus zu Anfang eines Wirtschaftssystem sehr gering ist, fällt er kaum ins Gewicht. Sobald das Geldwachstum jedoch das reale Wirtschaftswachstum überflügelt, nähert sich das System seinem Zusammenbruch. In der BRD zum Beispiel wächst das BID seit 40 Jahren etwa linear, wogegen die Staatsverschuldung exponentiell zugenommen hat.

Wozu braucht man den Zins?

Geld ist den Waren grundsätzlich überlegen, da es nicht an Wert verliert. Deswegen wird jeder seine Ersparnisse in Geld anlegen wollen und nicht in Waren. So wird ein Bauer nicht so viele Kartoffeln sammeln bis er damit einen neuen Traktor kaufen kann, sondern das Gemüse möglichst schnell verkaufen und das Geld sparen, bis es für den Traktor reicht. Wenn er das Geld jedoch hortet, entzieht er es dem Wirtschaftskreislauf.

Fehlt in der Wirtschaft Geld, kommt es zu genau diesem Problem: Angebot und Nachfrage sind vorhanden, aber viele Geschäfte können trotzdem nicht mehr abgeschlossen werden, Unternehmen bleiben auf ihren Waren sitzen und gehen Pleite. Es kommt zu Massenarbeitslosigkeit, die Steuereinnahmen sinken, Sozialleistungen müssen gekürzt werden und breite Armut entsteht in der Bevölkerung. Die Bevölkerung hat noch weniger Geld, dass sie ausgeben kann, mehr Unternehmen gehen Pleite…. Letztendlich bricht die gesamte Wirtschaft zusammen. (Man nennt das Deflation.)

Also muss man dafür sorgen, dass das Geld im Umlauf bleibt. Dies kann man kurzfristig dadurch erreichen, dass man den Geldbesitzer belohnt, wenn er sein überschüssiges Geld weiterverleiht. Diese Belohnung ist dann der Zins.

Der Zins als Umverteilungsmechanismus

Nun muss der Schuldner nicht nur den erhaltenen Betrag zurückzahlen, sondern zusätzlich die Zinsen, das heißt, er macht Verlust, wird also ärmer, während der Geldvermögende reicher wird. Damit ist der Zins ein Umverteilungsmechanismus des Geldes von den Ärmeren zu den Geldbesitzern. Man könnte nun einwenden, dass es menschlich gesehen ja gerechtfertigt ist, dass der Schuldner dem Geldverleiher auch etwas für seine Hilfe zurückgibt, also mehr zahlt. Der Zins an sich ist auch gar nicht das Problem, – aber der Zinseszins. Wenn ein Geldbesitzer das Mehr an Vermögen wieder weiterverleiht, hat das nichts mehr mit einem gerechten Ausgleich zu tun, sondern mit dem Ausbeuten der Schuldner, schließlich bekommt er Zinsen auf Geld, das er nicht selbst erarbeitet hat, ab einem bestimmten Vermögen kann er auch gut von den Zinsen leben, schließlich sogar viel besser, als seine Schuldner, die sein Leben finanzieren.

Es ist auch keineswegs so, dass nur diejenigen von diesem Mechanismus betroffen sind die selbst Schulden machen. Denn die größten Schuldner sind die Staaten, die die Zinslast via Steuern auf die gesamte Bevölkerung eines Landes verteilen, und die Unternehmen, die je nach  Verschuldung die Preise erhöhen. Letztendlich zahlt also die gesamte Bevölkerung für den krebsartig wachsenden Reichtum weniger Privatpersonen. Die durchschnittliche Zinslast in den Preisen betrug  in den 1990er Jahren etwa ein Drittel. Inzwischen ist dieser Anteil natürlich entsprechend gestiegen.

Die Staatsverschuldung

Die Verschuldung aller Staaten der Welt wächst auch wirklich exponentiell. In der Bundesrepublik verdoppelt sich die Verschuldung etwa alle 8 Jahre. 2000 betrug sie 2,4 Billionen DM. Derzeit steigt die Bundesschuld jede Sekunde um ungefähr 1.300 Euro.
Besonders zeigt sich dieses Schuldenwachstum in den Drittweltländern: Die Gesamtschulden der dritten Welt betrugen 1998 250 Billionen Dollar. Die Spenden, die in der gesamten industrialisierten Welt jährlich gesammelt werden, etwa 4 Mrd. Dollar reichen den Entwicklungsländer gerade um 12 Tage ihre Zinsen zu zahlen. Circa zwei Drittel der neuen Kredite werden für die Abzahlung von früheren Schulden verwendet.

Es ist eine Illusion zu glauben, der Staat könnte durch Sparmaßnahmen oder anderes diese Schuldenlast jemals zurückzahlen. Ganz einfach, weil er kein gewinnorientiertes Unternehmen ist oder sein kann. Er verwendet das Geld vor allem für soziale Ausgaben, Forschung, Kultur, Militär – und die Abzahlung früherer Kredite. Zusätzlich führen Sparmaßnahmen eines Staates unweigerlich dazu, dass die Bevölkerung ärmer wird und die Wirtschaft weniger produktiv ist. – Dadurch sinkt also zwar das Schuldenwachstum, aber auch die Steuereinnahmen von denen der Staat seine Schuld zu begleichen sucht. – Am Schluss steht also unweigerlich der Staatsbankrott.

Was passieren kann, wenn der Staat Pleite geht, konnte man bei der französischen Revolution 1789 deutlich beobachten. Der französische Staat war ein Jahr vorher so hoch verschuldet, dass siebzig Prozent der Steuereinnahmen für Zinsrückzahlungen verwendet wurden. Damit war kein Geld mehr übrig für grundlegende Staatsausgaben, die Preise stiegen und der dritte Stand verarmte gewaltig. Die sozialen Spannungen, die daraus resultierten führten dann zur blutigen Revolution.

Der Zwang zu Wirtschaftswachstum

Ein Geldbesitzer wird natürlich nur in die reale Wirtschaft investieren, wenn er dort mehr Gewinn machen kann, als durch die Verzinsung seines Vermögens. Also muss ein Unternehmen seinen Gewinn ständig steigern um mit dem Zinswachstum mithalten zu können. Selbst wenn ein Unternehmer aus Idealismus sein Geschäft nicht gewinnorientiert führt, muss er meist Kredite mit hohen Zinsen zurückzahlen – gerade für kleinere Unternehmen sind die Zinssätze auch besonders hoch. So bewirkt der Zins konkret den Zwang nach exponentiellem Wirtschaftswachstum.

Ein hohes Wirtschaftswachstum kann die Verarmung der Bevölkerung abmildern:

Das was der Bevölkerung durch den Zins genommen wird, wird ihr durch das Mehr an Volkseinkommen wieder zugeführt. Nur kann die Geschwindigkeit des Wachstums nicht immer weiter zunehmen.

Dieses künstliche Wirtschaftswachstum kann man überall beobachten:

– Obwohl eigentlich das Geld fehlt, wird ständig in neue, im Prinzip überflüssige – vor allem, wenn man bedenkt, wie knapp das Geld ist – Bauprojekte investiert  wie den Transrapid oder das neue Fußballstadion in München.

– Viele Waren werden von vorn herein so produziert, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen und ersetzt werden müssen.

– Außerdem ist man darauf angewiesen, durch Werbung ständig neue Bedürfnisse zu schaffen. Ein Amerikaner zum Beispiel sieht durchschnittlich 22.000 Werbespotts pro Jahr.

– Natürlich braucht man auch immer neue Gebiete, in die sich die eigene Wirtschaft ausbreiten kann. Dazu werden Länder erobert oder wirtschaftlich abhängig gemacht. Schon die Römer mussten deshalb expandieren, der Imperialismus hat dieselbe Ursache, heutzutage läuft dasselbe ab unter dem Deckmantel der Globalisierung.

Dabei wird die inländische Wirtschaft eines Landes häufig systematisch zerstört, z. B. durch sogenannte Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank, die arme Länder zwingen, ihre Märkte zu öffnen und ausländische Investoren genauso zu fördern wie inländische. Dadurch gehen die inländischen Kleinbetriebe Pleite und das Land wird vom Import abhängig. Eine Studie aus den 1980er Jahren zeigt, dass in 24 Ländern, die sich Strukturanpassungsprogrammen unterzogen, der Export in 13 Ländern nachgelassen hat und in den anderen 11 den Importzuwachs nicht ausgleichen konnte.

Außerdem bieten Entwicklungsländer günstige Produktionsbedingungen (kaum Umweltauflagen, Steuerfreistellungen, billige Arbeitskräfte (viele arbeiten für unter 1 $ am Tag, unbezahlte Überstunden, keine Arbeitsschutzmaßnahmen, Gewerkschaften oder Sozialleistungen)).

Auch können dort billig produzierte, minderwertige Waren abgesetzt werden. Die Babynahrung ist in der dritten Welt z. B. so schädlich, dass die Weltgesundheitsorganisation und Unicef einen Kodex eingeführt haben, der es verbietet, gesunde, wohlgenährte Babys auf den Produkten abzubilden, da die meisten Leute dort nicht lesen können und sonst denken, Babynahrung sei gesünder als Muttermilch. Die Kodex ist jedoch kaum durchzusetzen. Als Guatemala entsprechende Gesetze erließ, drohte ein amerikanischer Konzern damit, das Land bei der WTO zu verklagen, daraufhin machte die Regierung einen Rückzieher. (Die WTO hat bisher allen Klagen gegen Gesundheits- oder Umweltschutzgesetze, außer der Asbest-Klage stattgegeben)

Umweltzerstörung

Folge des übersteigerten Wirtschaftswachstums ist die maßlose Ausbeutung der Natur. Vor allem in den Drittweltländern ist der Wachstumszwang so groß, dass keine Rücksicht mehr auf die Umwelt genommen wird. Die Folgen sind bekannt: Gewässer werden leergefischt, Regenwälder abgeholzt, Arten ausgerottet, die Luft verpestet und ganze Landstriche verseucht.

Was passiert, wenn die Grenzen des Wachstums erreicht sind?

Trotz all dieser Maßnahmen zur Wachstumssteigerung, ist die Grenze des Wachstums irgendwann erreicht. Dann sinken die Zinssätze. Wenn die Zinssätze jedoch stark sinken, nimmt die Geldhortung zu. D. h. der Geldumlauf ist nicht mehr gewährleistet. Dies führt wie beschrieben zum Zusammenbruch.

Wie entstehen Kriege?

Um grenzenloses Wachstum zu ermöglichen gibt es nur eine Möglichkeit: Die zyklische Zerstörung des vorher produzierten.
Dazu ist Krieg das effektivste Mittel. Ein Krieg bringt gewaltige Zerstörung, die hinterher wieder aufgebaut werden kann. Während der Wiederaufbauphase kann es dann Frieden geben – bis der Markt wieder gesättigt ist. Umso größer also die Zerstörung des Krieges ist, umso länger kann die anschließende Friedensphase dauern. So währt der Frieden nach dem 2. Weltkrieg hierzulande inzwischen fast 60 Jahre.

Zu Kriegen kommt es in erster Linie dann, wenn die Massen arm sind. Der Zins führt, vor allem in der Endphase, wenn die Konjunktur stagniert zu gewaltiger Verarmung. Die Geschichte zeigt zur Genüge, wie leicht es ist, hungernde Massen zu radikalisieren, in Revolutionen, Bürgerkriege oder Faschismus zu treiben.
Zusätzlich löst auch der Kampf um für das Wachstum nötige Territorien oder Ressourcen Kriege aus.

Die heutige Lage

Inzwischen ist der Markt wieder weitgehend gesättigt, die Konjunktur in den Industrienationen stagniert, die Zinssätze fallen entsprechend, dementsprechend boomt die Börse, denn bei niedrigem Zinssatz kann im spekulativen Sektor mehr Geld verdient werden. Dieses Geld bleibt jedoch für die reale Wirtschaft – im besten Falle – genauso nutzlos.

Da nicht genug Geld im Umlauf ist, haben wir inzwischen auch eine beginnende Deflation. Weil die Preise, durch den Euro, zwar zugenommen haben, die Löhne jedoch nicht gestiegen sind, haben die Haushalte weniger zur Verfügung und geben dementsprechend weniger aus. Die Unternehmen können ihre Produkte fast nur noch mit Sonderangeboten verkaufen.
Damit muss das Wirtschaftswachstum weiter stagnieren.


Die Lösung des Problems – Freiwirtschaft

Prinzipiell ist das Problem einfach zu lösen.
Wie bereits erwähnt ist Geld den Waren überlegen, da es nicht an Wert verliert. Deswegen wird Geld gespart nicht Waren. Um den Zins als Umlaufsicherung überflüssig zu machen, muss man das Geld nun lediglich an die Waren angleichen, dass heißt, Geld muss sich ‚abnutzen’, an Wert verlieren, dann wird man versuchen, es schnell auszugeben.

Dabei wird das Geld nach einem bestimmten Zeitraum abgewertet oder man muss eine Marke kaufen, damit ein Schein gültig bleibt. Diese Differenz nennt man Nutzungsgebühr. Zahlen muss sie derjenige, der am Stichtag das Geld besitzt, deswegen wird jeder versuchen, sein Geld möglichst vorher auszugeben und das Geld so in Umlauf bleiben. In der Praxis zeigt sich, dass dieses sogenannte Freigeld sogar schneller umläuft als Zinsgeld.

Auch sparen kann man natürlich in so einem System. Wenn diejenigen, die mehr Geld haben, als sie ausgeben können, ihr Geld verleihen, erhalten sie von dem Schuldner die selbe Summe zurück, die sie ihm geliehen haben. Somit umgehen sie die Nutzungsgebühr und sie werden ihr Geld nicht daheim horten wollen. Damit wird der flüssige Umlauf des Geldes sichergestellt.
Außerdem ist die Nutzungsgebühr im Gegensatz zum Zins eine öffentliche Einnahmequelle mit der soziale Projekte finanziert werden können.

Erfahrungen mit der Freiwirtschaft

Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren wurden einige sehr erfolgreiche Experimente mit Freigeld, damals als Schwundgeld bezeichnet, gemacht. Das berühmteste war in Wörgl. Wörgl ist eine kleine Gemeinde in Österreich. 1931 war sie völlig Pleite. Man hatte also nichts zu verlieren und entschloss sich, das Schwundgeld einzuführen. Als Geldscheine wurden sogenannte Arbeitsbestätigungen ausgegeben, auf die jeden Monat eine neue Marke aufgeklebt werden musste, ohne die der Schein nicht gültig war. Diese Marken musste man von der Gemeinde kaufen. Dadurch wurde die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes enorm erhöht mit dem Effekt, dass während in Österreich die Arbeitslosigkeit anstieg, sie in Wörgl in einem Jahr um 25% sank. Mit dem eingenommenen Geld konnte die Gemeinde Straßen sanieren, Arbeitsbeschaffungsprogramme finanzieren, eine Notstandsküche einrichten und sogar eine Skisprungschanze bauen (die heute noch steht).

Das Experiment war so erfolgreich, dass es weltweit großes Aufsehen erregte und sogar amerikanische Wissenschaftler anreisten um sich das „Wunder von Wörgl“ anzusehen. Nachdem sich eine Nachbargemeinde dem Experiment angeschlossen hatte und weitere Gemeinden dasselbe planten, schritt jedoch die Notenbank ein und verbot das Schwundgeld. Dementsprechend verschlechterte sich auch die wirtschaftliche Lage in Wörgl wieder.

Auch im Mittelalter gab es eine konstruktive Umlaufsicherung, wenn auch wahrscheinlich mehr aus Gier der Fürsten, als aus wirtschaftlichen Überlegungen.
Das Zinsnehmen war von der Kirche verboten. Es war allgemein üblich, dass, wenn ein Fürst starb, neue Münzen ausgegeben wurden. Die Fürsten nutzten diese Gelegenheit, um Steuern einzuziehen und gaben den Bürgern weniger zurück, als sie abgegeben hatten. Allein dadurch wurde die Geldhortung schon problematisch.

Zusätzlich gab es in der 300jährigen Blütezeit des Mittelalters die sogenannte Bracteatenwährung. Sie wurde häufig eingesammelt und den Leuten weniger von den neugeprägten Münzen zurückgegeben, mit demselben Effekt der Umlaufbeschleunigung. Dadurch kam es zu einem enormen Wirtschaftsaufschwung und allgemeinem Wohlstand. Die Handwerker verdienten damals besser als heutzutage. Enorme Summen wurden in Kunstwerke investiert. Viele der alten Kirchen stammen aus dieser Zeit. Man kann deswegen in vielen Fenstern die Symbole der Zünfte sehen, die sie auf Grund ihres Wohlstandes stifteten. In dieser Zeit gab es sogar Emanzipationsbestrebungen der Frauen.

1495 verbot die Kirche jedoch das ständige Neuprägen der Münzen. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass die sogenannten Prägesteuern sehr hoch waren und dass die Leute den sehr häufigen Geldumtausch als lästig empfanden.
Folge des Verbots war die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, die dann auch zu dem großen Bauernkrieg 1525 und dem dreißigjährigen Krieg ein Jahrhundert später führte.

Heutige Freigeld- Projekte (Regionalwährungen)

Durch die inzwischen wieder immer schlechter werdende Wirtschaftslage hat sich auch heute wieder eine Freigeldbewegung gebildet. Es werden auf Regionalebene Gutscheinsysteme eingeführt. Da es sich um einen Gutschein handelt, nicht um so bezeichnetes Geld, ist es auch rechtlich unbedenklich. Die Idee der Regionalwährung als Ergänzung zur Landeswährung, hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass es das Abfließen des Geldes verhindert und damit einige Folgen der Globalisierung abmildert. Freigeldprojekte gibt es zum Beispiel in Prien (Chiemgauer), Sachsen, Berlin, zahlreiche weitere Gruppen in Deutschland arbeiten an der Einführung, Kanada (Gogos), auch in Japan gibt es einige Projekte, außerdem soll dort, ähnlich wie im Mittelalter bald alles Geld gegen Gebühren umgetauscht werden (um die Staatskasse aufzufüllen). Neuerdings gibt es auch eine deutschlandweite Komplementärwährung, die freie deutsche Mark. Sie soll die Einführung regionaler Währungen erleichtern.

Quellen:

Allgemein:
– Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation, Goldmann 1991
– Günter Hannich: Sprengstoff Geld
– Helmut Creutz: Das Geldsyndrom, Ullstein, 1993
http://www.geldreform.de/

Globalisierung:
– Naomi Klein: No logo, Riemann 2001
– Schwarzbuch Globalisierung, Riemann 2001


Weitere Informationen:

Witzig aufbereitetes Video, das unser Geldsystem auf einfache Weise erklärt:
http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ&mode=related&search=

Die Geschichte von Fabian dem Goldschmied – eine weiteres Filmchen, das unser Geldsystem anschaulich erklärt:
http://de.youtube.com/results?search_query=Welt+plus+5+Prozent&search=Suchen%29

Geld als Schuld – Wie entsteht überhaupt Geld? Paul Grignons eindrucksvoller Film erklärt in anschaulicher Weise, warum alle Welt soviele Schulden hat:
http://video.google.de/videoplay?docid=6433985877267580603

http://www.geldreform.de/ (großes Archiv an online-Texten, auch ganzen Büchern)
Regionale Freigeld- Projekte:  http://www.regiogeld.de/
http://www.geldcrash.de/
(mit vielbesuchtem Diskussionsforum)

Freie deutsche Mark: http://www.freie-dm.de/

Quelle: http://www.wahrheitssuche.org/zins.html

Gruß an die doppelt-/ und Dreifachzahler

TA KI

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Das Erdbeben an den Börsen: Was steckt dahinter?


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In den vergangenen Tagen wurde Geschichte geschrieben. In über 20 Ländern brachen die Aktienkurse oder die Währungskurse gleichzeitig ein. Chinas Börse bebte ein ums andere Mal, ohne dass die Notmaßnahmen der Regierung in Beijing Wirkung zeigten. Der Dow Jones erlebte am Montag mit über 1.000 Punkten den größten Absturz seiner Geschichte. Innerhalb von 14 Tagen wurden weltweit mehr als 5 Billionen US-Dollar an Aktienwerten vernichtet.

Gastbeitrag von Ernst Wolff

Die Mainstream-Medien schwankten zwischen verkaufsfördernder Panikmache und systemstabilisierender Beschwichtigung. Auf die Bevölkerung stürzte eine wahre Flut widersprüchlicher Informationen ein, die es dem Laien unmöglich machten, sich ein klares Bild von der Situation zu verschaffen.

Inzwischen haben sich die Kurse in den fortgeschrittenen Industrieländern leicht erholt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben die Zentralbanken hinter den Kulissen im großen Stil eingegriffen und das Problem damit nicht aus der Welt geschafft, sondern nur aufgeschoben und so langfristig ein weiteres Mal verschlimmert.

Trotz der vorübergehenden Beruhigung der Lage brennen jedem arbeitenden Menschen zahlreiche Fragen unter den Nägeln: Was hat zu dem Börsenbeben geführt? Wie gefährlich war es? Kann es sich wiederholen und Folgen wie die große Depression in den Dreißiger Jahren haben? Sind Millionen von Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger bedroht?

Was zur gegenwärtigen Situation geführt hat

Zwischen den Siebziger Jahren und der Jahrtausendwende ist das globale Finanzsystem weltweit „dereguliert“ worden. D.h.: Die Politik hat großen Finanzinstitutionen zunehmend Zugeständnisse gemacht und ihnen bis dahin bestehende Hindernisse aus dem Weg geräumt. Das hat dazu geführt, dass immer mehr reine Finanzprodukte erfunden wurden und immer mehr Geld in den Finanzsektor geflossen ist.

1998 kam es zu einer ersten systembedrohenden Krise, als der Hedgefonds Long Term Capital Management zusammenbrach und eines dieser Finanzprodukte, nämlich die Kreditausfallversicherungen, in riesigem Umfang fällig wurde. Um den Zusammenbruch des gesamten Systems (und ihr eigenes damit verbundenes Ende) abzuwenden, schlossen sich mehrere Wallstreet-Banken zusammen und retteten den Hedgefonds.

Trotz der Alarmsignale zog die Politik aus dem Notfall keine Konsequenzen, sondern erlaubte der Finanzwirtschaft sogar eine Ausweitung ihrer Geschäfte. 2008 kam es zur nächsten systembedrohenden Krise, als der amerikanische Häusermarkt zusammenbrach und ungedeckte Kredite Banken in aller Welt in den Abgrund zu reißen drohten. Diesmal waren die zur Rettung des Systems erforderlichen Summen so groß, dass die Regierungen mittels der Zentralbanken eingriffen und die Finanzinstitutionen unter dem Vorwand, sie seien „too big to fail“, mit dem Geld der Steuerzahler retteten.

Durch diese Abwälzung privater Verluste auf die Allgemeinheit wurden riesige Löcher in die Staatshaushalte gerissen. Um diese wieder zu füllen, wurden unter dem Schlagwort der „Austerität“ Sparprogramme aufgelegt, mit denen die arbeitenden Menschen für die Verfehlungen der Finanzindustrie zur Ader gelassen wurden. Da die Mehrzahl der Menschen den Gürtel enger schnallen musste, also weniger konsumiert wurde, ging die wirtschaftliche Nachfrage weltweit zurück.

Die Regierungen reagierten, indem sie die Zentralbanken anwiesen, Geld zu drucken, um es zu Niedrigzinsen an die Finanzwirtschaft zu verleihen. Diese sollte es dann in den Wirtschaftskreislauf einspeisen und so die Wirtschaft wieder in Gang bringen.

Das aber geschah nicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Durch die Einstufung als „too big to fail“ hatte die Finanzindustrie einen Freibrief erhalten, der ihr erlaubte, fast risikolos auf die viel lukrativere Spekulation an den Finanzmärkten zu setzen, anstatt in die Infrastruktur oder die industrielle Produktion zu investieren. Auf diese Weise wanderte der größte Teil des frisch gedruckten Geldes (allein in den USA waren es viereinhalb Billionen Dollar) in den Finanzsektor und blies ihn noch weiter auf.

Das Ergebnis: Der Umfang der Derivate (spekulative Finanzprodukte, die mit der Realwirtschaft nichts zu tun haben) ist heute um 20 Prozent größer als 2008. Außerdem haben sich an den Aktienbörsen, auf den Anleihemärkten und im Immobiliensektor größere Blasen als 2008 gebildet. Das größte Problem aber ist die globale Verschuldung, die mit etwa 200 Billionen Dollar einen historischen Höchststand erreicht hat.

Das Problem dieser Verschuldung liegt vor allem darin, dass zur Rückzahlung von Zins und Zinseszins – sowohl im privatwirtschaftlichen wie auch im staatlichen Bereich – ein Wachstum der Wirtschaft und eine relativ hohe Inflation notwendig sind. (Wenn das allgemeine Preisniveau steigt, fällt entsprechend der Wert der Schulden). Sollte es – wie seit 2008 – zu Stagnation oder gar zur Rezession kommen, so tritt eine Deflation (ein Sinken der Preise und damit der Steuereinnahmen) ein, was den Wert der Schulden in Relation zum allgemeinen Preisniveau erhöht und die Rückzahlung der Schulden erschwert oder ganz unmöglich macht.

Keine Korrektur, sondern erste Anzeichen des kommenden Finanz-Tsunamis

Auslöser für die Beben an den Börsen waren mehrere aufeinander folgende Einbrüche der chinesischen Börse. Deren Kurse hatten in den vergangenen Monaten immer neue Rekordstände erreicht. Deshalb behaupteten viele Kommentatoren, es handle es sich nur eine „notwendige Korrektur“. Das aber ist falsch.

Chinas Wachstum der vergangenen Jahre ist mit einer Explosion des Schattenbankensektors und ebenfalls mit einer Rekordverschuldung einhergegangen. Chinas Problem ähnelt dem der westlichen Länder: Es braucht unbedingt wirtschaftliches Wachstum und Inflation, aber in viel höherem Maße als der Westen. Da die globale Nachfrage derzeit rückläufig ist, hat China einen Wendepunkt erreicht, der von sinkenden Preisen und deflationären Tendenzen gekennzeichnet ist und sich zurzeit auf dem Aktienmarkt niederschlägt. (Die Verzweiflung der chinesischen Regierung lässt sich daran ablesen, dass sie zunächst selbst mit Milliarden in den Markt eingegriffen und dann sogar den Rentenfonds erlaubt hat, 30 Prozent ihres Geldes in den Aktienmarkt zu investieren. Wie ernst die Situation ist, lässt sich daraus ersehen, dass beide Maßnahmen wirkungslos verpufft sind.)

Die Probleme an den globalen Aktienmärkten sind allerdings nur ein sichtbarer Indikator der viel tiefer liegenden Probleme der Weltwirtschaft. Diese leidet, wie wir gesehen haben, zurzeit an drei schweren Krankheiten: Zum ersten an der Austeritätspolitik, die ein Wachstum durch steigende Nachfrage verhindert. Zum zweiten daran, dass die Finanzindustrie wegen ihrer Einstufung als „too big to fail“ nicht bereit ist, in die Realwirtschaft zu investieren, sondern sich lieber weiter in parasitärer Weise am Casino des Finanzkapitalismus beteiligt. Zum dritten aber leidet sie an einer außer Kontrolle geratenen allgemeinen Verschuldung, die durch kein bekanntes Mittel mehr in den Griff zu bekommen ist.

Wo stehen wir also?

Um den gegenwärtigen globalen Schuldenberg von etwa 200 Billionen US-Dollar abzutragen, müsste die Wirtschaft weltweit einen nie gekannten Aufschwung erleben. Nachfrage und Produktion müssten wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders durchstarten, die Preise mit sich reißen und so eine hohe Inflation erzeugen, die die Rückzahlung der Schulden im großen Stil ermöglicht. Da aber durch die Austeritätspolitik keine Nachfrage und durch den Abfluss des frisch gedruckten Geldes in die Finanzspekulation gar kein Wachstum geschaffen werden kann, wird mit Sicherheit das Gegenteil eintreten: Die Schulden werden weiter wachsen.

Die einzige Lösung des Grundproblems bestünde darin, die Austeritätspolitik zu beenden, einen globalen Schuldenschnitt von nie dagewesenem Ausmaß vorzunehmen und die Spekulation an den Finanzmärkten rigoros zu unterbinden. Das aber ist unmöglich: Der Finanzsektor ist inzwischen zehnmal so groß wie die globale Realwirtschaft und damit unendlich viel mächtiger als die Politik. Die von der Wallstreet und der City of London aus gesteuerte Finanzindustrie ist ohne Probleme in der Lage, jedes Land, das ihr auch nur die kleinsten Hindernisse in den Weg legt, umgehend in die Knie zu zwingen – siehe Griechenland.

Was wir derzeit erleben, ist der Auftakt zu einem überschuldungsgetriebenen Finanz-Tsunami, der sich nicht mehr aufhalten lässt. Einzig und allein global koordinierte Maßnahmen könnten die bevorstehende und unabwendbare Kernschmelze im Kreditsektor verhindern, sind aber auf Grund der Aufsplitterung der Welt in einzelne Staaten mit unterschiedlichen Interessen und der deswegen national beschränkten politischen Strategien ihrer Regierungen derzeit nicht im Bereich des Möglichen.

Wir befinden uns in einer ähnlichen Situation wie die Einwohner Kaliforniens, die seit langem auf das ganz große Erdbeben („The big one“) warten. Niemand kann seinen Eintrittszeitpunkt exakt vorhersagen und es ist gut möglich, dass es noch zu einigen weiteren Vorbeben kommt. Aber der Eintritt des Ereignisses selbst steht außer Frage.

Ernst Wolff, 1950 geboren, wuchs in Südostasien auf, ging in Deutschland zur Schule und studierte in den USA. Er arbeitete in diversen Berufen, u.a. als Journalist, Dolmetscher und Drehbuchautor. Die Wechselbeziehung von Wirtschaft und Politik, mit der er sich seit vier Jahrzehnten beschäftigt, ist für ihn gegenwärtig von höchster Bedeutung: „Die Finanzkrise von 2008 und die Eurokrise waren nur die ersten Vorboten eines aufziehenden globalen Finanz-Tsunamis, in dem der IWF und seine Verbündeten auch in Deutschland zu Maßnahmen greifen werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.“

(…)

Quelle: http://www.unzensuriert.at/content/0018558-Das-Erdbeben-den-Boersen-Was-steckt-dahinter

Gruß an die Gierigen

TA KI